Genau hinhören und horchen der Gravitation auf die Schliche gekommen

Albert Einstein war sicher, dass Gravitationswellen existierten. Für ihn ein durchaus logischer Schluss, so ergeben sich die Verzerrungen der vierdimensionalen Raumzeit als direkte Folge seiner Allgemeinen Relativitätstheorie. Die Jagd nach dem entgültigen, messbaren Beweis war eröffnet und hielt Physiker weltweit seither auf Trap. Das ist nun endlich gelungen: An den Advanced-LIGO-Detektoren in den USA konnten Signale von Gravitationswellen erstmals gemessen werden.

"A window to the universe"

Was bedeutet die Entdeckung für die moderne Wissenschaft? Eine der Fragen, die nur ein Astrophysiker beantworten kann:

Prof. Hans-Joachim Blome ist Astrophysiker und war lange Zeit als Professor im Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik an der FH Aachen tätig. Seine wissenschaftliche Karriere begann er an den Universitäten Bonn und Köln. Dort studierte er Physik und Astronomie.Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in der Projektleitung des NASA/DLR-Projektes Spacelab-Mission D-2 und eines Forschungsaufenthalts bei der NASA half er bei der Erstellung eines neuen deutschen Weltraumprogramms. Er arbeitete zeitweise ebenfalls im Referat "Raumfahrt" des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF), und war deutscher Delegierter im Space-Science-Programm der Europäischen Weltraumagentur ESA.

Herr Prof. Blome, bitte einmal ganz allgemein. Was sind diese Gravitationswellen?

Foto: FH Aachen/thilo-vogel.com

„Gravitationswellen, das sind Störungen des Raums, die sich durch diesen ausbreiten. Eine solche Welle ist also in der Lage, den gesamten Raum zu verformen und alles was sich darin befindet. Es handelt sich also nicht - wie beispielsweise bei Licht - um Wellen, die sich durch den Raum bewegen. Das ist ein wichtiger Unterschied. “

Und wie entstehen sie?

„Gravitationswellen entstehen, wenn sich Massen beschleunigen. Ganz besonders starke Gravitationswellen gibt es, wenn besonders große, dichte Objekte beteiligt sind. Beispiele hierfür sind schwarze Löcher oder Sterne, die einander umkreisen.“

Warum ist die Entdeckung bzw. der 2015 erfolgte Beweis so interessant und wertvoll für die Astrophysik?

„Ein wichtiges Merkmal von Gravitationswellen ist, dass sie - im Gegensatz zu elektromagnetischer Strahlung - fast gar nicht von Materie beeinflusst werden. Sie werden weder absorbiert noch ausgestrahlt. Deshalb ist es wesentlich einfacher für uns Rückschlüsse über die Objekte die sie ausgelöst haben, zu ziehen.“

Wie muss man sich die konkrete Suche nach den Wellen vorstellen?

Das Aufsuchen von Gravitationswellen unterscheidet sich von der normalen Astronomie. Üblicherweise schauen die Astronomen durchs Fernrohr, dann kommt das Licht und man sieht Punkte oder Spiralnebel. Das ist bei den Gravitationswellen etwas anders. Das sind Vibrationen der Raumzeit, und die kann man eigentlich eher hören. So etwas wie ein Lauschangriff auf das Universum. Mit diesen neuartigen Signalen wäre es theoretisch möglich unerforschte Botschaften unseres Universums zu entschlüsseln. Man kann sich das so vorstellen wie Ringwellen, die sich auf der Oberfläche eines Sees ausbreiten. Die treffen einen anderen Körper.

Quelle: Pixabay

Das klingt wirklich spannend. Kann man als Physiker noch viel entdecken?

Zunächst muss man lernen, was die Wissenschaft schon weiß. Es gibt Momente im Studium, die sind schon elektrisierend. Man versteht die allgemeine Relativitätstheorie so halb, ist aber trotzdem total fasziniert und will alles verstehen. Plötzlich ist man dann im 15 ten Semester. Es gibt noch unglaublich viele ungeklärte Aspekte des Kosmos, die es zu erforschen und zu verstehen gilt.

Viele Menschen sagen, dass die beiden Disziplinen Physik und Philosophie sehr eng beieinander liegen. Wie sehen Sie das?

Die Entdeckung der Gravitationswellen hat durchaus eine philosophische Komponente. Es wurde einmal mehr bewiesen, dass die Wissenschaft Phänomene theoretisch berechnen und vorhersagen können, die sich erst ein ganzes Jahrhundert später mit Hilfe moderner Technologie praktisch belegen lassen.

Foto: FH Aachen

Credits:

thilo-vogel.com

Made with Adobe Slate

Make your words and images move.

Get Slate

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.