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Gemeinsam die Polen erreichen Ein Bericht von Markus Karzelek

Markus und Ula Karzelek
Voriges Wochenende feierte unser Gemeindebund sein 110-jähriges Bestehen. Also schauten wir während der drei Tage in die Vergangenheit, die Gegenwart und in die Zukunft. Während ich dabei war, mit meinem Team das Jungscharprogramm vorzubereiten, las ich einiges über die Geschichte der Freikirchen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Verfolgt man nämlich die jüngere Kirchengeschichte in Polen, dann stösst man auf etwas Ungewöhn-liches – zumindest für westeu-ropäische Leser: Die Vereinigte Evangelische Kirche (auf Polnisch: Zjednoczony Kosciół Ewangeliczny, kurz ZKE). Die ZKE war ein Zu-sammenschluss von fünf bis dahin unabhängigen Freikirchen (u.a. die FEGs, Brüdergemeinden und Pflingstgemeinden). Ursprünglich ging die Initiative von den Christen in diesen Gemeinden selbst aus, auch wenn die kommunistische Regierung – auf Anweisung aus Moskau – den Zusammenschluss mit zwei anderen Freikirchen forcierte, um so leichter die Kontrolle über die freikirchlichen Christen ausüben zu können (inwieweit dies gelang, steht auf einem anderen Blatt).

Letztendlich waren also weit über 100 Gemeinden mit Tausenden von Christen in einer Kirche versammelt. Aus meiner Kindheit kann ich mich erinnern, dass auf Kinder- oder Familienfreizeiten Christen aus den verschiedenen Denominationen zusammenkamen und die Frage «Aus welcher Denomination kommst du?» spielte keine grosse Rolle. Nach dem Zerfall des Kommunismus(nun war niemand mehr gezwungen, in der ZKE zu bleiben), erlebten wir jedoch eine Zeit, in der sich die verschiedenen Konfessionen stark auseinander lebten. Gemeinsame Unterneh-mungen, Konferenzen oder Gottesdienste waren und sind eher selten und die Evang-lische Allianz existiert (leider) nur auf dem Papier.

So war ich sehr erfreut, als ich vor einiger Zeit von einer neuen Initiative hörte. Die sieben grössten Freikirchen beschlossen, eine Plattform Zusammenarbeit zu starten: Ewangeliczna Polska. Bei einem Treffen im Juni konnte ich dabei sein, und ich bin vorsichtig optimistisch. Die Atmosphäre, die während des Treffens herrschte, erinnerte mich erinnerte mich an meine Kindheit: Alle vereinigen sich um Jesus und die eigene Denomination spielt keine grosse Rolle.

Natürlich werden wir aufpassen müssen, dass wir nicht das Fundament unter den Füssen (also die 100-prozentige Zuverlässigkeit der Bibel), sowie das Ziel (im Jahr 2050 sollen 1% der Polen evangelisch sein) aus den Augen verlieren. Die Einigkeit darf nicht auf Kosten gesunder biblischer Lehre «erkauft» werden. Aber ein Neuanfang wurde gewagt, und das macht Mut!