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Der Weserradweg Von Hann. Münden nach Bremen

Der Weserradweg ist einer der beliebtesten Radreisestrecken Deutschlands. Er wird vor allem von Gruppen und einzeln Reisenden in ganzer Länge bis Bremerhaven bzw. sogar bis Cuxhaven befahren. An den Wochenenden sind rund um die Städte auch viele Ausflügler unterwegs. Wir haben uns für die beliebteste Teilstrecke von Hann. Münden bis Bremen entschieden. Das sind 7 Etappen bei 9 Übernachtungen und einem Rückreisetransfer.

Gebucht hatten wir die Reise bei dem Oldenburger Veranstalter "Die Landpartie", mit dem wir bereits früher erfolgreich Reisen unternommen haben. In diesem Fall stellte sich allerdings heraus, dass es sich um eine Partnerreise handelte, die von Velociped organisiert wurde. Die praktische Umsetzung vor Ort mit dem Gepäcktransport von Hotel zu Hotel und dem "Rückreise-Transfer" war auf den Veranstalter "Rückenwind" übertragen worden.

Das fanden wir nicht so glücklich, da sich die Verantwortlichkeiten nicht klar definieren ließen. Wir meinen auch, dass alle Veranstalter im Katalog bzw. bei der Ausschreibung angeben müssten, ob es eine Partnerreise oder eine selbst organisierte Reise ist.

"Rücktransport" zu Beginn

Da wir von Hamburg aus starteten, haben wir den "Rücktransfer" von Bremen nach Hann. Münden an den Anfang der Reise gelegt. Damit konnten wir uns die Anfahrt nach Hann. Münden sparen und nach Abschluss der Reise hatten wir nur noch die Strecke von Bremen nach Hamburg vor uns.

Das Hotel in Bremen hat uns für die 9 Tage einen Stellplatz in der Hotelgarage (13,- Euro/Tag) vermietet. Da wir rechtzeitig in Bremen ankamen, haben wir uns die Innenstadt ansehen können, fußläufig vom Hotel aus zu erreichen. Der Transfer war für 15.00 Uhr angekündigt.

Sankt Petri Dom

Bremen zeigte sich bei schönem Wetter von seiner besten Seite mit der umfangreichen Außengastronomie an der Weser-Promenade, dann rund um das Rathaus und im Schnoor-Viertel.

Bremer Rathaus
Die berühmten Stadtmusikanten
Im Schnoor-Viertel

Horrorfahrt nach Hann. Münden

Zwanzig Minuten vor 15.00 Uhr hielt der Kleintransporter des Veranstalters Rückenwind vor dem Hotel, Räder und Gepäck wurden verladen und los ging es. Die avisierte Fahrzeit für die fast 400 km nach Hann. Münden sollte 3 Stunden dauern. Das erschien uns doch sehr fraglich und schon die Strecke durch Bremen war geprägt von Staus, die sich auf der Autobahn nahtlos fortsetzten. Trotzdem waren wir dann gegen 19.00 Uhr in Hann. Münden im Hotel.

Am Zusammenfluss von Fulda und Werra

Fachwerkidylle in Hann. Münden

Trotz der etwas späten Stunde blieb durch das gute Wetter viel Helligkeit, damit wir uns noch ausgiebig die Füße vertreten und die Stadt anschauen konnten.

Das Rathaus
An der Werra
Welfenschloss
Typische Gasse mit Außengastronomie

Start mit leichtem Regen

Zum Start in Hann. Münden zeigte sich der Himmel düster und dunkelgrau und es fing auch bald an, etwas zu regnen. Mal mehr, mal weniger stark kam das Nass vom Himmel.

Die erste Etappe dieser Radreise sollten wir nach einer Empfehlung unserer Transfer-Chauffeurs auf der "rechten" Seite der Weser beginnen, auch wenn es da die eine oder andere Steigung gäbe, die man schieben müsste. Und so war es dann auch. Eine der kurzen Strecken hatte mit 25% Steigung gleich ziemlich viel Kraft gefordert. Also mit Familie und Kindern nicht unbedingt zu empfehlen. Die linke Seite an der Straße entlang ist offensichtlich bequemer zu radeln. Landschaftlich war unsere Tour sicher interessanter.

Erstmal eine Pause nach dem harten Anstieg

Danach ging es auf sehr guten Radwegen und einer beispielhaften Beschilderung über Bad Karlshafen nach Beverungen, allerdings lag unser Hotel in Würgassen, etwa 5 Kilometer vor Beverungen und direkt an der Bahnlinie.

