Loading

Hybride Lern-Arrangements Warum? Wie? Womit?

2011 erschien das Buch mit dem Titel "Hybride Lernarrangements" von Eva Ortmann-Welp und definierte den Begriff im Untertitel als "Vernetzung von Präsenz- und Online-Lernen.

Eine weitere Definition:

Elearning und mediengestütztes Lernen interessieren jedoch zunehmend als Elemente in hybriden Lernarrangements. Das Ziel besteht darin, technologiebasierte Lernangebote mit verschiedenartigen personalen Dienstleistungen so zu kombinieren, dass eine möglichst hohe Effektivität und Effizienz erreicht wird. (M. Kerres, 2002, S.1)

http://netzwerk.lo-net2.de/lfvt/Fortbildung/Modellversuch/Hybride_Lernarrangements_%20Kerres.pdf

Hybride Lernarrangements - also kein neuer Begriff!

Häufig wird heute der Begriff des Hybridunterrichts verwendet. Er bezeichnet die Mischform aus Präsenz- und Distanzlernen, die nach dem vorübergehenden Lockdown der Schulen in der Corona-Krise in der Phase der Wiederaufnahme des Unterrichts umgesetzt werden musste.

Begriff Präsenzlernen

  • derzeitiges Verständnis: Unterricht im Sinne des bisherigen (vor Corona) Ablaufs
  • Lernen - im konstruktivistischen Verständnis - ist nicht abhängig von Präsenz
  • da aber persönlicher Austausch (Kommunikation und Kollaboration) für Lernprozesse wichtig ist, sind Lerngemeinschaften (nicht Klassen) ein wichtiger Faktor
  • als Teil eines hybriden Lernarrangements liegt der Schwerpunkt auf: Austausch, projektorientiertes Arbeiten, Präsentationen, Diskussionen, Motivation, Feedback, ...

Begriff Distanzlernen

  • derzeitiges Verständnis: Unterrichtsphasen, die durch coronabedingte Schulschließungen und Einschränkungen zu Hause stattfinden
  • muss über Abarbeiten von reinen Übungsaufgaben (Vokabeln abschreiben, 50 Aufgaben rechnen u. ä.) hinausgehen
  • dient der Entlastung der Präsenzphase durch Vorverlagerung von theoretischem Input (Erklärvideos, Material, ...)
  • kann aber auch durch digitale Tools sowie synchrone und asynchrone Kommunikation alle didaktischen Funktionen realisieren
  • als Teil eines hybriden Lernarrangements liegt der Schwerpunkt auf: theoretischer Input, SOL, Recherche, ...

Alle didaktischen Funktionen lassen sich in beiden Phasen realisieren. Es muss vor dem Hintergrund der Schul- und Klassensituation, des Themas, der zur Verfügung stehenden Tools und der Erfahrungen der Schüler:innen in Bezug auf die Methoden und Tools der Einsatz jeweils abgewogen werden.

Zielsetzung:

Elemente des Präsenzunterrichts und des Remote Learnings didaktisch sinnvoll koppeln (= verbinden einzelner Teile; Teile sind leicht je nach Bedarf neu anzuordnen, auszutauschen und/oder zu ergänzen)

Präsenz- und Distanzunterricht als Einheit - Was muss ich beachten?

Beziehungsarbeit

Voraussetzungen der S*S kennen:

  • emotional
  • familiäres Umfeld
  • technische Ausstattung
  • Motivation stärken

Engagement

  • motivieren
  • strukturieren
  • Freiräume gestalten
  • Feedback geben

Aufgabenstruktur

  • umfangreiche und komplexere Aufgaben über längere Zeiträume
  • Unterteilung in kleinschrittige Abfolgen (altersgemäß)
  • Wahlmöglichkeiten zu Inhalten, Methoden, Tools
  • fächerverbindende Potentiale nutzen

Lernraum - Schule & online

  • regelmäßige, verbindliche Treffen
  • Verzahnung von Präsenz- und Distanzphasen
  • Möglichkeit: z.B. gleicher Input in Präsenz - Varianten in Distanz - gemeinsame Präsentationen/Auswertung/Reflexion

Feedback

  • begleitend (formative assessment)
  • verschiedene Formate nutzen (z. B. Audiofeedback)
  • Peer-to-Peer-Feedback nutzen

Kommunikation & Kollaboration

  • Austausch/Zusammenarbeit der S*S untereinander ermöglichen - synchron und asynchron
  • kollaboratives Arbeiten in allen Phasen

Bewertung

Notwendig?😉

  • Bewertungen an Schüler:innenprodukte knüpfen
  • "formative assessment" mit Zielvereinbarungen
  • alternative Bewertung

Die wichtigste Ressource, die uns Lehrer:innen zur Verfügung steht, sind wir selbst. Wir sollten die internen Unterstützungsmöglichkeiten an der eigenen Schule, aber auch darüber hinaus wahrnehmen, um Potentiale der kollegialen Zusammenarbeit zu nutzen.

