Auszug aus dem Kulturbuch zum 25-jährigen Jubiläum
Nico Ubenauf, Gründer satis&fy
Was hat dich zur Veranstaltungstechnik geführt?
Schon als Jugendlicher galt meine Leidenschaft der Musik. Ich habe Bass gespielt und wollte Rockstar werden. Mit unserer Band Relaxte Atmosphäre haben wir es dann sogar einigermaßen weit gebracht. Aber um mein Ziel zu erreichen, brauchte ich einen Nebenjob. Da lag die Veranstaltungsbranche nahe. Neben meinen Jobs als Lichttechniker habe ich auch noch studiert - halbherzig ein Dutzend Semester Politologie und Soziologie. Erst als wir die ersten Mitarbeiter hatten, hängte ich mein Studium endgültig an den Nagel.
Wie sah die Branche aus, als ihr mit satis&fy am Anfang standet?
Von einer Branche konnte man eigentlich noch gar nicht sprechen, eher von ein paar Freaks, die sich mit ihrer Dienstleistung auf halbseidenem Gebiet bewegten. Damals herrschte eine ziemliche Wildweststimmung. Symptomatisch war zum Beispiel, wie völlig willkürlich Preise damals gemacht wurden. Ein brandneues Gerät, was noch niemand hatte, konnte man für unglaublich hohe Tagesmieten anbieten. Es gab einfach kaum Vergleichsangebote oder Wettbewerb. Das änderte sich erst im Zuge der Expo 2000 in Hannover. Plötzlich gab es Preislisten und eine Marktorientierung. Damit begann der harte Wettbewerb über Preise, der bis heute anhält.
Was ist euer Erfolgsrezept gewesen?
Ich denke, wir haben uns mit der Aufgabenstellung einfach anders auseinandergesetzt als andere. Von Anfang versuchten wir, das Projekt inhaltlich zu verstehen und in die Sprache von Technik und Gestaltung zu übersetzen. Während die damaligen Unternehmen eher handwerklich geprägt waren, haben wir uns von Anfang an als kreativer Sparringspartner für den Kunden verstanden und dies mit einer sehr bodenständigen und verlässlichen Umsetzung kombiniert. Damit konnten wir Vertrauen von Kunden gewinnen, die plötzlich mit einer Flut an technischen Innovationen konfrontiert waren und Partner suchten, die aus diesen Möglichkeiten eine sinnvolle Lösung erarbeitet haben. Wir haben uns immer als Anwalt des Kunden verstanden und immer versucht, in deren Sinne zu handeln. Das hat uns sehr langfristige vertrauensvolle Kundenbeziehungen eingebracht. Ich glaube ein weiterer wesentlicher Punkt ist, dass wir früh gelernt haben zu delegieren. Auf Grund der guten Auftragslage steckten wir eigentlich permanent in einer Art Überforderung. Daher mussten wir uns immer Menschen dazu holen, denen wir dann unser komplettes Vertrauen schenkten. In der Regel kamen sie aus unserem Freundeskreis. Auch hier wurde stark improvisiert, ohne jegliche Strukturen oder Prozesse: Da gibt es diesen Kunden X mit der Aufgabenstellung Y - kriegst du das hin?“ Außerdem haben wir von Anfang an Verantwortung übernommen, vielleicht immer ein bisschen mehr als von uns erwartet wurde. Wir haben uns um alles gekümmert, was nicht verortet war. Unser Anspruch von Vornherein war: Wenn etwas liegen geblieben ist, was nicht gemacht ist, machen wir es!“Schließlich und endlich hatten wir wohl auch einfach Glück, denn wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und wir waren mutig, in Technik zu investieren, wo alle anderen mit dem Kopf schüttelten.
Was ist heute für dich das Einzigartige an der Firma?
Wir haben es geschafft, einen Anspruch an unsere Leistung zu definieren, der jedem Mitarbeiter intuitiv klar ist. Gerade wenn es mal nicht so klappt, wird das deutlich: Das spürt dann jeder Mitarbeiter sofort: „Das ist nicht satis&fy-Standard.“ In diesem Moment schmerzhaft und nervig, zeigt es aber, dass dieser Anspruch im gesamten Unternehmen präsent ist, selbst wenn es nicht im Detail ausformuliert wurde. Darauf bin ich sehr stolz! Einzigartig ist außerdem, was wir unter maximalem Stress und Zeitdruck in der Lage sind zu leisten. Das macht uns in diesem Business keiner so schnell nach…
Erkennst du einen roten Faden in der Geschichte Eures Unternehmens? Etwas, das tief in der satis&fy-DNA verankert ist?