Hafenbecken vor Rathaus in Bad Karlshafen

Bad Karlshafen enttäuschte uns etwas. Der Regen hatte aufgehört, aber die Stadt mit den Häusern durchgehend in schmutzigem Weiß vermittelte uns kein Aha-Erlebnis. Ein nettes Café am Rathaus entschädigte uns allerdings mit hervorragendem selbst gebackenem Kuchen. Bei Sonne mag die Stadt eine freundlichere Ausstrahlung zu haben. An der Weser hier wie in fast allen Ortschaften am Fluss ein Camping-/Wohnmobilplatz.

Blick in den Hinterhof des Rathauses in Karlshafen

Zweite Etappe nach Bodenwerder

Vom Hotel aus hatten wir einen schönen Blick auf Herstelle mit der Benediktinerinnenabtei vom Heiligen Kreuz. Da wir in Beverungen ohnehin die Seite der Weser wechseln mussten, nahmen wir das vorweg und ließen uns mit der kleinen Gierseilfähre übersetzen (3,- Euro). Immer wieder ein Erlebnis, allein durch die Strömung von einer Seite auf die andere eines Flusses zu gelangen.

Der Fährmann bot sofort an, ein Foto von uns zu machen. Er kennt das wohl schon.

Beverungen selbst machte keinen nachhaltigen Eindruck auf uns und so ging es schnell durch den Ort auf die Etappe nach Bodenwerder.

Weiter sehr gute Radweg-Beschaffenheit und nah am Fluss entlang

Die Regenwolken hatte sich ganz verzogen und wir radelten durch eine wunderschöne Landschaft auf dem Super Radweg zunächst nach Höxter.

Rathaus in Höxter

Höxter ist eine sehenswerte Stadt mit ebenfalls vielen Fachwerk-Gebäuden, wo man einen Stopp einlegen sollte. Die Fußgängerzone ist eine Augenweide mit viel Flair.

Fachwerk-Idylle
Ziemlich krass!

Ein echter "Ausrutscher" fiel uns allerdings negativ auf. Dieses wunderschöne Fachwerkhaus mit der profanen Firmenbeschriftung "MäcGeiz".

UNESCO Weltkulturerbe Schloß Corvey

Nur einige Kilometer hinter Höxter stößt man auf das Schloß Corvey, UNESCO Weltkulturerbe und eine Attraktion besonderer Art in der Region.

Blick auf Museum und Kirche

Die Anlage ist riesig und ein Besuch allein hätte hier mehrere Stunden erfordert. Wir beschränkten uns auf einen Überblick, da wir bis hier erst rund die Hälfte unserer Tagestour absolviert hatten.

Haupteingang

Nicht alles in der Anlage macht einen so gepflegten Eindruck wie der Hauptzugang. Aber die Vorschriften der UNESCO seien so strikt, dass selbst das Restaurant nicht zum Saisonstart eröffnet werden durfte, bevor die Inspektoren dagewesen seien.

Geschlossenes Rstaurant
Von der Rückseite

Über Holzminden nach Bodenwerder

Bei Holzminden geht es wieder auf die rechte Seite der Weser. Von der Brücke aus sehen wir das Fluss-Schiff "Karlshafen".

Brücke in Holzminden

In Holzminden machen wir eine Mittagspause in der ruhigen Fußgängerzone. Die angekündigten "Duftstelen" in der Innenstadt finden wir nicht.

Burg von Polle

In weiten Schleifen geht es an der Weser entlang, mal mit, mal gegen den relativ starken Wind, aber die Sonne verwöhnt uns.

Die Landschaft wird zunehmend flacher.

Münchhausenstadt Bodenwerder

In Bodenwerder erleben wir erstmal einen Hotelschock. Unsere Übernachtungsstätte war als "Parkhotel Deutsches Haus" bezeichnet mit gutem bis sehr gutem Restaurant. Die Lage des Hotels direkt an der Durchfahrtstraße, die Hotelschilder mit schwarzen Plastikplanen abgeklebt. Der erste Eindruck deutete auf "Baustelle" hin. An der Rezeption zunächst ein jüngerer Asiate, der kein Wort Deutsch oder Englisch verstand. Dann ein weiterer Asiate mit marginalen Deutschkenntnissen, der uns das Hotelzimmer zuwies. Gepäckfrage? Kopfschütteln. Wir finden es im Gang des Nachteingangs. Essen im Hotel für abends angekündigt: "Asiatisches Büffet".

