Wer bin ich? Ein schmaler Grat zwischen Empathie und Misanthropie

Mein Name ist Alex, ich bin 23 Jahre alt und vorab möchte ich sagen, dass ich momentan an einem Punkt in meinem Leben bin, an dem ich diese Frage nicht mit Bestimmtheit beantworten kann. Nichts desto trotz möchte ich versuchen, Euch einen kleinen Einblick in meine verschrobene Gedankenwelt zu bieten. Im Grunde würde ich mich als empathischen, jungen Menschen beschreiben, der sowohl sich, als auch seine Umgebung stets eingehend reflektiert und versucht, jedem Menschen mit der nötigen Höflichkeit und dem gebührenden Respekt gegenüber zutreten. Meine Maxime lautet „Wie man in den Wald rein ruft, so schallt es auch wieder zurück“. Sei nett zu mir und ich bin nett zu dir. So einfach ist das. Meine Fähigkeit, sowohl das Empfinden, als auch die Denkweisen anderer Menschen, einschätzen und beurteilen zu können, erachte ich durchaus als ausgeprägt und so könnte man zu dem Schluss kommen, ich sei ein durchweg weltoffener und optimistischer Mensch. Das trifft jedoch nur bedingt zu. Viele prägende Erfahrungen meines bisherigen Lebens führten dazu, dass sich meine Sichtweise bezüglich der Menschheit und insbesondere unserer heutigen Gesellschaft gegenüber in der Weise verändert hat, dass ich Menschen prinzipiell mit Misstrauen begegne. Über Jahre hinweg musste ich auf zwischenmenschlicher Ebene Erfahrungen sammeln, die diesen Standpunkt eindrucksvoll untermauerten. So kam es, dass aus dem einst so weltoffenen Jungen, ein abgeschotteter, die Menschheit scheuender Typ wurde, der seine eigenen Gefühle und Gedanken, anstatt sie auszusprechen, lieber hinter einem eisernen Vorhang aus Desinteresse, Distanz und Ignoranz versteckte. Mit diesem Text möchte ich allerdings eine Lanze brechen. Eine Lanze, für jene, die sich eventuell mit Teilen meiner Aussagen identifizieren können. Aber auch für mich möchte ich diese Lanze brechen, denn ich bin der festen Überzeugung, dass hinter diesem Schutzmantel einiges versteckt ist, das vielleicht gar nicht so verkehrt ist, wie ich selber denken mag. Dieser Text bietet mir einerseits die Möglichkeit, Dinge von mir preiszugeben, die ich sonst vielleicht für immer in meinem Kopf behalten hätte und andererseits bietet es für Euch als Leser vielleicht den nötigen Denkanstoß, um aus diesem Kreislauf des sich Abschottens zu entfliehen. Allerdings möchte ich auch sagen, dass sich zurückzuziehen nicht immer nur der falsche Weg ist. Es kann helfen, sich aus Situationen zu befreien, denen man im Moment einfach noch nicht gewachsen ist, egal, wie sehr man es sich auch wünscht. Doch sollte man dabei nicht so weit gehen wie ich, denn zurück zur Lebensfreude zu finden, kann mitunter ein langer und steiniger Weg sein, wie ich am eigenen Leib erfahren habe. Dass ich einen Weg der Besserung beschritten habe, ist nicht zu leugnen, doch bis ich mich wieder wohl in meinem Leben und meiner Haut fühle, wird noch einige Zeit vergehen. Deshalb möchte ich abschließend sagen, dass Glück und Trauer, Wärme und Kälte, Nähe und Distanz, sich nicht gegenseitig ausschließen. Viel eher sind sie sehr dienliche Werkzeuge, die, wenn man sie mit Bedacht einsetzt, einem Menschen helfen können, mit Fragen dieses Lebens umzugehen und Antworten zu finden.

