Kuba 2016 eine zeitreise

1. Teil

TXL-MAD-HAV

Im März haben wir eine dreiwöchige Rundreise durch Kuba gemacht. Geplant war eine Woche Havanna und dann per Mietwagen West- und Zentralkuba erkunden. Ein paar Unterkünfte hatten wir schon aus Deutschland gebucht, der Rest würde sich dann ergeben...

Kuba...- Karibische Insel irgendwo unter Florida - was mag uns da erwarten? Zigarren, Oldtimer, Rum und Salsa - soweit unsere Vorstellung. Wie immer, wenn man Neuland betritt, hat man eigentlich keine Ahnung.

Was man dagegen weiß ist, dass am Anfang einer jeden Fernreise fast immer das frühe Aufstehen steht, uns trifft es diesmal um 4:00 Uhr... Gepackt hatten wir schon alles am Vortag. Das vorbestellte Taxi steht pünktlich vor der Tür und die Fahrt nach 'Good Old Tegel' dauert ja bekanntlich keine 10 Minuten um diese Zeit. Von hier aus bringt uns ein A320 der Iberia Express nach Madrid...

Flug von Berlin nach Madrid

In Madrid haben wir die komfortable Umsteigezeit von 5 Stunden. Trotz Terminalwechsel können wir alles im Zeitlupentempo machen, in aller Ruhe Duty-Free Produkte testen und teure Flughafengastronomie konsumieren.

Teures Flughafen Junkfood

Ein A330-300 der Air Europa fliegt uns über den Atlantik. Warum es im Übrigen immer schwerer wird, einen Fensterplatz zu ergattern, bleibt mir ein Rätsel. Als Entschädigung durften wir uns aber zu zweit eine Dreierreihe teilen...Na gut, eigentlich braucht man ja doch keinen Fensterplatz... :-)

Nach über 10 Stunden Flugzeit erwartet uns bereits unser Shuttle-Fahrer Alfredo am José-Martí-Flughafen und fährt uns ganz kubalike im offenen 50er-Jahre Cabriolet durchs nächtliche Havanna. Unsere Unterkunft befindet sich im Stadtteil Vedado. In einer ruhigen Wohngegend wohnen wir in einer von einem Italiener geführten Casa.

Nächtliche Fahrt durch Havanna

Zu Fuss in die Altstadt

Den ersten Tag beginnen wir mit dem typischen kubanischen Frühstück: Starker Kaffee, frische Ananas und Guave, zwei Eier, Weißbrot, frischer Fruchtsaft und Guavenmarmelade. Wurst oder Käse gibt es nur ganz selten. Grundsätzlich nicht schlecht, nur ist es, wie mit allem anderen - jeden Tag dasselbe wird eben schnell langweilig und so kam es, dass wir am Ende der Reise weder Eier noch Ananas mehr sehen konnten.

Nach dem Frühstück schauen wir uns erstmal bei Tageslicht die Umgebung an. Unsere Casa hat eine große Dachterrasse. Von hier aus verschaffen wir uns einen ersten Überblick.

Unsere „Casa Particular” und die Dachterrasse mit dem Blick auf die andere Straßenseite

Von unserer Unterkunft aus laufen wir ca. 5 km bis in die Altstadt und durchqueren dabei ganz unterschiedliche Stadtviertel. Ein Stück gehen wir auch den Malecón entlang. Die Uferpromenade von Havanna ist fast sieben Kilometer lang und beliebter Anlaufpunkt für Kubaner und Touristen. Hier trifft man sich zum Essen, Trinken, Angeln, oder einfach nur zum Sitzen und Reden. Bei starkem Wind brechen sich die Wellen an der Uferbefestigung und bereiten so manchem Fussgänger ein nasses Vergnügen. Die Straße wird an diesen Stellen zur Rutschpartie und man muss aufpassen, nicht den Boden unter den Füssen zu verlieren...

Die Altstadt selber ist von Touristen überlaufen und wer gute Fotomotive sucht, sollte sich lieber abseits der touristischen Trampelpfade bewegen. Am besten dafür geeignet halte ich den Stadtteil „Centro Habana”, der genau zwischen „Vedado” und der Altstadt liegt.

Im Stadtteil „Centro Habana” kann man das Alltagsleben der Kubaner am besten beobachten

Havanna zu erkunden, kann sehr anstrengend sein. Hohes Laufpensum bei starker Hitze, äußerst schlechter Luft und hohem Lärmpegel. Desto schöner ist es, wenn man zwischendurch ein luftiges Plätzchen am Wasser oder in einer Grünanlage findet, wo man sich ausruhen kann.

