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Das Böse überwinden Michael Dufner

Mein Sohn klaut zwei Tafeln Schokolade aus dem Vorratsschrank. Es ist die Lieblingsschokolade meiner Frau. Der Diebstahl kommt ans Licht. Doch das ist noch nicht alles – es ist grad eine «Serie» an Diebstählen innerhalb der Familie, die auf sein Konto gehen. Nach einem innigen Gespräch schreibt er eine Entschuldigungskarte. Darauf steht: «Es tut mir sehr leid, aber manchmal überwältigt mich der ‹Gluscht› einfach.»

Michael Dufner, michael.dufner@feg.ch

Ich kenne diese Momente: Ich habe mir etwas vorgenommen. Ich kämpfe und hadere – und schlussendlich versage ich. Bevor der Gedanke, ich könnte den Kampf verlieren, überhaupt da ist, ist die Niederlage Tatsache.

Es gibt aber auch die Dinge, die mich fast genauso nerven: Ich nehme mir etwas vor, ich will in meiner Familie Friedensstifter sein, ich will Freudenbringer sein, ich will coole Zeiten mit meiner Frau, mit meiner Familie erleben. Doch dann sind die Umstände wie so oft nicht so, wie sie sein sollten. Und ohne es bewusst wahrzunehmen, bin ich wieder Polizist. Ich bin streng, ich bin gereizt – weil sich sowieso alle nur blöd gebärden, weil die Kaffeemaschine genau in dem Augenblick, wenn ich einen Kaffee möchte, Wasser braucht, der Behälter für die verbrauchten Kapseln voll ist oder was auch immer dazukommt.

Wie können wir Sieger in solchen Situationen werden? Mein Sohn steht mit dieser Frage vor mir: «Papi, wieso tue ich, was ich nicht will, und was ich will, das tue ich nicht?» WOW, der Junge kennt die Bibel! Ich setze mich mit ihm hin und wir lesen den Text von Paulus, der genau dasselbe sagt (Römer 7,79ff.). Und wo steht die Antwort? Sie folgt in Kapitel 8, wo Paulus sagt, dass wir diesen Kampf nur gewinnen, wenn wir uns von Gottes Geist bestimmen lassen (V.4).

Ein Bild, das mir dazu in den Sinn kommt, finden wir in Psalm 23,5: «Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.» Aber wie machen wir das, wenn der Feind anklopft, die Versuchung, der «Gluscht» uns packt? Was tust du, wenn die Umstände dich zu Ärger verleiten, wenn die Umstände dich ängstigen…?

Ich neige dazu, meine Kämpfe selbst ausfechten zu wollen. Ich bin immer wieder versucht, meine Fehler zu vertuschen. Ich strebe danach, alles im Griff haben zu wollen. Ich bemühe mich, autonom zu sein – selbstbestimmt. Im Kampf entspricht also diese Ruhe am Tisch Gottes nicht meinem Naturell! Ich sehe mich im Bild oft einfach so, dass ich mich kurz an den Tisch setze, um hastig etwas zu essen, damit ich wieder fit bin für den Kampf.

Doch was ich eigentlich brauche, was wir brauchen, sind nicht noch mehr Kraft, noch mehr Pläne und Strategien (auch nicht für den Gemeindebau). Nein, was wir brauchen ist diese «göttliche» Sichtweise der Dinge: «Nicht mit Heer oder Kraft noch Waffen…» (Sach 4,6). Also setze ich mich an den Tisch – mache Stille Zeit, lese die Bibel, bete, damit ich den Tag irgendwie meistere? – Nein, nicht nur irgendwie, sondern so richtig brillierend. Doch oft kommt es anders.

Es kommt einiges zusammen: Der besagte Kaffeemaschinenmoment. Dann stosse ich mit dem Kopf gegen eine offenstehende Schranktüre (ach, Kinder!!!). Der Computer verabschiedet sich, weil meine Tochter ein Glas Wasser darüber ausgekippt hat… und innerlich bin ich schon am Überkochen. Alles scheint gegen mich zu sein. Stille Zeit ist vergessen, ebenso die Gebete. Ich funktioniere, nicht vom Heiligen Geist bestimmt, sondern vom Alltag. – Bis ich durch den Heiligen Geist «wachgeküsst» werde: «Michi, komm an den Tisch, so richtig!» Also nehme ich die Bibel erneut hervor. Ich richte mich aus, lese, höre, bete, höre und lese wieder. Es ist so ganz anders als beim ersten Mal, als es einfach Routine war, einfach Alltag – aber ohne Kraft. Das Neue hier, das gibt KRAFT – und wie! Ich muss plötzlich lachen über das, was mir alles passiert ist. «Ich hoffe, ich brauche nicht immer so lange, Jesus, bis ich mich wirklich an den Tisch setze. Hilf mir dabei!», bete ich. Denn in diesem Augenblick wird mir bewusst: Es ist nicht wichtig, was auf dem Tisch ist, sondern wer mit mir am Tisch sitzt und was er mir sagt.

Zugegeben: Es ist schwierig, sich die Zeit zu nehmen, schwierig, nicht am Morgen schon durchs Handy abgelenkt zu sein. Aber auch das gilt: Für so vieles, was mich im Kampf gegen das Böse nicht weiterbringt, habe ich Zeit. Daher will ich diese meine einfache Ausrede nicht mehr gelten lassen. Denn Jesus ist, was ich brauche.

Credits:

Erstellt mit Bildern von PublicDomainPictures - "chocolate bars cocoa" • JillWellington - "valentine's day chocolates candy" • AlexanderStein - "chocolate bars dark chocolate"