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Hochwasser- eine vom Menschen gemachte Gefahr Hochwasserexperte Dr. Michael Tempel klärt auf

Das Hochwasser gilt als eine wiederkehrende Gefahr im Zweistromland. Rhein und Mosel überstiegen in der Vergangenheit immer wieder ihren Normalstand. Vor allem die Winter- und Frühjahrshochwasser sind regelmäßige Ereignisse an Koblenz Stadtgrenzen. 1993 ging das Winterhochwasser in die Geschichte der Rhein-Mosel-Region ein. Es verursachte den höchsten Wasserstand des 20. Jahrhunderts. Doch Hochwasser scheint lediglich für den Menschen ein Problem zu sein. Es scheint sogar ein vom Menschen geschaffenes Problem. Doch wie kam es zu diesem Problem? Und was kann der Mensch gegen sein eigens geschaffenes Dilemma tun?

Dr. Michael Tempel – Hochwasserexperte an der Universität Koblenz-Landau

Die Expertenmeinung zu Hochwasserereignissen liegt für einen Studenten nur einen Steinwurf entfernt. Dr. Michael Tempel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Koblenz-Landau, war bereit, sein Wissen zu teilen. Und somit einen Teil seiner Arbeit zu Hochwasserentstehung und -schutz. Einer Arbeit, welcher er sich seit ca. 20 Jahren widmet.

Erstmalig in Kontakt gekommen war er mit diesem Thema in seiner Diplomarbeit. Eine Forschung, die sich thematisch auf das Rheinschiefergebirge bezog. Denn wie ist es möglich, dass auch dort in forstlich genutzten Gebieten Hochwasser entsteht?

Immer wieder phasenweise spielte das Thema eine Rolle in seinen Arbeiten. Genauso phasenweise wie das Hochwasser in das Leben der Menschen tritt. Und dieses auf den Kopf stellt…

Die Koblenzer Moselpromenade während und nach dem Hochwasser 2018

Hochwasser – ein natürliches Phänomen

So unnatürlich das Hochwasser für den Menschen scheint, so natürlich ist es für die Natur. Einerseits ein Schadensbringer, andererseits ein Teil des ökologischen Systems.

„Solange es Flüsse gibt, existieren auch Hochwasserereignisse“, macht Michael Tempel deutlich. „Die Natur lebt damit, sie hat sich darauf eingestellt.“

Lediglich für den Menschen stellt es ein Problem dar. Denn dieser will die Vorteile der Flüsse nutzen und siedelte sich an diesen an. Jedoch bedachte er nicht die Folgen. Denn die Menschen siedelten sich bis in die Auenbereiche an. Diese Bereiche dienen aber als natürliche Überschwemmungsgebiete. Folglich schaffte sich der Mensch ein Schadenspotential an den Flüssen. Die Konsequenz ist die Furcht vor der Überflutung. Und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen.

Schutzmaßnahmen gegen Hochwassergefahr

„Eine Rücksiedlung der Gebiete scheint zunächst die einfachste Lösung, ist jedoch nicht mehr so leicht rückgängig zu machen“, macht Michael Tempel deutlich.

Eher streben die Menschen nach Abschottung durch technische Bauwerke. Herr Tempel weist aber darauf hin, dass dies das Problem nur verschlimmere. Zumindest für den Unterlieger, an den es im größeren Maße weitergeleitet wird.

Besser sei daher, mehr Raum für die Flüsse zu schaffen, so Tempel. Dies gelinge dort, wo noch keine Besiedlung stattgefunden hat. Dort können Deiche geweitet oder künstliche Überschwemmungsgebiete geschaffen werden. Das geschieht bereits an den Polderflächen am Rhein. Diese können auch temporär überschwemmt werden, wodurch Notsituationen entschärft werden können.

Zudem solle mehr in den dezentralen Hochwasserschutz investiert werden, so Tempel. „Das ist ein Ansatz, der zukunftsweisend ist, da wo er funktioniert.“ Letztendlich gehe es dabei darum, das Wasserspeicherungsvermögen der Böden zu erhöhen. Das gelingt durch eine angepasste landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzung.

Mit dem fehlenden Wasserspeicherungsvermögen der Böden beschäftigte sich Tempel in seiner Forschung. Durch Entwässerungsgräben wurden die Flächen für forstwirtschaftlichen Anbau lukrativ. Somit wurde Niederschlag schnell den großen Flüssen zugeführt. Die teilweise über 200 Jahre alten Gräben funktionieren heute noch. Das führt jedoch zu Hochwasserereignissen an den Flüssen.

Für dieses Problem gibt es regionalspezifische Bemühungen, um dem Hochwasser entgegenzuwirken. Denn nicht überall kann dem Hochwasserschutz Vorrang eingeräumt werden. Die Natur und die Biodiversität müssten dabei berücksichtig werden, so Tempel.

Die Koblenzer Rheinpromenade während und nach dem Hochwasser 2018

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