Was uns von Vornherein geprägt hat, war der Spaß, die Leidenschaft für Projekte. Auch wenn diese Leidenschaft bisweilen im fordernden Tagesbusiness untergeht, gehört sie in meinen Augen klar zu unserer DNA. Was sich auch durchzieht, ist eine gewisse Überlastung, die uns von erster Stunde an gefordert, aber auch stark vorangetrieben hat. Unser ursprüngliche Plan, dass jeder von uns nur drei Tage die Woche arbeiten sollte, ging leider nur in den ersten zwei Wochen auf, ab da ging es eigentlich immer heiß her. Schließlich zeichnet und sie persönliche Art aus, mit der wir uns hier begegnen. Satis&fy ist aus einem Freundeskreis entstanden, viele davon sind heute noch dabei. Auch wenn der Laden stark gewachsen ist und sich inzwischen längst nicht mehr alle Mitarbeiter persönlich kennen, gehört die Begegnung auf Augenhöhe unumstößlich zu unserer Company dazu.
Worauf in eurer Unternehmensgeschichte bist du besonders stolz?
Ich bin stolz, dass unser ethischer Kompass bis heute funktioniert. Manchmal kann man komplexe Situationen nicht so kommunizieren, dass es auch bei jedem Mitarbeiter so ankommt, wie man sich das wünscht. Wichtig ist aber, ob man selber noch überzeugt ist, das Richtige zu tun. Viele schwierige Situationen hätte man einfacher, aber auf Kosten von Mitarbeitern lösen können. Wir sind sehr oft den schwierigen Weg gegangen und erst viel später dafür belohnt worden. Ich bin stolz darauf, dass wir es uns bis heute nie einfach gemacht haben!
Ein Lebensmotto von dir…
Alles, nur kein Mittelmaß!
Beckenbauer unterm Weihnachtsbaum: Die Fifa Tour nach Angola
Dass ich einmal mit Franz Beckenbauer in Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste unterm Weihnachtsbaum stehen würde, hätte ich mir nicht erträumen lassen, als ich meinen Job bei satis&fy im Jahr 2002 antrat. Als der Auftrag bei uns einging, die Fifa im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland bei ihrer PR-Tour durch einige wm-qualifizierte Schwellenländer dieser Welt zu begleiten, um die deutschen Stadien und ihre Städte dort bekannt zu machen, schrien nicht alle Mitarbeiter sofort „hier“. Hätte ich im Vorhinein gewusst, was mich erwartete, wäre ich vielleicht auch etwas zurückhaltender in meiner Begeisterung gewesen. Jan Kräutlein und ich sollten uns in dieses Abenteuer stürzen. Aber der Reihe nach: Die Agentur Bona dea aus Münster hatte den Auftrag bekommen, die Fifa auf ihrer PR-Tour technisch zu unterstützen. Wir sollten sie in einigen „schwierigen“ Ländern unterstützen: In Iran, Angola, Elfenbeinküste, Togo, Ghana, Tunesien und Ukraine sollten wir den technischen Part übernehmen. (...)
Und da stand er, der Kaiser, und erzählte etwas über die Geschichte des deutschen Fußballs. Neben ihm beeindruckende Staatsfürsten in bunten Gewändern. In Infovideos wurden deutsche Städte und ihre Stadien vorgestellt. Deutschland, das Land der Fußballgötter! Im Anschluss gab es noch ein gutes Essen. Das Publikum war begeistert. Streckenweise wurden kleine Freudentänzchen aufgeführt. (...)
Alles in allem war es ein äußerst interessantes Eintauchen in komplett andere (Fußball-)welten. Was bleibt, ist neben spannenden Einblicken in komplett andere Kulturen die Dankbarkeit, in einem so verhältnismäßig sicheren und wohlhabenden Land zu leben. Und dafür, einen Arbeitgeber zu haben, der einen mit Franz Beckenbauer unter den Weihnachtsbaum führt.
Jens aus Werne, Equipment Management / On-Site Engineering Video Services, seit 2002 bei satis&fy.