Ein Wort noch zum Geld: Auf Kuba gibt es zwei Währungen, der kubanische Peso (CUP oder auch „moneda nacional”) ist eine subventionierte Währung und nur für die Einheimischen vorgesehen. Der Besitz von CUP ist für Reisende nicht vorgesehen. Mit dem Peso Convertible (CUC, Touristenwährung) versorgt sich der Tourist an Geldautomaten oder Wechselstuben und bezahlt in Kuba Dienstleistungen und Produkte. Der CUC ist mit festem Wechselkurs an den US-Dollar gekoppelt. In großen Touristengebieten wie Varadero oder Santa Lucia ist auch der Euro als Zahlungsmittel zugelassen. Ein CUC sind im Moment ungefähr 0,90€.

Ach ja, die Oldtimer. In Havanna werden die Erwartungen der Autoliebhaber voll erfüllt. Es gibt nichts, was es nicht gibt! Und wer mag, kann auch mitfahren. Für umgerechnet nicht mal einen Euro kann man in einem dieser sogenannten Collective Taxis mitfahren und so die Autos hautnah erleben...

La Rampa, Cementerio CC und Focsa Building

Am nächsten Tag laufen wir die Calle 19, in der wir wohnen, einfach mal Richtung Westen. Nachdem wir einige Märkte, Supermärkte und Imbissbuden passiert haben, ist unser erstes Ziel der John-Lennon-Park, der seinen Namen einer Metallskulptur des Musikers verdankt, die dort auf einer Bank sitzt.

Schon mehrfach wurde der John-Lennon-Skulptur die Metallbrille geklaut. Ein Kubaner hat sich diese Sache zu Nutze gemacht und bietet für ein schnelles Foto die passende Brille an - natürlich gegen CUC;-)
Links die typischen Preistafeln auf den Märkten der Einheimischen
red car on 'la rampa'

Prarallel zur Calle 19 verläuft die Calle 23, die auch „La Rampa” genannt wird, da ihr östlicher Teil auf den letzten 500 Metern rampenartig zum Malecón abfällt.

La Rampa” ist eine der Hauptschlagadern der Stadt mit großen Hotels, Banken und viel Nachtclubs. Hier findet man immer ein Taxi Colectivo und die Straße hilft einem sehr bei der Orientierung in der Stadt.

„La Rampa” - Sie zu überqueren ist nicht immer so einfach, wie es hier erscheint
Straßenschilder sind in Havanna eine Seltenheit. An den großen Straßen findet man ab und an diese „Straßensteine”.
Streetportrait am Rande: Dieser Straßenkehrer freute sich, unsere Bekanntschaft zu machen

Wir kommen zum Christof-Columbus-Friedhof, einem der größten Friedhöfe der Welt und seit 1987 zudem kubanisches Nationaldenkmal. Für 5 CUC laden unzählige Grabmäler und Mausoleen aus weißem Marmor auf schlappen 56 Hektar und 20 km Straßennetz zu ausgedehnten Spaziergängen ein.

Christoph-Kolumbus-Friedhof
Architektonisch gibt es in Havanna vieles zu entdecken. Nicht alle Häuser sind verfallen.
Uups, was macht der denn hier?..

So, genug gelaufen für heute. Wir nehmen uns ein Collective Taxi und fahren zurück zu unserer Unterkunft. Diese Taxis fahren im Gegensatz zu den staatlichen Taxis auf festen Strecken und nur auf den Hauptverkehrsstraßen. Für 1 CUC fährt man soweit mit, wie man möchte. Unter sich ist man allerdings nicht - man teilt sich diese Collective Taxis mit anderen Fahrgästen.

Taxi Colectivo: Gib mir einen CUC und Du darfst mitfahren, so weit Du willst
Ach ja, diese kleinen gelben Dinger gibt es ja auch noch - das Cocotaxi. Es kostet etwas mehr, bringt einen aber exklusiv und brav dorthin, wo man will. Das vermeintliche Berliner Kennzeichen mit Köpenicker Postleitzahl ist übrigens ein original Kubanisches(!).

Nachmittags wollen wir noch auf das Focsa-Gebäude. Im obersten Stockwerk ist eine Bar (auch wenn es nicht so aussieht) und man hat einen tollen Blick über die Stadt in alle Richtungen. Wenn die Windbedingungen es zulassen, kann man sogar die Fenster aufschieben, um ungehindert fotografieren zu können. Besonders einladend sieht das Gebäude zwar nicht aus, zählt aber mit 123 Metern zu den höchsten Gebäuden Kubas!

Focsa Gebäude: Höhe 123m, Baujahr 1956, 360° rundumblick aus dem 33. stockwerk
Blick vom FOCSA Gebäude in alle Himmelsrichtungen

Plaza de la Revolucion und Barrio Chino

Heute sind wir gleich nach dem Frühstück mit einem Taxi Colectivo zum Plaza de la Revolucion gefahren und haben uns dort die Regierungsgebäude und das Memorial Jose Martin angesehen. Man fühlt sich an alte DDR Zeiten erinnert - große sozialistische Plätze für Kundgebungen und politische Machtveranstaltungen zum Gelingen der Diktatur...