Am Ufer der Weser

Wir machen uns auf den Weg in die Stadt, kommen am Münchhausenmuseum vorbei in die Fußgängerzone, gähnende Leere - wie ausgestorben. Dann laufen wir zur Uferpromenade, wo wir mehrere Gasthäuser finden und für den Abend einen Tisch reservieren.

Bodenwerder ist Camping-Idylle mit vorbereitetem Flohmarkt auf der anderen Seite. Und so ist auch das grundsätzliche Angebot der Gasthäuser: Schnitzel-Karte!

Beim Museum

Das Hotelzimmer selbst befand sich in einem renovierten Teil des weitläufigen Hotels, war soweit ganz in Ordnung. Das Frühstücksbuffet allerdings war erneut eine Zumutung, als "Pakete" auf Platten geklatschte Wurst und Käsescheiben und als Highlight: "Pekingente" - wohl übrig geblieben vom gestrigen Buffet.

Wir machen schnell, dass wir von dort wegkommen.

Über Hameln nach Rinteln

Von Bodenwerder aus führt der Weserradweg auf der rechten Seite durch Felder und Wiesen, mal nah, mal weiter weg von der Weser. Kurz vor Hameln biegen wir ab zum Schloß Hämelschenburg im Emmerthal. Ein Meisterwerk der Weserrenaissance.

Schloss Hämelschenburg

Dann kommen wir nach Hameln. Bis man vom Weserradweg in die Innenstadt kommt, muss man sich an die etwas konfuse Radwegkonzeption anpassen.

Lebhafte Innenstadt

In der Innenstadt von Hameln ist viel Leben. Wir streifen durch die malerischen Seitengassen und begegnen natürlich auch dem Rattenfänger, der Gruppenführungen durch die Stadt macht.

Rattenfänger mit Besuchergruppe

Sehenswert in Hameln sind die vielen Gassen mit idyllischer Fachwerkatmosphäre und die repräsentativen Gebäude im Zentrum wie zum Beispiel das Museum.

Museum in Hameln
Malerische Gasse in Hameln

An großen Seen vorbei nach Rinteln

Von Hameln nach Rinteln führt der Weg an vielen großen Seen vorbei, die man in ihrer ganzen Größe eigentlich nur auf der Karte sieht, da sie sehr zugewachsen sind.

Rathaus in Rinteln

Unser Hotel, Stadt Kassel, liegt in der Fußgängerzone, so dass wir nach dem Einchecken nicht weit zu einer Eisdiele bummeln können und in der sonntäglichen Gemütlichkeit des Stadtkerns entspannt verweilen. Rinteln ist einer der schönsten Orte am Weserradweg, wo man sich auch etwas mehr Zeit lassen könnte.

Blick auf das Zentrum

Wir besuchen auch den Park an der Stadtmauer, den man gerne auch übersieht und kehren dann in die Innenstadt zurück.

Rinteln Innenstadt

Durch die Porta Westfalica nach Minden

Von Rinteln aus starten wir zur kürzesten Tagestour dieser Reise von nur 40 Kilometer nach Minden. Der Radweg ist jetzt etwas unterschiedlich und es wechselt der Belag von glattem Asphalt bis zu Sandwegen.

Mal an, mal weg von der Weser
Windmühle von Eisbergen

Es geht zunächst am Doktorsee vorbei nach Eisbergen. Bad Oeynhausen lassen wir auch links liegen, wir kennen es von Besuchen einer der Kliniken und erinnern uns an den schönen Kurpark. Hinter Bad Oeynhausen machen wir eine kurze Rast an einem Hofcafé und dann geht es zur Porta Westfalica, die Westfälische Pforte mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Berg.

Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Wir machen einen kurzen Versuch, zum Denkmal hinauf zu radeln, brechen aber ab, weil es zu mühsam ist und wir die Räder nicht unten unbeaufsichtigt stehen lassen wollen.

Dann ist es nur noch ein Katzensprung bis Minden, wo wir schon kurz nach 13.00 Uhr eintreffen. Wir radeln zunächst in Richtung unserer Hoteladresse, um zu wissen, wo wir später hin müssen und werden vor dem Gartentor von zwei großen Afghanen-Hunden wütend verbellt. Ein Schild weist uns darauf hin, dass wir erst um 14.00 Uhr einchecken könnten. Also gehen wir erst einmal ins Stadtzentrum.

