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Wem kann ich trauen? von Peter Schneeberger

Wir steigen ohne Angst zu einem Unbekannten ins Auto (Uber), ziehen für Ferien in eine fremde Privatwohnung (Airbnb) oder glauben bereitwillig allen Schrott auf YouTube (Fake News). Das Vertrauen hat in unserer Gesellschaft in keiner Art und Weise nachgelassen. Es hat sich einfach verschoben.

Das Vertrauen in Institutionen wie Kirchen oder Banken hingegen ist richtiggehend zusammengebrochen. Was macht das mit uns Christen? Wie schaffen wir Vertrauen, wenn Regeln von früher nicht mehr gelten? Wie werden wir vertrauenswürdig? Rachel Botsman beschreibt in ihrem Buch «Wem kannst du trauen?» eine einfache Formel für Vertrauenswürdigkeit. An vier Merkmalen können Menschen prüfen, ob jemand vertrauenswürdig ist:

1. Ist die Person kompetent?

2. Ist die Person zuverlässig?

3. Ist die Person integer?

4. Ist die Person einem wohlgesinnt?

Kompetenz beschreibt, inwiefern eine Person in der Lage ist, etwas zu tun. Besitzt sie die nötigen Fähigkeiten für eine Aufgabe? Zuverlässigkeit bedeutet, dass die Person konsequent das tut, was sie nach eigenen Aussagen für einen tun will. Bei der Integrität geht es um Ehrlichkeit und Anständigkeit. Und Wohlwollen dreht sich um Einfühlungsvermögen und Entgegenkommen.

Wie fördern wir als FEG-Gemeinden Vertrauenswürdigkeit?

Der erste Punkt ist so grundlegend wie einfach: Mit Jesus.

Es ist das Eingestehen als Christen, dass wir vollumfänglich auf Jesus angewiesen sind. Das hält uns demütig. Grössere Sünder als uns Christen gibt es nicht.

«Ja, Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Auf dieses Wort ist Verlass; es ist eine Botschaft, die vollstes Vertrauen verdient. Und einen grösseren Sünder als mich gibt es nicht!» (1.Tim 1,15)

Zweitens, ein hohes Verständnis des Uramaki-Prinzips.

Beim Uramaki-Prinzip geht es darum, Unbekanntes vertrauter zu machen. Wir haben mit der Botschaft von Jesus etwas geheimnisvoll Anderes. Das neue Leben hängt nicht von unserer Herkunft oder von unserem Können ab. Diese Botschaft machen wir bekannt. «Die Menschen wollen nichts wirklich Neues, sie wollen Vertrautes auf andere Art!» meint Rachel Botsman. Darum sind FEG-Gemeinden pragmatisch in ihren Formen und in der Art, wie sie das Evangelium von Jesus Christus verkünden.

Drittens, eine visionäre und rechenschaftsorientierte Leiterschaft.

Leider sind diese zwei Punkte «visionär» und «rechenschaftsorientiert» in der christlichen Community getrennt worden. Das Vertrauen bricht ein, wenn manche Menschen für ihr Fehlverhalten bestraft werden, andere jedoch einen Freibrief haben. «Spielt euch nicht als die Herren der Gemeinde auf, sondern seid ihre Vorbilder!» meint Petrus dazu (1. Petrus 5,3).

Viertens, fördere Vertrauens-Influencer.

Vertrauens-Influencer sind Gruppen von Menschen, die einen unverhältnismässigen grossen Einfluss auf Veränderungen haben. Ihnen vertraut man. Fördert solche Vertrauens-Influencer in euren Gemeinden!

Setzen wir diese vertrauensfördernden Punkte um, werden wir Menschen helfen, ganz neu die Kraft der Gemeinde zu entdecken.

Peter Schneeberger, Vorsitzender FEG Schweiz, Präsident Freikirchen Schweiz, peter.schneeberber@feg.ch