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Tiere im Judentum "Macht euch die Erde untertan"- Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren in der Thora.

"Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht." (Gen 1,28; LUT)

Warum hat der Mensch die Befugnis Tiere zu töten und sie zu essen? Die Frage der Rechtmäßigkeit des Tötens und des Konsums von Tieren ist Dreh- und Angelpunkt des Verhältnisses von Mensch und Tier. (Rheinz 2017). Die jüdische Lehre liefert einen Erklärungsversuch.

Wenn wir uns mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier in der Bibel beschäftigen, ist dieser Vers (Gen 1,28; LUT) von zentraler Bedeutung. Der Mensch wird einerseits ermächtigt, die Erde in Anspruch zu nehmen, andererseits wird ihm die Herrschaft über die Tierwelt übertragen. Jedoch war vorerst für die Menschen als Nahrung nur der Verzehr von Bäumen mit samenhaltigen Früchten vorgesehen (Gen 1:29-30; LUT), erst nach der Sintflut gewährt Gott Noah Fleisch zu essen, allerdings kein lebendiges Tier.

"Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich's euch alles gegeben. Allein das Fleisch mit seinem Leben, seinem Blut, esst nicht!" (Genesis 9,3-4; LUT).

Im Judentum hat der Schutz und die Pflege der Tiere eine hervorgehobene Stellung, dies wird in zahlreichen Passagen der Thora begründet und ausgeführt. So sollte dem Ochsen kein Mundschutz aufgetragen werden, während er das Feld drischt, um so einen Ertragsteil der Ernte einfahren zu können (Dtn 25,4; LUT) und auch Arbeitstiere haben ebenso wie der Mensch die Sabbatruhe einzuhalten (Ex 23,12; vgl. Dtn 5,14; Ex 20,10; LUT). Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier wird auch in der Namensgebung Adams deutlich (Gen 2, 19-20; LUT). Die Einteilung von Tieren unterlag nicht, wie zur heutigen Zeit, einem zoologischen System, sondern sie geschah aufgrund ihrer Lebensräume, Wasser, Luft und Land (Riede 2002, 216). So wurde die Tierwelt in vier Gruppen aufgeteilt: Wassertiere, geflügelte Tiere, Kriechtiere und Landtiere (Riede 2002, 217).

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die jüdischen Speisegesetze, auch als Kaschrut ("rituelle Eignung") bekannt. Die Gebote und Verbote stammen größtenteils direkt aus der Thora und umfassen Zubereitung und den Genuss von Speisen und Getränken. Eine grundlegende Bedingung für den Kaschrut ist die Unterscheidung zwischen reinen ("kosher") und unreinen ("treife") Tieren (Lev 3; LUT), welche sich zum Verzehr eignen. Nur die Tiere, die zwei gespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sind, (z.B. Ziegen, Rinder, Schafe) werden als "kosher" bezeichnet. Somit sind Tiere wie das Schwein oder das Kamel als treife zu bezeichnen, da sie eines der beiden Kriterien nicht erfüllen. Soviel zu den Landtieren. Ein Wassertier ist nur kosher, wenn es Schuppen und Flossen hat. Kriechtiere, wie Reptilien, Amphibien, Würmer, Insekten sind nicht koscher. Ausnahmen sind bestimmte Heuschreckenarten und auch wenn Bienen triefe sind, ist der Konsum von Honig erlaubt. Bei den geflügelten Tieren sind nur die aus der Züchtung stammenden Tiere (z.B. Taube, Ente, Gans), die sich von Pflanzen ernähren, kosher, jedoch keine Raubvögel. Generell sind Tiere treife, die andere Tiere fressen, da sie mit dem Bild der Grausamkeit verbunden sind und durch ihren Verzehr den Menschen verunreinigen würden. Genauso verboten ist der Genuss von Blut, welches die Grundlage für die jüdische Schlachtmethode des Schächtens bildet. Beim Schächten muss das Blut aus dem Tier möglichst vollständig herausfließen . Anschließend muss das Fleisch gewässert, gesalzen und gespült werden.

Darüber hinaus wird unter fleischigen, milchigen und neutralen Lebensmitteln unterschieden. Fleischige und milchige Speisen dürfen nicht mit einander vermischt werden. Neutrale Lebensmittel (z.B. Fisch, Obst-, Gemüse- und Getreidesorten) hingegen werden als "parve" bezeichnet und dürfen mit fleischigen und milchigen Gerichten gegessen werden. Auch wenn Fisch parve ist, bildet er hier die Ausnahme und kann nicht mit milchigen oder fleischigen Speisen vermischt werden. Zum Kochen und Servieren müssen verschiedene Utensilien verwendet werden. Auch die Aufbewahrung der Lebensmitteln im Kühlschrank muss getrennt erfolgen. Um sicherzustellen, dass jeder, der kosher Essen will, auch weiß was er einkaufen darf, gibt es gewisse Zertifikate auf den einzelnen Produkten - genannt Hechscher. Heutzutage ist in der jüdischen Gemeinde die Sicht auf die Einhaltung der Kashrut sehr unterschiedlich. Während orthodoxe Juden die Regeln sehr strikt befolgen, halten säkulere Juden sie teilweise gar nicht ein.

Das Symbol Ⓤ ist eines der vielen Zertifikate für kosheres Essen. Hier links im Bild zu sehen.

Ein kontrovers diskutierte Theorie, abgeleitet aus der christlichen Schöpfungstheologie, ist die Idee des "Dominium terrae" („Herrschaft über die Erde“), die den Herrschaftsanspruch des Menschen gegenüber dem Tier erklärt. Danach bekleidet der als Gottes Ebenbild geschaffene Mensch innerhalb der gesamten Schöpfung eine besondere Stellung und besitzt somit uneingeschränkte Macht über die nicht menschliche Schöpfung.

Quellen:

http://www2.auf.uni-rostock.de/oekotext/maria/oekotext/programm/seite5/p48artikelc.pdf

https://www.talmud.de/tlmd/kaschrut-die-juedischen-speisevorschriften/

Im Spiegel der Tiere : Studien zum Verhältnis von Mensch und Tier im alten Israel Autor: Riede, Peter Ort, Verlag, Jahr: Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht [u.a.], 2002; Umfang: XI, 364 S. :

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung : Lutherbibel revidiert 2017 : mit Apokryphen Beteiligte Person: Luther, Martin; Ort, Verlag, Jahr: Stuttgart, Deutsche Bibelgesellschaft, 10.2016; Umfang: 1115, 407 Seiten :

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/28224

http://tierimjudentum.de/?p=103

https://www.youtube.com/watch?v=ifKFC4jYqS8

Credits:

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