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Mit Big Data auf Öko-Kurs Der Logistikkonzern Kühne + Nagel pflanzt nicht nur Bäume

Mit Big Data auf Öko-Kurs

Der Logistikkonzern Kühne + Nagel pflanzt nicht nur Bäume, sondern möchte spätestens ab 2030 alle seine Transporte klimaneutral abwickeln.

Nichts ist zur Kompensation von CO₂ geeigneter als Wald“, ist Klaus-Michael Kühne überzeugt.

Es werde derzeit geprüft, ob Kühne + Nagel in den nächsten Jahren bis zu 100 Millionen Euro in Waldkäufe und Wiederaufforstungsprogramme investieren wird, um den eigenen CO₂-Ausstoß zu kompensieren, kündigte der Ehrenpräsident der Kühne + Nagel International AG Mitte Februar bei einem Treffen mit Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller am Standort Hamburg an: „Wir wollen nicht nur Zertifikate kaufen, sondern eigene Projekte anstoßen.“ Das erste Vorhaben seiner Kühne-Stiftung läuft bereits: 15 Millionen Euro fließen beispielsweise in ein Projekt zur Anpflanzung neuer Bäume in den Wäldern Neuseelands.

Ein Mega-Signal

Seit Ende 2019 ist der Logistikkonzern Mitglied der Allianz für Entwicklung und Klima, eines vom Ministerium Müllers gemeinsam mit der Privatwirtschaft initiierten Bündnisses für den Klimaschutz. Ziel der Allianz ist es, nicht nur die freiwillige Kompensation von CO₂ in Deutschland zu fördern, sondern vor allem die Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen konsequent umzusetzen. Den Beitritt zur Allianz nennt Minister Müller ein „Mega-Signal“ an die Branche.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (links) informierte sich bei Klaus-Michael Kühne über das weltweite Klima-Engagement des Logistikers. (Foto: Daniel Reinhardt/Kühne+Nagel)

Hintergrund: Inzwischen sind zwar weit über 500 Unternehmen, darunter auch Konzerne wie SAP und Bosch oder Mittelständler wie Seifert Logistics, sowie Behörden und Organisationen Teil der Allianz – Logistikdienstleistungsunternehmen machen sich allerdings noch rar.

Kurz vor dem Beitritt lancierte Kühne + Nagel im Rahmen der New Yorker Klimawoche zudem sein „Net Zero Carbon“-Programm. Seit Anfang dieses Jahres kompensiert das Unternehmen damit seinen eigenen CO₂-Ausstoß komplett. Das sind nach eigenen Angaben rund 250.000 Tonnen, die noch nicht über erneuerbare Energien abgedeckt werden können.

Das Programm umfasst die drei Aktionsfelder Erkennung, Reduktion und Kompensation von CO₂. Neben verschiedenen Klimaprojekten beteiligt sich das Unternehmen an naturbasierten Kompensationsprojekten, bei denen CO₂ der Atmosphäre entnommen wird. Die so erzielten Emissionsgutschriften entsprächen den höchsten internationalen Standards, so der Konzern. Und: Schon seit mehreren Jahren vermittle Kühne + Nagel seinen Mitarbeitern umweltbewusstes Verhalten. So würden beispielsweise immer mehr Dienstreisen durch Videokonferenzen ersetzt.

Von Hamburg in die Welt

Bis 2030 sollen sämtliche Transporte auch der Logistikpartner im Netzwerk aus Cargo-Fluggesellschaften, Reedereien und Straßentransporteuren klimaneutral sein. „Ein erheblicher Anteil lässt sich über eine Reduktion des CO₂-Ausstoßes durch effizientere Verkehrsmittel erreichen, sowie über Bio-Brennstoffe und Kompensationen“, erläutert Otto Schacht. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der Kühne + Nagel International AG, verantwortlich für den Bereich Seefracht und einer der Treiber für die Umweltprogramme des Unternehmens.

„Von Hamburg aus machen wir die Welt sauberer“, sagt er stolz und verweist auf die firmeneigene Online-Plattform „Sea Explorer“.
Es gibt einen umfassen Überblick darüber, was auf den Weltmeeren passiert: Welche Reedereien laufen welche Häfen an, welche Schiffe sind dazu unterwegs, wie lange brauchen sie, und wie pünktlich und vor allem wie umweltfreundlich sind sie dabei?

200 Millionen Datensätze am Tag

Für seine Kunden schafft Kühne + Nagel auf diese Weise mithilfe von Big Data Grundlagen für die Entscheidung, wie sie ihre Waren am besten transportieren können.

„Wir sammeln dafür am Tag 200 Millionen Datensätze“, berichtet Schacht. „Das Informationsangebot ist ständig gewachsen; inzwischen können unsere Kunden aus dem Programm auch Umweltdaten der Schiffe ablesen, beispielsweise, ob sie mit Abgasreinigungsanlagen ausgerüstet sind.“

Zu jedem Containerfrachter lässt sich der CO₂-Ausstoß für den transportierten Standardcontainer per Balkendiagramm darstellen – mit erstaunlichen Ergebnissen: „Auf ein und derselben Strecke stoßen manche Schiffe bis zu 300 Prozent mehr CO₂ aus als andere!“

Klimaschutz gibt es nicht umsonst

Alle Seefracht-Sammelsendungen (LCL) von Kühne + Nagel werden nach Angaben von Schacht bereits seit Jahresbeginn klimaneutral verschifft, die zusätzlichen Kosten für die Kompensation seien in die Preise eingerechnet. „Wir sind bisher der einzige Logistikdienstleister, der das anbietet“, betont er. Bei Vollcontainerladungen (FCL) biete man ebenfalls CO₂-neutrale Transporte über Kompensation oder teilweise mit Biotreibstoffen an. „Klimaschutz gibt es nicht umsonst“, sagt Schacht. „Aber wir stellen fest, dass die ersten Kunden aus der ganzen Welt bereit sind, dafür zu bezahlen.“

Auch Entwicklungshilfeminister Müller haben die Pläne des Logistikriesen überzeugt: „Herr Kühne und Kühne + Nagel lösen eine Bewegung aus. Sie sind Pioniere und die Vorreiter grüner Logistik.“ Das hat sein Ministerium mit dem Unternehmen übrigens gemeinsam: Nicht das Umwelt-, sondern das Entwicklungshilferessort ist nach Angaben eines unabhängigen Gutachters das erste klimaneutrale Ministerium.

Dieser Beitrag ist erschienen im BVL Magazin Zwei 2020.

Credits:

Erstellt mit Bildern von Arnaud Mesureur - "untitled image" • Dave Hoefler - "Indian Lake Park, WI" • Diego Fernandez - "Containers - Los Angeles, CA"

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