Überlebende der 131 Buben aus dem Konzentrationslager Kauen (Kaunas Ghetto)

Zeitzeugen Shaul Spielmann, Jehuda Gurvich und Daniel Chanoch bei der Internationalen Gedenk- und Befreiungsfeier 2016 © MKÖ, Sebastian Philipp

Ghetto Kauen

Im Sommer 1941 errichte die SS in Kaunas (Litauen) das Ghetto Kauen, welches ab dem 15. September 1943 zum Konzentrationslager umfunktioniert wurde. Am 14. Juli 1944 wurde das Konzentrationslager Kauen aufgelöst und die noch lebenden KZ-Häftlinge in das Konzentrationslager Stutthof deportiert. Frauen und kleine Kinder blieben im Konzentrationslager Stutthof, während Männer und ältere Buben in das Konzentrationslager Landsberg, ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau gebracht wurden.

Die Gruppe der 131 Buben

Bei einem „Morgen-Appell“ im Konzentrationslager Landsberg selektierte die SS eine Gruppe von 131 Buben im Alter von 11 bis 15 Jahren, die von anderen KZ-Häftlingen separiert und bewacht wurden. Diese Gruppe wurde ins Konzentrationslager Dachau überstellt, wo die Buben ihren Zusammenhalt und gegenseitige Solidarität entwickelten. Wolf Galperin, der im KZ-Außenlager Landsberg mit dem Ziel seinem jüngeren Bruder zu helfen zur Gruppe kam, wurde zum Koordinator dieser Solidarität.

KZ-Überlebende mit Wolf Galperin © MKÖ

Ausschwitz-Birkenau

Die Gruppe wurde ins Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau deportiert. Zwei Buben gelang die Flucht während des Transports, einer der beiden überlebte den Krieg. In der Nacht von 31. August auf 1. September 1944 trat die Gruppe von nun 129 Buben einen organisierten, gemeinsamen Einzug ins Vernichtungslager an, welcher von der SS überaschender Weise erlaubt wurde. Somit rettete der organisierte Zusammenhalt die jüngeren unter ihnen vor der Selektion und der Ermordung. Während deren Inhaftierung im Vernichtungslager Ausschwitz/Birkenau wurden zwei Drittel der Gruppe ermordet. Im Zuge der Todesmärsche auf Grund der Auflösung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau wurde die Gruppe getrennt. Der größte Teil der Gruppe wurde ins Konzentrationslager Mauthausen sowie ein kleiner Gruppenteil ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert und die restlichen wurden von den Gruppen getrennt.

Mauthausen

Die Gruppe, die ins KZ Mauthausen deportiert wurde, wurde nach Althamer getrieben und von dort mit dem Zug nach Mauthausen. Während des Transports wurden zwei getötet. Im Konzentrationslager Mauthausen setzten die überlebenden KZ-Häftlinge ihre Solidarität fort, welche ein wesentlicher Faktor für ihren Überlebenswillen war.

Gunskirchen

Der Kommandant des Konzentrationslagers Mauthausen beschloss am 14.4.1945, dass die Häftlinge, die im Zeltlager in Mauthausen interniert waren, in das Konzentrationslager Gunskirchen überstellt werden sollten.Die Gruppe der Buben die im Zeltlager interniert war, wurde somit auf einen weiteren Todesmarsch getrieben. Nach der Befreiung des Konzentrationslager Gunskirchen wurden die Überlebenden der „131 Buben“ in der Gegend rund um Wels durch die „US-Army“ versorgt oder in DP-Lagern (DP=Displaced Person) untergebracht. Die Mehrheit der überlebenden Buben traf auf die „Jewish Brigade“ und gelang so nach der Befreiung nach Israel. Einer dieser 131 Buben ist Daniel Chanoch. Für ihn ist es ein großes Anliegen sein Zeugnis über den Holocaust weiterzugeben und für ein „Niemals wieder“ zu appellieren.

Beeindruckend an der „Gruppe der 131 Buben“ ist der enge Kontakt, der untereinander gehalten wurde. Die gegenseitige Hilfe und Fürsorge, die Ausdauer und der gemeinsame Widerstand ist ein Beispiel von Solidarität unter Kindern in Konzentrationslagern, der einigen der Gruppe das Leben rettete.

Created By
Mauthausen Komitee Österreich
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