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Die Montanisten David F. Wright (Unger - Geschiche des Christentums)

Montanus

In Phrygien erregte 172 der enthusia­stische Christ Montanus Aufmerksam­keit, der mit seinen prophetischen Be­gleiterinnen Prisca und Maximilla be­hauptete, Sprachrohr des Parakleten zu sein, wie das Johannesevangelium den Heiligen Geist nennt. Sie waren die „Neue Prophetie", durch die Gott wie durch die Propheten des Alten Testaments sprach. Ihre Hauptaussa­ge: Die Wiederkunft Christi steht na­he bevor, ein Ereignis, auf das jeder Christ sich vorbereiten sollte.

Sie suchten die Christen zum Er­tragen von Verfolgung aufzurufen: ,,Hoffe nicht, im Bett zu sterben, ... sondern als Märtyrer." In Gallien und Afrika wurden Montanisten „ver­herrlichte Märtyrer ". Grabinschriften in Phrygien bezeugen die Kühnheit montanistischer Christen.

Alle Christen wurden zur strengen Askese aufgerufen. Ehen sollten zu­gunsten der Keuschheit aufgegeben, das Fasten vervielfacht und Nahrung trocken gegessen werden. Die heili­gen, geistgeleiteten Gemeinschaften der Montanisten im phrygischen Pe­puza und Tymion wurden „Jerusa­lem" genannt. Maximilla sagte voraus: „Nach mir wird es keine Prophetie mehr geben, sondern das Ende."

Einer der herausragenden Monta­nisten war Tertullian in seinen späte­ren Lebensjahren. Er glaubte, daß die vom Parakleten eingegebenen prophe­tischen Weisungen die Kirchenzucht vervollkommneten - durch Nichtver­geben schwerer Sünden nach der Tau­fe und Verbot der Wiederverheiratung und der Flucht vor Verfolgung.

In Kleinasien wurden die Montani­sten durch die erste bekannte Bi­schofssynode aus der Kirche ausge­schlossen. Der genaue Grund dafür ist allerdings unbekannt. Sie waren Fana­tiker, aber keine Häretiker. (Einer der römischen Bischöfe erkannte ihre Ga­ben als vom Geist gegeben an, änder­te aber später seine Meinung.) Ihre Visionen, das Sprechen in Zungen und die heftige religiöse Erregung weckten Argwohn. Der Anspruch ih­rer Prophezeiungen schien den gerade entstehenden neutestamentlichen Ka­non in Frage zu stellen. Die Voraussa­gen Maximillas erfüllten sich nicht. Die Montanisten bezichtigten die „un­geistliche" Kirche, ihren Parakleten abzulehnen. Kurz, die Pflicht zur Un­terordnung unter die Neue Prophetie schuf Zwietracht zu einer Zeit, da die Bischöfe für eine einheitliche, gefe­stigte und in der Tradition der Apo­stel stehende Kirche arbeiteten.

Montanistische Gruppen überleb­ten in Afrika bis ins 5. Jahrhundert, in Phrygien noch länger. Durch ihren Ausschluß verlor die Kirche viel. Sie verfielen in Übertreibungen, dennoch leisteten sie einen wesentlichen Bei­trag durch ihre Überzeugung, daß der Geist in der gegenwärtigen Kirche ebenso wirksam sei wie an ihrem An­fang. Nicht kleinere, sondern größere Zeichen seien für „die letzten Tage" verheißen.

Credits:

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