Stadtzentrum Minden

Wir lassen uns Eis und Kuchen schmecken und bummeln durch die Innenstadt. In den Seitenstraßen ist ziemlich viel Verfall zu sehen. Besonders imponiert uns Minden nicht.

Kirche in Minden

Später kommen wir ins Hotel, die Hunde sind weg, alles ist offen, wir finden an der unbesetzten Rezeption einen Zettel und den Schlüssel zu unserem Zimmer. Das Gepäck wird etwas später auch gebracht. Die Räder können wir hier nur in einem unverschlossenen Bereich bei den Mülltonnen abstellen.

Zur längsten Etappe nach Nienburg

Von Minden aus starten wir zur 63 Kilometer langen Tour nach Nienburg. An der Schleuse von Minden vorbei geht es an der Weser entlang mal - wie bisher auch - direkt am Fluss, dann wieder relativ weit entfernt. Von Weitem sieht man auf der anderen Seite von Petershagen das Kraftwerk Heyden. Wir staunen über die wiederum riesigen Seenanlagen bei Ovenstädt, die offensichtlich aber nicht für die Öffentlichkeit genutzt werden. Über Stolzenau und Estorf geht es nach Nienburg.

Eingang zur Innenstadt
Fachwerk-Rosenidylle
Nostalgischer Zimmerhinweis
Seitengasse Nienburg

Nienburg ist ebenfalls wie Rinteln einer der schönsten Orte, sehr gepflegt die Innenstadt, toll renovierte Häuser. Alles strahlt bürgeliche Gediegenheit aus.

Jähes Ende der Radtour in Nienburg

In Nienburg sind wir im Hotel Weserschlösschen einquartiert, kommen gegen 13.00 Uhr dort an gleichzeitig mit unserem Gepäck.

Wir können sofort einchecken, weil das Zimmer fertig ist. Vorher fragen wir nach einer Unterbringung für unsere Räder und man gibt uns einen Schlüssel für einen Schuppen am Ende des Parkplatzes zur Weser hin. Dort bringen wir unsere Räder hin, schließen sie sorgfältig ab, verschließen auch den Schuppen wieder und bringen den Schlüssel zurück.

Das Zimmer im Hotel ist etwas klein, aber wir werden im Restaurant mit einer sehr guten Küche entschädigt.

Wolfsbarsch mit grünem Spargel

Nach dem Frühstück regnet es in Strömen, wir warten, das Regenradarsystem sagt für etwa 10.00 Uhr Wetterbesserung voraus.

Kurz vor 10.00 holen wir den Schlüssel für den Schuppen an der Rezeption und wollen unsere Räder holen.

Sie sind nicht mehr da!

Die Suche beginnt mit dem Hotelmanager, Verwechslung wird vermutet, dann finden wir an der Wasserkante den Helm meiner Frau in dem Gestrüpp. Die dazu gerufene Polizei geht nun konkret von einem Diebstahl aus.

Wir brechen die Reise ab, nehmen mit dem ganzen Gepäck inkl. der vielen Radtaschen und Zubehör ein Taxi nach Bremen und kehren nach Hamburg zurück.

Die Aufarbeitung mit den Beteiligten, Hotel, Veranstalter und Versicherungen ist noch in vollem Gang.

Fazit bis dahin

Auf dem Weser-Radweg sollte unsere Tour von Hann. Münden bis Bremen gehen. Und bis Nienburg, wo uns die Räder gestohlen wurden, war der Weserradweg ein Erlebnis. Landschaftlich vor allem die ersten Etappen im Weserbergland, wo der Radweg wirklich sozusagen hautnah am Wasser entlang führt. Dazu die Orte mit ihrer Fachwerk-Architektur. Großen Luxus aber darf man auf der Tour nicht erwarten. Die Region ist geprägt durch Camping und Wohnmobilisten. Das drückt sich auch bei den Unterkünften aus. 3-Sterne ist die gehobene Klasse. Privatzimmer, Pensionen und Gasthöfe sind Standard. Und auf den Speisekarten findet man gerne auch schon mal 20 verschiedene „Schnitzel“. Die Radwege sind durchwegs in gutem bis sehr gutem Zustand und die Ausschilderung nahezu perfekt.

Ein Beitrag aus dem Online-Reisemagazin www.reisepilot.de

IMPRESSUM: Angaben gemäß § 5 TMG und verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV: Hans-Raimund Kinkel, Groten Heesen 11, 21033 Hamburg. E-Mail: info@reisepilot.de

https://www.reisepilot.de/

Credits:

Alle Fotos Hans-Raimund Kinkel

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