Die Spiegelkugel bei der Xavier Naidoo-Show
Für die Show von Xavier Naidoo wurden wir vor die Aufgabe gestellt, eine Spiegelkugel hälftig mit LED-Lichtern und hälftig mit Spiegelflächen zu verkleiden. Das Ding war riesengroß, es hatte ein Durchmesser von 4,50 Metern und war 2 Tonnen schwer. Das war ein echter Kraftakt! Unser Team hatte dabei die Unterstützung von einer Praktikantin namens Vanessa. Vanessa war uns bei der Herstellung eine große Hilfe. Als Dank versprach ich ihr, dass wir gemeinsam nach Hannover zum Konzert fahren. Die Show begann relativ unspektakulär. Die Kugel hing statisch mit der LED-Seite zum Publikum hin von der in weiß gehaltenen Bühne. Neben uns standen zwei junge Frauen, die sich enttäuscht über das Setting äußerten. „Das Bühnenbild ist ja total unscheinbar!“, sagte die eine zur anderen. Vanessa konnte nicht an sich halten: „Wenn die wüssten…!“, raunte sie mir ins Ohr und hüpfte wie ein kleines Schulmädchen auf und ab. Als die Kugel dann anfing, sich zu drehen, geriet Vanessa schier aus dem Häuschen. Sie war so stolz und happy, als das Publikum in Ekstase gerat, das war wunderbar mit anzusehen! Auch für mich war es besonders, mal so eine Sache, die ich sonst nur aus der Logistik kenne, live mitzuerleben!
Christina Schweitzer aus Werne, fest bei satis&fy seit 2011, Planning & Operations Logistic Services
2011 „Feel like a real man!“ – Die XX und XY-Show der Ärzte in der Dortmunder Westfalenhalle
Eine pikante Duftmischung aus Bier, Schweiß und einer guten Portion Testosteron machte sich in der Westfalenhalle breit, als die Ärzte ihr Männerkonzert in der Westfalenhalle veranstalteten. Die kongeniale Idee der Ärzte war gewesen, ein Konzert ausschließlich für Frauen zu veranstalten und am Tag darauf eines nur für die Herren der Schöpfung. Dank der kreativen Ideen von Lui Helmig war das Setting beim Männerkonzert ebenso genial wie am Abend zuvor bei den Frauen. Hier war das gesamte Bühnenbild konsequent im Daggy-B.-Style gehalten war, inklusive eines mit weißem Samt überzogenen Helikopters. Beim Männerkonzert ging es eher rough zur Sache: Überall Industrial Style, der Helikopter verwandelte sich wieder in ein olivgrünes Etwas. Neben dem Komplettumbau der Bühnenbildes (nebenbei bemerkt in der Kürze der Zeit mal wieder eine ziemliche logistische Meisterleistung in satis&fy-Manier) musste sich auch die gesamte Crew inklusive der Security verwandeln. Denn zu den Konzerten waren strikt nur Männer resp. Frauen zugelassen. Am ersten Abend konnte ich mich also über meine geschlechtsverwandelten Kollegen amüsieren: Lui Helmig als altes Mütterchen und Sebastian Habrechtmeier als flotter Feger. Genial war auch ein Security Mann mit entsprechender Statur, der in einem sexy Bauchtanzkostüm erschien!
Am nächsten Abend war ich dann dran. Ich hatte mir von meinem Mann eine Lederhose und ein BVB-Shirt stibitzt und mir mit Hilfe eines Kissens eine schöne Bierplauze gezaubert. Dazu trug ich Sonnenbrille und ein Käppi. Ein Bart, den die Tourmanagerin an uns Frauen verteilt hatte, bildete das Sahnehäubchen meiner Maskerade, mit der ich wohl ziemlich gut getarnt gewesen bin. Denn als ich im breitbeinigen Männergang auf meinen Kollegen zusteuerte, schaute er mich leicht angewidert an. Auf seiner Stirn stand geschrieben: „Was will denn der Vollpfosten von mir?“ Erst als ich ihn ansprach, erkannte er mich und wir bogen uns vor Lachen. Das gleiche gilt übrigens für meinen Mann, der mich, als ich mich ihm nährte, für einen dahergelaufenen Spacko hielt. Neben all dem Spaß habe ich auch noch ein paar Aha-Effekte in Sachen Gender gehabt: Die Stimmung am Frauenkonzert war komplett anders als bei den Männern. Die Ärzte haben das schön auf den Punkt gebracht: Beim Frauenabend war die Lärmfrequenz ziemlich anstrengend, dafür roch es deutlich besser!“
Dagmar Kischewski aus Werne, Teamlead / Scenic Lead Scenic Services, bei satis&fy
Credits:
satis&fy