Der Bann ist gebrochen! nach vielen vorzeitigen landungen endlich der erste 300er - von Lex Robé

Es war Montag, der 24.10.16. Mittlerweile bin ich seit vier Tagen im schönen Brasilien. Dieses wunderbare Land mit seinen herzlichen Bewohnern nahm Weitgereiste wie mich zu ebener Erd zwar gern auf, aber in der Luft schienen Brasilien und ich - trotz der 37°C - nicht so richtig warm zu werden. Die Ersten Tage waren geprägt von jähem Absaufen. Dann noch mal rauf wieder probiert, wieder war zwischen 15 und 40km Schluss - bei diesem Wind sind das bessere Abgleiter...

XXX -> noch FOTOS von den Absaufern

Doch wie jeden Tag für morgens hieß die Devise: Neuer Tag, neues Glück!

7:10 Uhr: Konrad Görg (links auf Aircross UCruise) und Robert Haider (rechts auf Airdesign Volt2 SL) machen sich bereit

Um 7:15 Uhr füllte ich meine Rennsemmel mit brasilianischer Morgenluft - und mit einer Extraportion Zuversicht, dass es heute endlich mal mit dem "Obenbleiben" klappen könnte. Schließlich hatte Iarly Selbir (Chef von Termikzone) wieder mal gemeint:

"This could become another classic Quixadá day"
Das tägliche Startspiel: Antesten der ersten Thermiken des Tages am und vor dem Startberg

Kurz vor acht Uhr hatte ich eine Thermik super erwischt und konnte den Startberg mit Basishöhe von 1200m als erster verlassen. Die erste Zutat meiner heutigen Anti-Absauf-Formel "Nicht vor 8 abfliegen" hatte ich somit schon mal erfolgreich in meinen Streckenflug-Cocktail reingemixt.

An der ins Flache ragenden Felskette Sao Do Padre kam ich durch vorheriges Höhemitnehmen-Wo-Geht mit eigentlich guten 800m an, doch ich wollte mehr: Zu oft bin ich schon tief weitergeflogen und vorzeitig "eingedirtet" (c) - sprich: landen gegangen...

Doch meine Suche beförderte mich immer nur noch weiter nach unten - und aus den komfortablen 550m über Grund sank ich bei meinen "Optimierungsversuchen" einmal sogar runter bis auf 150m AGL!?!?! (da capo: alles über 800m ist hier eine Luxushöhe, mit der man reinsten Gewissens den Windritt weiter hätte fortsetzen können!)

Also diesen genialen Vorsprung ebenso genial verspielt. Da ich schon so tief war, dachte ich mir: "Jetzt kann ich gleich auf die Portugiesen warten". Selbst in der Gruppe mit den famos fliegenden Portugiesen, Konrad Görg und Joe Edlinger konnten wir auch im Teamwork keine durchziehende Thermikblase dingfest machen. Erst um 8:45 Uhr flogen wir gemeinsam in den Windschatten der Bergkette Serro do Padre mit weniger Höhe als ich bei meiner Ankunft hatte - und dabei insgesamt sage und schreibe 25 Minuten dort verloren. 🙄😂🤔

Ich hatte vor Custodio mit Janne Järesnö (blauer Peak unten) einen guten Bart erwischt und traute mich auch aufgrund des guten Rückenwindes vorwärts zu pushen.

9:20 Uhr: Fotosession mit Janne auf seinem Papagei-blau schillernden Peak4-Hochleister

sadf

9:40 Uhr: zusammen mit dem Portugiesischen Top-Piloten Jose "Zé" Relo bei guter 6/8 Bewölkung Auf dem Weg gen Westen

Perfektes Aerodynamik-Paket von Zé

Wie schnell es doch gehen kann beweist das untere Foto, keine 5 Minuten später aufgenommen. Während ich eine super Spur erwischte kamen gegen 9:45 Uhr speziell Konrad, Joao Brum und Joe Edlinger schon mal so richtig tief.

9:45: Aus sicherer Höhe der Blick auf den "JoeSave" (c): In der Bildmitte suchten Konrad (rechts), Joe (mitte) und Joao (links) tief nach dem erlösenden Einstieg. Darüber cruisten Eduardo und Zé bereits mit einiger Sicherheitshöhe...

Sie konnten jedoch an einem Zinken mitten im Wald die erlösende Thermik finden, die wenig später wieder super durch zog.

10 Uhr: Mit Joao Brum kurz nach Madalena

Dafür fand ich weiter vorne keinen ordentlichen Bart. Das Spiel kehrte sich um. Nun war ich wieder eine Zeit lang im Kellergeschoss unterwegs und konnte Ihnen nur neidvoll hinterher blicken…

That's Flatland Flying Life!