Den Plan, auf die 142 Meter hohe Aussichtsplattform des „Memorial José Martí” zu steigen, konnten wir leider nicht in die Tat umsetzen - hier werden im Moment die Fahrstühle erneuert. Also dann wenigstens schnell noch ein paar Bodenschüsse...

Von hier aus geht es mit dem Taxi in die Altstadt, genauer nach China-Town. Das Chinesenviertel darf ja bekanntlich in keiner Stadt fehlen. Spätestens hier fühlt man sich, als habe man eine Zeitreise in die 1950er Jahre gemacht. Das, was es eigentlich nicht gibt, und von dem ich seit „Back to the Future” träume, ist also doch möglich.

Barrio Chino

Nach ein bisschen Suchen haben wir dann auch die typischen China-Gassen mit entsprechenden Restaurants und Händlern gefunden. Auf den Märkten werden auch Vögel und Hunde verkauft, die in Käfigen gefangen gehalten werden - unglaubliche Welt...

Ein paar Eindrücke aus Chinatown. Zwischendurch gab's Mittagessen inklusive Katzenfütterung:-)

Nach einer kurzen Stärkung laufen wir westwärts durch Centro Habana Richtung Unterkunft. Dabei machen wir einen Zwischenstop im bekannten Eiscafe Copelia. Hier wurden Szenen des Film "Erdbeer und Schokolade" gedreht. Da sich der Tourist in einem separaten Bereich aufhalten muss, spart er sich die Wartezeit, zahlt aber auch einen höheren Preis.

Eiscafe Copelia: ein Ufo-förmiges Gebäude inmitten einer Parkanlage
havanna's typische Häuserfronten strahlen in allen farben um die wette...

Unweit unserer Casa fällt uns ein Gebäudekomplex auf, der sich Girón nennt. Der 18-stöckige Wohnblock aus den 60er Jahren hat seinen Namen von einer gleichnamigen Busfirma, die damals einen Großteil ihrer Fahrer und Mitarbeiter hier unterbrachte. Wer sich hier über die Treppen auf den Weg nach oben macht, sollte schwindelfrei sein und eine gute Lebensversicherung haben. Fehlende Treppengeländer und durchlöcherte Wände sind für Girón's Bewohner ein alltäglicher Anblick - vielleicht ist es auch etwas Besonderes, hier zu wohnen...

Girón - Wohnblock am Malecón

Stadtrundfahrt im pinken Ami-Schleifer...

cruisen auf dem malecón...

Am nächsten Tag steht eine fast vierstündige Stadtrundfahrt auf dem Programm. Dadurch kommen wir in Teile der Stadt, die man ohne Auto nicht unbedingt zu Gesicht bekommen hätte. Vor allem unterqueren wir die Hafeneinfahrt von Havanna und kommen so auch mal auf die Ostseite der Stadt. Von hier aus hat man einen herrliche Blick auf die Altstadt und den Hafen...

Auf der Ostseite von Havanna steht die knapp 20 Meter hohe Christusstatue auf einem kleinen Berg. Von hier hat man eine lohnenswerte Aussicht auf die Altstadt.
Skyline von Havanna mit dem „Hotel Nacional” im linken Drittel und dem „Focsa-Building” dahinter.
dieser tunnel aus den 50er Jahren unterquert die bucht von havanna und ist über 700 Meter lang...

Wir besuchen noch das Haus des Künstlers José Fuster. Der „Picasso der Karibik” hat mit seinen Mosaikwerken dem ganzen Stadtteil Jaimanitas seinen kreativen Stempel aufgesetzt. Überall sieht man Werke von ihm und sein Haus ist Beweis genug, dass seine Arbeiten von Gaudi inspiriert waren...

Werke des Künstlers 'Jusé Fuster' im Stadtteil Jaimanitas

Nochmal Altstadt...

Nach fast vier Stunden Cabriotour sind wir von der vielen Sonne und der schlechten Luft ziemlich benommen und lassen uns in der Altstadt absetzen. Hier schlendern wir durch das historische Viertel auf der Suche nach dem besten Mojito und schauen uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten und den Kreuzfahrthafen an.

Havannas Altstadt „Habana Vieja”
Ein Gemüsehändler, der seinen Stand wohl nach Hause schieben muss...

Puuh, fast eine Woche Havanna kann ganz schön anstrengend sein! Jetzt geht's einfach mal raus aufs Land. Wir leihen uns einen fahrbaren Untersatz und stellen uns dem Abenteuer Autofahren...Es geht nach Westen!

Created By
Sebastian Kringel
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