Vernetzungsmöglichkeiten für Lehrende

social media

Hier ein Link zum Google Doc von Jan Marenbach (@jjjmare), um den Einstieg in Twitter zu erleichtern.

Darüberhinaus kann man verschiedene Kanäle nutzen, um Kontakte aufzubauen, zu pflegen und einen Austausch zu initiieren. Egal ob digital (instagram, LinkedIn, Xing) oder persönlich (Fortbildungen, Barcamps, Konferenzen) - der Blick über den Tellerrand und ein "growth mindset" sind nicht nur Voraussetzung, sondern die beste Vernetzungsstrategie.

Und dabei entstehen dann unter anderem auch so tolle Sachen wie das Buch-Projekt von Tim Kantereit "Hybridunterricht 101", an dem 33 weitere Autoren mitgewirkt haben.

Empfehlungen zu Methoden und Tools für hybride Lernarrangements

flipped classroom/ICM

Aber bitte nicht einfach umsetzen, sondern an die Besonderheiten des Hybridunterrichts anpassen!

Hier eine Erklärung des Konzepts von Sebastian Schmidt (@FlippedMathe).

Kombinationsmöglichkeiten von Präsenz- und Fernunterricht

Vorschläge von Philippe Wampfler (@phwampfler) ausführlich erläutert im Buch "Hybridunterricht 101" von Tim Kantereit (@Herr_Ka_Punkt)

Lernvideos

  • zur Vorentlastung
  • Vermittlung von Fakten, theoretischem Input, ...
  • zeit- und ortsunabhängig nutzbar
  • wiederholbar, pausieren möglich

Videokonferenzen

  • sollten keinen bzw. nur begrenzt Vortragscharakter besitzen
  • synchrone Kommunikation
  • Kommunikationsregeln (stumm, Handzeichen, Moderator, Chat, ...)
  • Varianten: siehe Liberating Structures - viele Ideen lassen sich auch digital umsetzen
  • Beziehungsarbeit (Vertrauen) wichtig

Lernen verändert sich und damit auch die Rolle der Lehrperson. Unterricht wird offener. Damit muss man sich als Lehrer:in von der Planbarkeit hin zur Agilität bewegen. Die Bedürfnisse der Schüler:innen stehen im Zentrum des Lehrens und Lernens und das bedeutet, der Individualisierung und Heterogenität in Unterrichtsprozessen Rechnung zu tragen, in dem man sich von der oft bis ins kleinste Detail durchgeplanten Didaktik löst, um agil auf Veränderungen oder individuelle Bedürfnisse der Lernenden reagieren zu können.

Dies setzt voraus,

  1. dass Lehrende ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Lernenden aufgebaut haben und deren Bedürfnisse und Situation kennen. Nur so können Lehr-Lernprozesse individuell abgestimmt werden. Weiterhin ist dies die Basis für ehrliche Rückmeldungen, die für eine Weiterentwicklung und -anpassung der Unterrichtsgestaltung notwendig sind.
  2. dass sich Lehrende hinsichtlich der ihnen zur Verfügung stehenden Konzepte, Methoden und Tools auskennen und sich weiterbilden, um das jeweils Passende auswählen zu können.
TOOLS

TOOLS ...

... sind nur als Angebot zu verstehen. Ein Angebot zum Testen und sich dann das für den eigenen und schulischen Workflow passende auszuwählen. Hier gilt es, eventuelle Vorgaben des Bundeslandes, der Schule und auch die DSGVO zu beachten.

Hier ist eine kleine Auswahl von Tools, vor allem für Einsteiger:innen in die Thematik. Mit den vorgestellten Tools lassen sich verschiedene didaktische Szenarien umsetzen, z. B. kollaboratives Schreiben, Feedback, Meinungsumfragen, Evaluation, Recherche, Präsentieren, Spiele, Erstellung von Arbeitsblättern, ...

https://oncoo.de

https://zumpad.zum.de

https://classroomscreen.com

https://de.padlet.com

https://www.tutory.de

https://quizlet.com/de

https://wordwall.net/de

https://h5p.org

Auswahl und Einsatz der Tools im Unterricht sollten sich an den 4K orientieren:

Kommunikation - Kollaboration - kritisches Denken - Kreativität

... denn auf die Umsetzung kommt es an!

