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5. Urbane Logistik Die Stadt - ein Ort für Menschen und Logistik

Die Stadt - ein Ort für Menschen und Logistik

Viele Städte erleben täglich den „Verkehrsinfarkt“, weil immer mehr Fahrzeuge sich den begrenzten Raum teilen müssen. Zur Steigerung der Lebensqualität und zum Schutz des Klimas mehren sich dagegen die Maßnahmen, Verkehre in der Stadt zu begrenzen, zu verlangsamen oder ganz abzuweisen.

In diesem Spannungsfeld steht die urbane Logistik. Besonders dann, wenn Wohnen in der City wieder zunimmt, brauchen die Menschen mehr - Geschäfte müssen mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs versorgt weden. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Online-Bestellungen weiter rasant zu und mit ihnen die Touren der Paketzusteller: Laut Bundesnetzagentur wurden im Jahr 2020 3,6 Millionen Sendungen verzeichnet, über 17 Prozent mehr als noch 2019.

Bei zunehmenden Verkehren wird also der Raum für urbane Logistik knapper – es fehlen oft Halte- und Umschlagplätze. Dieser Herausforderung müssen sich die Städte nun stellen und intelligente Lösungen entwickeln.

Arbeiten am urbanen Logistikmodell von morgen

Dr. Jan Bartels, Zalando VP Customer Fulfillment & Logistics (Foto: Zalando)
Die innerstädtische Infrastruktur muss mit dem Wandel des Konsumverhaltens Schritt halten. Damit können wir den Klimaschutz verbessern und die Lebensqualität in den Städten erhöhen. Haltezonen für die Lieferdienste, die den Verkehrsfluss erhöhen und Paketstationen in Mehrfamilienhäusern sind nur zwei Beispiele für Lösungen, die Vorteile für Bürger, Unternehmen und die Umwelt bringen. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten.

Dr. Jan Bartels, Zalando VP Customer Fulfillment & Logistics

Gemeinsam mehr erreichen - Potenziale und Handlungsbedarf

Die Herausforderungen urbaner Logistik sind oft kommunale Themen mit landes- und bundesrechtlichen Aspekten. Hier muss es deutliche Vereinfachungen geben, um pragmatische Lösungen finden zu können. Beispielsweise gibt es für Logistikdienstleistungen im räumlichen Zusammenhang mit Wohnen oder Arbeiten meist keine Genehmigung. Der Bund muss die Leitplanken setzen für die Berücksichtigung urbaner Logistik bei der Planung von Neubaugebieten und die Erlaubnis zur Belieferung abseits der Rush-Hour (auch abends und nachts).

Einheitliche Leitlinien sollten die Vielfalt an Regelungen zwischen Kommunen beenden. Derzeit müssen Logistikdienstleister überall andere Vorgaben beachten. Bund, Länder und Kommunen sollten mehr alternative Konzepte fördern und rechtlich ermöglichen.

Neue Formen der urbanen Logistik müssen geschaffen werden, zum Beispiel in Form von Mischnutzungen oder Micro-Hubs. Dazu braucht es Programme zur Nutzung von Lastenrädern, Elektro-Transportern und Shared Services verschiedener Anbieter. Ebenso ist ein Standard für die Bereitstellung bestimmter Daten nötig, beispielsweise Echtzeit-Verkehrsdaten, die eine Optimierung der Zufahrt in die Innenstadtbereiche ermöglichen. Die Logistikdienstleister sind bereit, diese Daten zur Verfügung zu stellen – Bund, Länder und Kommunen müssen es auch tun.

Die Versorgung mit Waren sollte einen ähnlichen Stellenwert wie der ÖPNV erhalten, besser noch zusammen mit diesem gedacht werden. Ziel muss eine Netzeffizienz des Gesamtsystems Verkehr in einer Stadt sein. Städtischer Wandel muss daher mit Einbezug von Akteuren aus der Logistik stattfinden.

Unsere Anregungen auf einen Blick

  • Abbau von Bürokratiehürden für schnelle, pragmatische Lösungen
  • Einheitliche Leitlininen
  • Logistik beim Städtewandel mitdenken
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