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Es soll automatisch gehen, aber in Wahrheit müssen Sie diesen Knopf drücken. John Brunner, »Morgenwelt«

Wenn der Wind der Veränderung weht,

bauen die einen Mauern

und die anderen Windmühlen.

Seit Ende 2015 ist dieses angebliche chinesische Sprichwort stets die zweite »Folie« meiner Schulungen und Vorträge, noch vor der Eigenwerbung für mein nach wie vor weitgehend aktuelles InDesign-Buch von 2012. Und weil ich einer der letzten Schriftsetzer bin und als solcher alt und jung genug war, um die Entstehung des DTP »live« zu verfolgen, weiß ich alle Aspekte zu schätzen, in denen Gutenberg nach einigen (Licht?)Jahren Durststrecke endlich ein- oder überholt worden ist. Umso fuchsiger macht es mich, wenn ich im Jahr 2018 irgendwo nicht mal simple Zeilenschaltungen eingeben kann, sondern immer gleich ein neuer Absatz entsteht.

Seit also eines Werktagvormittags gegen 11:00 am Münchner Hauptbahnhof ein joggingbehoster, zerzauster Mittfünfziger mit Bierfahne und -flasche in Gesicht beziehungsweise Pranke angesichts der ersten wahrnehmbare(re)n größeren Migrantengruppen in der Stadt über das »arbeitsscheue Gesindel« lästerte und meine Kollegin ihn daraufhin beherzt fragte, was er denn beruflich so mache; spätestens aber, seit meine Gattin bei der kommunalen Flüchtlingsunterbringung der Stadt München beschäftigt ist, habe ich irgendwie das Bedürfnis, möglichst viele Menschen zu Windmühlenbauern oder doch zumindest -duldern zu machen. Und weil das natürlich unmittelbar mit Energie und Umweltschutz zu tun hat, bringe ich das gute Vierteljahrhundert Erfahrung in Typografie, Druck- und Medienvorstufe, Druck und Verarbeitung, das ich mittlerweile auf dem Buckel habe, in einer rundrum auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Designagentur ein.

Seit mich Ende 2000 jemand gefragt hat, ob ich nicht Photoshop (und ein Jahr später dann auch InDesign) unterrichten möchte, habe ich mich intensiv mit den Programmen der damaligen »Creative Suite« beschäftigt und sogar regelmäßige Zertifizierungen erworben (»Adobe Certified Instructor«). Dabei ist meine Begeisterung für Software von Adobe ungefähr im selben Maß gewachsen, wie ich die zunehmende Skepsis vieler Kollegen gegenüber der Firma Adobe verstehen und nachempfinden konnte. Und weil ich manchmal das Gefühl habe, solche Widersprüche »handwerklich« angehen zu müssen, habe ich zusammen mit Hans Neumair Ende 2007, kurz nach Erscheinen der Creative Suite 3, die erste InDesign-User-Group in der EU gegründet. Um einerseits möglichst vielen Kollegen den Ein- und Umstieg mit (vor allem, aber nicht nur) InDesign zu erleichtern und andererseits Adobes bisweilen schwer nachvollziehbarer Produkt- und Preispolitik eine gewisse »Marktmacht« entgegensetzen zu können. Keine Ahnung, ob uns irgendwas davon auch nur ansatzweise gelungen ist, ich bilde mir jedenfalls vorsichtshalber nichts darauf ein.

Seit ich 2012 ein Fachbuch über InDesign (CS6) veröffentlicht habe, glaube ich InDesign auch bis in die dunkleren Ecken ziemlich gut zu kennen. Und weil ich mich so intensiv damit beschäftigt habe, ist es mir umso rätselhafter, warum in dieser insgesamt grandiosen Software so viele Stellen seit so vielen Jahren nicht weiter- geschweige denn fertigprogrammiert wurden, obwohl es zahlreiche renommierte Fachautoren (damit meine ich wirklich renommierte, also keinesfalls mich!) und andere Influencer gibt, die immer wieder auf diese Baustellen hinweisen.

Personenbezogene Daten:

Wolf Kamm

Typokrat & Akzidenzschwätzer

Reinzeichner und Männchen für alles, wo Strom durchfließt, bei

mërz punkt | umweltorientierte designagentur

in München

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