Hier einige konkrete Umsetzungsbeispiele für die Gestaltung von Lehr-Lernszenarien in hybriden Lernsettings:

wöchentliche/tägliche Challenges

  • S*S erhalten Herausforderungen, die schnell/einfach zu erledigen sind (täglich)
  • Beispiel: Foto von Lieblingsposter, Anzahl der parkenden Autos in der Straße, Erstellung eines ABC zu Tieren, ...
  • kann fachspezifisch sein, vor allem Gesprächsanlass
  • Herausforderung als fächerübergreifende, längerfristige Aufgabe
  • Beispiel: Papierflieger-Challenge
  • mehrere Teilaufgaben: Recherche zur verschiedenen Möglichkeiten der Konstruktion/des Faltens - 3 verschiedene Modelle herstellen; Test der Modelle - Flugweite (messen, vergleichen, diverse Berechnungen); künstlerische Gestaltung des Siegermodells; Recherche zur Geschichte des Flugzeugbaus, ...; Challenge dokumentieren und präsentieren (Adobe Spark, Video, ,,, - in Präsenz oder auf LMS zur Verfügung stellen), Feedback ermöglichen - Abschluss: Wettkampf der Siegermodelle vor Ort

fächerübergreifende Projekte

  • langfristige Projekte, Beteiligung mehrerer Kolleg:innen verschiedener Fachbereiche
  • kollaboratives Arbeiten der Schüler:innenteams ermöglichen
  • Feedbackschleifen (formative assessment)
  • Beispiel: Anlass - Lektüre "Der Schimmelreiter" (Theodor Storm)
  • Ideen zur Umsetzung: historischer Hintergrund, literarische Auseinandersetzung (Personenkonstellation, Konflikte, Sprache, Motive, ...), Dorfleben - Gemeinschaft, Zusammenleben - historische Entwicklung, Deichbau - historisch bis heute - Konstruktion, Materialien, Ebbe/Flut, geographische Lage von großen Deichbauten, Berechnung Böschungswinkel - Deichprofile, Deichbau als Modell (analog und digital), ...

Und hier noch eine Linksammlung zum Thema "Distance Learning - work in progress" mit einem weiteren empfehlenswerten Tool - Wakelet:

Fazit:

Hybride Lernarrangements sind "state of the art". Die aktuelle Situation, ausgelöst durch COVID 19, hat Veränderungen in Bildung nicht ausgelöst, nur beschleunigt und die Versäumnisse der letzten Jahre verdeutlicht.

Unterricht - hier die 10 Kriterien guten Unterrichts nach H. Meyer, gesehen vor dem Hintergrund der digitalen Transformation - wird sich durch und mit digitalen Medien verändern. Probleme in Unterrichtsgestaltung und -prozessen werden digitale Medien nicht lösen. Wohl aber unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung und in ihrem Einfluss von Medien der Gutenberg-Galaxis wie Bleistift und Buch. Digitale Medien durchdringen unseren Alltag und ermöglichen uns neue Wege der Kommunikation und Kollaboration. Digitaler Workflow wird zur Selbstverständlichkeit und muss beim Design von Lehr-Lernprozessen mitgedacht werden.

Das Verständnis von Bildung ist entscheidend für die Gestaltung eines schülerzentrierten, offenen, kommunikativ und kollaborativ angelegten Unterrichts, der Wissen, Methoden, Werkzeuge, Konzepte und Entwicklungen kritisch hinterfragt und so zu der Entwicklung von Schülerpersönlichkeiten beiträgt, die verantwortungsvoll, kompetent und kritisch denkend die Zukunft gestalten.

Andreas Schleicher zur OECD-Studie: Corona-Pandemieverändert Bildungssysteme weltweit

Let's do it!
Created By
Ines Bieler
Appreciate

Credits:

Erstellt mit Bildern von Kieran Wood - "A wooden puzzle" • Helena Lopes - "Saturday. Summer. Beautiful sunny day, so my friends and I decided to make a picnic and watch the sundown. Pretty fun and relaxed day." • Mark Duffel - "I was walking thru the zoo and saw this sign. The angle and the color caught my eye. It made me think about how everyone is telling us what to do. Or the counter to that … Stay on the Path … hang in there. Also, all of the other signs were perfectly aligned and standing straight up. But this one sign, just this one, was a rebel." • Chris Liverani - "Math exam" • Markus Spiske - "Made with Canon 5d Mark III and loved analog lens, Leica Summilux-R 1.4 / 50mm (Year: 1983)" • Tumisu - "feedback opinion customer" • sasint - "grandmother kids laptop" • Wokandapix - "assess measure evaluation" • Hello I'm Nik 🎞 - "Marketing mobile apps on an Apple iPhone. Instagram, Twitter & Linkedin. My weapons of choice." • Aditya Chinchure - "untitled image" • Alexas_Fotos - "teamwork together objectives" • Bokskapet - "video production video movie" • Cozendo - "coffee break conference women" • Lachlan Donald - "This was taken in a small tool shed in a ghost town in New Mexico called Shakespeare." • United Nations COVID-19 Response - "Myth busters. Image created by Redgirl Lee. Submitted for United Nations Global Call Out To Creatives - help stop the spread of COVID-19." • Mika Baumeister - "Turn Ideas into Reality! A motivational sign in a Co-Working Space. "