Die anderen flogen vor mir im Pulk sehr effizient und zeigten sich gegenseitig die besten Steigkerne gerne an. Ich war jeweils ein bis zwei Bärte dahinter und somit de facto auf mich allein gestellt. Mit einer guten Spur über das kleine Hochplateau von Monsenhor Tabosa schaffte ich es erst wieder um 12 Uhr den Spitzenpulk einzuholen.

12 Uhr: Blick zurück auf das gebirgige Monsenhor Tabosa. Die nächsten 80km wird's komplett flach...

Zé Rebelo musste aufgrund einer gerissenen Stabiloleine vorzeitig am Ausgang von Monsenhor Tabosa landen. Like a Pro - wie folgendes Video zeigt!

13 Uhr: da vorne sind sie endlich! Nix wie hin und wieder in Gruppentherapie dem Flachlandgrounding-Zwang den Kampf ansagen! :-)
13 Uhr: Fotosession mit Eduardo Lagoa, den ich an diesem Tag noch wesentlich länger als meinen Flügelmann willkommen heißen durfte

Zerfleddert aber doch irgendwie gemeinsam ging es über 80 km Flachland bis hin zum Plateau, das wir um 13:45 Uhr erreichten.

13:10 Uhr: Mit Eduardo, Joao und Joe im Anflug auf das Plateau

Während Joe vor dem Einstieg aufgrund einer schlechten Spur ziemlich tief kam und den Plateau-Einstieg tiefer nach Thermik absuchen musste, konnten Eduardo und ich in einem 1 m/s-Bart gemütlich Höhe tanken.

13:30 Uhr: Während ich über Joe eine gute Spur erwischte und hoch bleiben konnte, musste Joe an der weiter vorne liegenden Gelände-Stufe tief nach dem Einsteig suchen

Mit 800m über Grund trauten wir uns schließlich auf das Plateau. Diese Höhe war schnell verbraten und so drifteten wir langsam, aber zumindest sicher im 2er-Pack in etwa 400m über Grund über das stark bewaldete Plateau. Immer eine Landemöglichkeit auf der Sandpiste in Aussicht. Erst um 14 Uhr stießen wir auf einen erlösenden 3m/s-Bart Richtung Basis, die bereits auf 2800m geklettert war.

13:45 Uhr

Konrad nahm eine direktere Linie Richtung Norden und war danach stets 5 km vor uns, aber für mich fast schon außer Sicht- und praktisch außer Reichweite.

Ab dem Ende des Plateaus ging's fast schon kitschig weiter Richtung Pedro Segundo: Wolkenstraßen standen einladend auf unserer Linie und so war es für uns ein Kinderspiel unter jenen effizient Kilometer nach vorne zu machen. Der Rückenwind nahm zwar ab, aber das mir nun vertraute Wolkenbild erlaubte, etwas mehr Gas zu geben…

14:45 Uhr: "Because I'm, happyyyy" - especially @cloudbase!

15:15 Uhr: schön wenn's zieht: Am liebsten is mir dabei Zugluft von unten! Hier ein 4,5m/s Bart - integriert wohl gemerkt! :-)
15:30 Uhr: mit Eduardo im Anflug auf Pedro Segundo

Rund 10km nach Pedro Segundo hatte ich um 16 Uhr wieder mal Basishöhe erreicht und der Wind seine Südkomponente endgültig verloren. Statt nach Piripiri weiter Richtung Nord zu fliegen, segelte ich gerade Richtung Westen.

Ich zählte die Minuten, bis endlich die erträumten 300km erreicht waren (siehe Minenbleistiftspitze). GENIAL!! "Heit laft's!" Und ich war noch immer hoch!

YESSS! 300!!!!!

Ein Blick auf die Uhr verriet mir: 16:10 Uhr -> "Da geht noch was!"

16:20 Uhr: GO WEEEEEEST!

Ich flog mit Rückenwind ziemlich genau Richtung West, bis ich auf eine asphaltierte Straße Richtung Südwest stieß. Diese flog ich entlang, da sie alle paar Kilometer eine gute Landemöglichkeit hatte.

16:30 Uhr: Ich flog schließlich entlang dieser Straße - Landemöglichkeiten waren dort nämlich spätestens im km-Abstand anzutreffen

Der Boden begann schon zu tragen und so verlängerte sich mein butterweicher Gleitflug aus 3000m bis auf 40 Minuten, der mich an die 25km weiter Richtung West schob und mich behutsam auf 500 Höhenmeter sinken ließ.

16:30 Uhr: Piripiri (im Bildhintergrund) lag um diese Uhrzeit schon im Schatten - ich wollte mein Glück noch entlang der noch in der Sonne liegenden SW-Straße versuchen...

