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Auch DU bist ein CURLY GIRL! Die Curly Girl Methode

Sonntag den 21. April 2019

Text: Nicolai Eckert, Layout: Nico Talenta

Wächst auch auf euren Köpfen eine unbändige Masse an trockenen, spröden und verwurschtelten Haaren, dann gehört ihr mit großer Sicherheit zur Zielgruppe von YouTube Videos mit folgenden Titeln: “Ich wusste nicht, dass ich Locken habe – Die Curly Girl Methode“, „Die CURLY GIRL METHODE im Test! – Habe ich Locken?“, „CURLY GIRL METHODE – meine tägliche Lockenroutine“. Hier erzählen junge Frauen mit wahlweise durch Nachbearbeitung oder Make-Up weichgezeichneter Haut davon, wie diese Methode ihr Leben verändert hat. Was sie alle eint ist das schreckliche Schicksal, mit undefinierten Haaren, weder glatt noch lockig, geboren zu sein. Ein hartes Schicksal, wie sich im Laufe dieser Videos immer wieder herausstellt, denn weder der Lockenstab noch das Glätteisen ist in der Lage, die Haare in die gewünschte Form zu bringen. Sie bleiben undefiniert, rebellisch und führen auf dem Kopf ein unverschämtes Eigenleben.

Was also tun? Abschneiden? Ja, das funktioniert, kommt aber der völligen Akzeptanz bereits verloren zu haben und der inneren Kapitulation vor der gewaltigen Übermacht auf dem eigenen Kopf gleich. Die Lösung ist, das Gewurschtel auf dem eigenen Kopf LIEBEN zu lernen und sein Feindbild neu zu definieren. Den Blick auf die eigenen Haare ändern ist der erste Schritt zum lockigen Erfolg. Es sind nämlich nicht die eigenen Haare schuld an ihrer unschönen Entfaltung, es ist der unsachgemäße Umgang mit ihnen; so das Argument der Curly Girl Methode. Auf überfüllten Blogs im Internet oder beim Schauen von einigen der zahlreichen Videos auf YouTube zur besagten Methode sind minutiös die Schritte aufgelistet, mit denen die eigenen, lang unterdrückten Locken zu ihrer endgültigen Entfaltung gelangen können. Die größten neuen Feinde sind wahlweise Silikone in Shampoos, oder Hitze. Das bedeutet im Klartext: Alle Badutensilien für die Haare, inklusive Föhn, Glätteisen und sogar die Haarbürste gehören in den Mülleimer. So auch Shampoo, Schaumfestiger, Haarspray und das Frotteehandtuch.

Aber ganz ohne Produkte funktioniert die Curly Girl Methode auch nicht. Shampoo ist zwar erlaubt, aber eben nur ganz besonderes. Die populärste Webseite zu der Methode schlägt ganz neue Produkte vor – selbstredend mit Hilfe von Affilate-Links. Der Haken hierbei ist der Preis: Für 250 ml kann man schon einmal locker 20 Euro hinblättern. Besser als Shampoo ist aber Conditioner: Nur noch mit (besonderem) Conditioner waschen, das ist der vermeintliche Kern des Trends, denn Conditioner spendet den Haaren Feuchtigkeit, wodurch diese robuster werden. Aber das einfach nur in die Haare schmieren, das darf man nicht. In die Kopfhaut einmassieren und dann mit kaltem Wasser ausspülen sei die korrekte Vorgehensweise, anschließend lufttrocknen lassen. Co-Washing nennt sich das. Wer sich nicht sicher ist wie das funktioniert, wirft einfach einen Blick auf YouTube. Auch was die Behandlung der Haare nach dem Duschen angeht wird hier lang und breit erklärt.

So befremdlich das zu Anfang klingen mag (Haare nur kalt waschen, kein Shampoo, nicht kämmen usw.), die Videos und der Selbstversuch zeigen: Das ganze Prozedere hat durchaus eine Wirkung. Wo die Haare früher aussahen, als hätte man an einen Van-de-Graaff Generator gefasst, kräuseln sich nach der Anwendung in sichtbaren Haarsträhnen nette kleine Löckchen. Und darüber kann man sich freuen. Denn obwohl schnell der Eindruck entsteht, es würde sich bei dieser Methode nur um eine Masche handeln, um überteuerte Naturkosmetikprodukte zu verkaufen, geht es im Grunde genommen einfach darum, den eigenen Haaren einmal Freiraum zu lassen. Zu schauen was passiert, wenn man sie nicht täglich mit Hitze, kratzigen Handtüchern und Unmengen an Haarspray zu bändigen versucht, mag hier und da überraschende Ergebnisse liefern.

Und mehr als kaltes Wasser, ein altes Baumwoll T-Shirt zum Abtrocknen, Conditioner und eine Leave-In Spülung ist gar nicht von Nöten. Optional zum Kauf kann man(n) das alles auch einfach von der Freundin „leihen“. Wer mit seinen Haaren unzufrieden ist, hat eh nichts zu verlieren; und da einige Männer ihre Haare sowieso einmal verlieren werden, schadet es sicherlich nicht, sie bis zum letzten Tag zu pflegen und sie zu lieben, wie sie sind.

Created By
Campuls Hochschulzeitung
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Credits:

Created with an image by RyanMcGuire - "woman hair drying girl"

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