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Am Brunnen des Ritters Förderzeitraum: 2007

Der historische Brunnen im Park des Rittergutes Westerbrak restauriert

Die Wiederherstellung des barocken Zentrums

Rittergut Westerbrak und seine Parkanlage 1667—2007

Barocke Anfänge

Westerbrak, heute Ortsteil der Gemeinde Kirchbrak, Ldkr. Holzminden, wird erstmals 1033 urkundlich erwähnt. 1618 wird es unter Heinrich Albrecht von Grone eigenständiges Rittergut. Dessen Enkel, Henrich Eckbrecht von Grone (1649—1726), kannte in seinen Funktionen als hochfürstlicher Schatz- und Landrat der braunschweigischen Herzöge und als erster Probst des Stiftes Steterburg die eindrucksvollen barocken Gartenanlagen, die unter Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel in dessen Fürstentum entstanden waren. Diesen Vorbildern nacheifernd, begann er 1667—1678, den Westerbraker Garten zu gestalten. Mit erheblichem Aufwand ließ er unter anderem drei Terrassen anlegen, die über Treppenanlagen miteinander verbunden waren.

Spätbarocke Blütezeit

Nachdem diese Hauptstruktur im 17. Jahrhundert geschaffen worden war, errichtete August Ernst Carl von Grone (1694—1765) die Hofanlage, wie sie noch heute in ihrer Symmetrie erhalten ist. Gleichzeitig ließ er im Garten das Engelstor, ein größeres Fontainebecken und ein achteckiges hölzernes Lusthäuschen erbauen. Ähnlich wie im Schlosspark in Wendhausen gliederten zahlreiche Hecken und Alleen seinen Garten, in den er, einer Mode dieser Epoche folgend, auch Frantzbäume (Zwergobst) pflanzte. Ein Feldriss, der im Zuge der Allgemeinen Landesvermessung

Diese erste Blüte des Gartens währte bis 1742. 1755 ging August Ernst Carl von Grone in Konkurs.

von 1761 von Georg Christian Geitel gezeichnet wurde, zeigt deutlich die Symmetrie und axiale Ausrichtung des Parks mit dem Brunnenrund, das alte Herrenhaus und das alte Brauhaus.

Diese erste Blüte des Gartens währte bis 1742. 1755 ging August Ernst Carl von Grone in Konkurs. In der Folge litten die Bauwerke und der Garten unter der nachlässigen Pflege der Pächter sowie den katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges.

1770 gelang es dem Neffen Carl Rudolph von Grone, die hinterlassenen Schulden zu tilgen und die Erbschaft anzutreten. 1801 folgte ihm Friedrich August von Grone, unter dessen Regie 1816 das baufällige Herrenhaus abgerissen wurde. In dieser Zeit entstand auch der Garten auf der oberen Terrasse.

Aufschwung in der Gründerzeit

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte die Bautätigkeit in Westerbrak wieder auf: 1855 wurde das ehemalige Brauhaus zum neuen Herrenhaus umgestaltet: ein streng wirkender Bau mit Anklängen des Rundbogenstils. Der Garten selbst behielt seine architektonischen Hauptstrukturen und war, wie ein Foto belegt, um 1890 in einem sehr gepflegten Zustand. Wie in anderen adeligen Gutsgärten findet sich auch in Westerbrak das Neben- und Miteinander von Zier- und Nutzflächen.

Wie in anderen adeligen Gutsgärten findet sich auch in Westerbrak das Neben- und Miteinander von Zier- und Nutzflächen.

Eine Umgestaltung zum englischen Landschaftsgarten erfolgte um 1900 auf der unteren Terrasse. Großwachsende Bäume wurden gepflanzt, geschlängelte Wege und drei kleine verwunschene Grotten aus Tuffstein angelegt.

Blütezeit um 1920

Mit der Heirat von Siegfried von Grone mit Agnes von Hammerstein-Loxten kam neuer Schwung nach Westerbrak. Voller Energie machte sich die neue Hausfrau an eine Neugestaltung des Anwesens. Sie ließ auf das Obergeschoss des Herrenhauses das barock anmutende Walmdach mit Gauben setzen und verstärkte den Eindruck einer geschlossenen Hofsituation durch verbindende Stallungen. Im Garten nahm sie Vorstellungen der reformierten Gartenkunst auf und unterstrich im Sinne der englischen Gärtnerin Gertrude Jeckyll (1843—1932) seine architektonischen Grundzüge durch prachtvolle, breit angelegte Staudenrabatten entlang der Wege. Sie schmückte diese mit Rittersporn nach Vorgaben des bedeutenden Gartengestalters, Blumenzüchters und Naturphilosophen Karl Foerster (1874—1970), dessen Publikationen sich in ihrer Bibliothek finden und mit dem sie wohl die Vorliebe für die „blauen Schätze“ teilte.

Umbruch

Der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft und in der Folge mangelnde finanzielle und personelle Ressourcen waren Ursache dafür, dass in Westerbrak wie in vielen kleineren, privaten Gutsanlagen die erforderlichen aufwendigen Pflegemaßnahmen eingeschränkt werden mussten. Darüberhinaus erfuhr die Gutsanlage in den letzten Jahrzehnten weitere Einschnitte.

Die unterste Terrasse fiel trotz intensiver Bemühungen einer Straßenbaumaßnahme zum Opfer.

Besonders schmerzlich war der Verlust der untersten Terrasse (der „englische Garten“), die trotz nahezu zehnjähriger intensiver Bemühungen einer Straßenbaumaßnahme zum Opfer fiel. In diesem Zusammenhang wurde das nach Osten gelegene Engelstor auf die Symmetrieachse nach Norden versetzt.

Heutige Situation

Dank vielfältigen Engagements sowie zahlreicher helfender Köpfe und Hände konnte 2002 mit der Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Guts- und Gartenanlage

begonnen werden. Es wurde ein dem Denkmal entsprechendes behutsames Konzept gewählt. Zu den Arbeiten gehörten die aufwendige Instandsetzung von Treppen und Mauerwerk der oberen Terrasse, gartenbauliche Maßnahmen, wie Rodungs- und Pflanzarbeiten, Wegebau und Baumsanierung sowie schmiedeeiserne Arbeiten. Die Restaurierung der Gartenfontäne konnte 2007 dank einer Förderung durch die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege abgeschlossen werden.

Jutta Curtius

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