300m über Grund versuchte ich über einem schwarzem Feld noch ein paar Meter zu schinden. Was als zarter Nullschieber begann mutierte wenige Minuten später schon zum halb Meter Bart, daraus wurden 1m/s, 1,2m/s - ja sogar über 2m/s Steigen! Ich konnte mein Glück kaum fassen! Speziell im Hinblick auf diese Ironie, dass das unscheinbare Feld ganz links in der unteren 3er-Fotogalerie tatsächlich einen Bart solcher Stärke um die Uhrzeit auszulösen vermochte. Es musste ganz einfach eine Schicht ordentlicher Labilität so ab 700m über Grund gehabt haben...

16:45 Uhr: Einer der unglaublichsten Momente: Das Feld in der Mitte hievte mich von gut 350m über Grund nochmals auf gut 2000m - und es wär noch höher gegangen, wäre die Sonne nicht schon so tief am Horizont gestanden. Ein Wahnsinn, was aus dem 0,2m/s-Bärtchen noch wurde - er zog in zunehmender Höhe mit bis zu 2,5m/s durch! Umkehrthermik mal anders...

Ich musste diesen Traum-Bart im Hinblick auf meine Landezeit jedoch um 17:10 Uhr verlassen, um nicht zu spät am Boden zu stehen. In der jetzt noch besser tragenden Luft flog ich teils beschleunigt meinem Ziel Richtung Campo Major entgegen.

Ich sah das kleine Städtchen Cocal de Telha, an dessen Südende sich eine gemähte Wiese perfekt zur Landung anbot.

17:30 Uhr: im 3/4-Gas die spät gewonnene Höhe noch schnell in Kilometer verbrannt, um rechtzeitig vor'm Finsterwerden zu landen. In den letzten beiden Bildern das Städtchen Cocal de Telha.

In der Dämmerung machte ich noch zwei Schlenker, um etwaigen Bodenwind besser einschätzen zu können. Nix, null nada. So setzte ich dann um 17:30 Uhr auf dem auserkorenen Feld auf. Bereits in der Luft kamen die ersten Kids Richtung Landewiese geströmt und bevor ich noch einen Fuß am Boden hatte war ich schon umringt von den ersten Locals.

17:40 Uhr: Touchdown! Bereits während des Schirm-Zusammenraffens strömten aus allen Richtungen die vor Freude überschäumenden Alien-Groupies herbei, um zu sehen was hier vor sich ging. Ein unglaublich bewegender Moment!!!

Zeitgleich zum Schirm-Zusammenlegen versuchte ich in ein paar Brocken Portugiesisch zu erklären, was ich gerade die letzten 10 Stunden erlebt hatte. Sie waren begeistert und euphorisch - fast gleich wie ich.

Binnen weniger Minuten kam die halbe Dorfgemeinschaft zusammen: Hier ein Blick hinter meiner...
...und vorder meiner. Ein Traum Abschluss :-)

Einer der Oberen lud mich zu sich nach Hause auf die Veranda ein. Kurioserweise haben die Locals sehr selten Bier zu Hause, aber ein "hilfsbereiter" Junge schwang sich aufs Moped und holte sogleich drei Bier für den elektrolyt-verarmten Piloto Austríaco.

Eine gute halbe Stunde verging wie im Flug mit den supernetten Locals, als das Resgate-Auto von TermikZone mich abholte - GENIAL!!! Ich konte grad noch rechtzeitig die Bier-Lieferung (mint-grünes Sackerl) in Empfang nehmen...

Kaum hatte ich das erste aufgemacht, kam schon der Rückholer und las mich auf. Mit großem Hallo verließ ich das schöne Dörfchen und machte mich auf nach Piripiri, wo die anderen 300er-Piloten mich bereits erwarteten. Der Tisch war bereits reichlich gedeckt mit gutem Gebratenen...

In Piripiri, dem Dauerabo-Landeplatz von Überflieger Carlos Lopes, trafen wir uns noch auf einen gemütlichen Custom-Grillteller (Fotos von Joe Edlinger)

Schließlich gab es was zu feiern, denn bis auf die Portugiesen war es für uns alle der erste 300er unseres Urlaub!

Auch Joe war überglücklich, hatte er doch mit 329km ebenfalls seinen ersten 300er im Sack. Ganz zu schweigen von mir, der ich zusätzlich mit diesem 351km-Flug die Tagesbestweite erzielt habe - und so endlich den auf mir offensichtlich bis dato lastenden "Flachland-Fluch" abgeschüttelt habe! :-)

"Jetzt geht loooos!"

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Lex Robé
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