So treffen junge Menschen in Ausbildungssituationen heute ihre Entscheidungen

Diese Aussage kann ich nur aufgrund meiner eigenen persönlichen Erfahrungen beantworten. Meiner Meinung nach lässt sich die Entscheidungsfindung auf zwei Grundpfeiler aufteilen. Zum einen treffe ich Entscheidungen emotionsbehaftet, aus dem Bauch heraus. Ich tue das, was mein Bauchgefühl mir sagt. Ich mache das, was mir gerade vorschwebt und handle aus der Situation heraus, ohne vielleicht vorher eingehend darüber nachgedacht zu haben. Auf der anderen Seite, und das ist meine bevorzugte Variante, treffe ich Entscheidungen mit dem Kopf. Ich denke ausgiebig darüber nach. Ich wäge ab. Ist das jetzt richtig? Ist es das Beste für mich? Macht diese Entscheidung einen Sinn? Wie wird diese Entscheidung den weiteren Verlauf beeinflussen? Diese und viele weitere sind die Fragen, die ich mir stelle, wenn ich mit dem Kopf entscheide. Ich persönlich kann nur dazu raten, Entscheidungen, die das berufliche Leben betreffen, mit dem Kopf zu treffen, denn meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Entscheidungen, die ich diesbezüglich aus dem Bauch heraus getroffen habe, meinen Lebensweg in der Weise beeinflusst haben, dass sie mir meinen Weg teilweise erschwert haben. Auf der anderen Seite jedoch, haben mir diese Entscheidungen viele Erfahrungen auf diesem Weg ermöglicht, die ich sonst nicht erlebt hätte und sie haben mich zu dem Menschen geformt, der ich heute bin. Deswegen bleibt mir abschließend zu sagen, dass man abwägen sollte, welche Art der Entscheidungen für einen selbst am sinnvollsten ist und dass eine Mischung aus beidem durchaus auch von Vorteil sein kann, denn wichtig ist nicht, den einfachsten Weg zu gehen, sondern den Weg, den man gehen will, mit Überzeugung zu gehen. Denn, wie sagt man so schön - man wächst an seinen Erfahrungen!

Eine intrinsische Situation: "Den Menschen in- und auswendig kennenlernen"

Ich ziehe mir den blauen Einwegkittel an und lege den Mundschutz um. Eine Mischung aus Skepsis und Vorfreude macht sich in mir breit und ich betrete, gefolgt von den restlichen Lehrgangsteilnehmern, den Obduktionssaal und auf dem Tisch aus matt glänzendem Chirurgenstahl liegt bereits eine recht ansehnliche junge Frau mit glattem, schwarzem Haar im Alter von circa 24 Jahren. Ihr nackter, blasser Körper wird einzig vom kaltweissen Licht der Halogenlampen umhüllt. Der Gerichtsmediziner und sein Assistent betreten den Raum. Beide stellen sich kurz und knapp vor und daraufhin beginnt der Gerichtsmediziner uns über sein weiteres Vorgehen zu informieren. Er weist uns darauf hin, man könne den Raum verlassen, falls einem unwohl wird, doch da niemand dieses Bedürfnis hat, beginnt er kurz darauf mit der Obduktion. Er greift sich ein Messer, das viel eher einem handelsüblichen Filitiermesser gleicht, als dem von mir erwarteten filigranen Skalpell und setzt zum ersten Schnitt an. Mittig, am oberen Brustkorb beginnend, zieht er mit dem Messer einen Schnitt bis in den unteren Bauchraum. Ich merke, wie mir mulmig im Bauch wird. Ein Gefühl, das ich bis dahin so nicht kannte. Also versuche ich, an mir zu halten und rede mir ein, das Gefühl verflöge gleich wieder. Nach zwei weiteren Schnitten des Gerichtsmediziners fühle ich mich wieder normal. Als er damit fertig ist, spreizt er den Brustkorb der Verstorbenen und beginnt nach und nach, alle Organe auf die mögliche Todesursache zu untersuchen. Nach diesem Verfahren geht er auch bei dem Gehirn der Frau vor, er entnimmt und seziert es, in dem er es, ähnlich wie bei einem Brotlaib, in dünne Scheiben schneidet. Nach der Obduktion dokumentiert der Gerichtsmediziner alle Erkenntnisse und er und sein Assistent beginnen, recht abgestumpft und emotionslos, alle Organe ungeordnet im Bauchraum zu verstauen. Auch das Hirn findet hier seinen Platz, denn über dem ausgehöhlten Schädel sorgt lediglich die Kopfhaut der Verstorbenen dafür, dass die ganze Situation ein Stück Menschlichkeit behält.

Naturwissenschaft gegen Geisteswissenschaft – Möglichkeit statt Zwispalt

Ich habe mich dafür entschieden diese These aufzustellen, da ich mich immer für einen Menschen hielt, der sich lediglich auf Fakten und naturwissenschaftliches Wissen berufen hat. Ich habe mir nie Gedanken über ein Leben nach dem Tod gemacht, da es für mich ein absoluter, unumkehrbarer Zustand ist. Kommt das Herz-Kreislauf System zum Erliegen und fällt die Hirnfunktion aus – ist der Mensch tot, es ist vorbei, für immer. Naturwissenschaftlich betrachtet, stehe ich nach wie vor voll und ganz hinter diesem Standpunkt, doch durch den groben und emotionslosen Umgang mit dem verstorbenen Leib und dem sehr martialischen Vorgang der Obduktion, kam in mir die Frage „war es das jetzt?“, gepaart mit der Hoffnung, dass diese Situation lediglich das physiologische Ende des Lebens umfasst. Dass eine einzige Momentaufnahme, ein kurzer Augenblick, einen solchen Gedanken in mir aufkeimen lassen kann, hätte ich nicht für möglich gehalten, da ich mich eigentlich immer vollkommen mit dem Lager der „Naturwissenschaften“ identifiziert habe. Durch diese einprägsame Erfahrung ist mir jedoch klar geworden, dass sich natur- und geisteswissenschaftliche Sichtweisen nicht ausschließen, sondern die Möglichkeit für ein ganzheitliches Denken bieten. Dort, wo der eine Standpunkt an seine Grenzen gelangt, kann der andere einspringen und mir ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten offenbaren. Seit diesem Tag versuche ich, Dinge aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten und nicht mehr dem absoluten „entweder oder“ zu verfallen. Abschließend ist es mir noch ein Anliegen, deutlich zu machen, dass es mir weniger darauf ankommt, WAS genau passiert, sobald das Leben zu Ende ist, sondern vielmehr darum, dass es überhaupt etwas gibt, das uns nach dem Tod erwarten könnte.

Ein Bibeltext gepaart mit meinen geistigen Ergüssen in Bezug auf Entscheidungen

Was Gott weiß und wo er ist – Psalm 139 I

Um einen Denkanstoß für eine differenzierte Sichtweise auf das Thema Entscheidungen zu bieten, fiel meine Wahl auf den Psalm 139 I. Im Folgenden werde ich zwei Textpassagen interpretieren und versuche, meine persönliche Sichtweise, in Bezug auf Entscheidungen, zu vermitteln.

„(…)Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da(…)“

Der Kern dieser Aussage ist laut meiner Auffassung, dass das menschliche Leben immer an Entscheidungen gebunden ist. Es spielt dabei eine untergeordnete Rolle, ob die Aussage theologisch oder philosophisch betrachtet wird. Im Vordergrund steht dabei die Tatsache, dass egal, wofür ein Mensch sich entscheidet, immer etwas da ist, für das es sich lohnt, eben jene Entscheidung zu treffen. Sei es nun der Glaube oder das Leben an sich.

„(…)Finsternis ist wie das Licht(…)“

Diese Textpassage lässt sich in meinen Augen so deuten, dass Entscheidungen weder gut noch schlecht sein können. Eine Entscheidung, die ich treffe, zieht zwar immer eine bestimmte Konsequenz nach sich, aus der sich eine neue Ausgangslage ergibt, ob wir diese Entscheidungen jedoch als positiv oder negativ bewerten, hat einzig und allein mit der subjektiven Einfärbung eines jeden Einzelnen zu tun. Auch aus vermeintlich „schlechten Entscheidungen“ kann Gutes entstehen und aus „richtigen Entscheidungen“ resultieren manchmal Rückschläge. Deshalb bin ich der Meinung, dass es in Bezug auf Entscheidungen kein Richtig oder Falsch, kein Gut und Böse geben kann. Auf das Leben bezogen bin ich allerdings der Auffassung, dass sich das Gute und das Böse, die Finsternis und das Licht, gegenseitig bedingen, da ich etwas Schlechtes erst dann als schlecht wahrnehme, wenn ich vorher positive Erfahrungen mit dem Guten gemacht habe. Auf der anderen Seite, wird mir das Schlechte erst wirklich bewusst, wenn ich vorher Gutes erlebt habe.

Ein popkultureller Beitrag aus der heutigen Zeit

Durch meine Vorliebe zum deutschen Sprechgesang, fiel die Wahl meines popkulturellen Beitrags selbstverständlich auf einen „Deutsch-Rap“- Titel. Der Song „Menschen“ von Umse beinhaltet viele Anspielungen auf das Thema Entscheidungen, sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne. Ich möchte jedoch lediglich zu bestimmten Zeilen des Liedes etwas zum Besten geben.

.„Warum sind die Leute so? Sie haben ihre Gründe. Vieles auf der Welt ist nicht so, wie ich mir das Wünsche. Man ist nicht der erste, zweite, dritte, vierte, fünfte, der sich entscheiden muss – drum wirf ´ne Münze.“

Diese Zeilen bestätigen meine Denkweise, dass unser aller Leben stets und ewig an Entscheidungen gebunden ist. In vielen Situationen steht es mir auch nicht frei, ob ich mich entscheiden will, sondern ich werde durch bestimmte Umstände dazu gezwungen. Selbst wenn ich mich für „nichts“ entscheide, so treffe ich noch immer eine Entscheidung.

Deutschland – ein Land voller Gegensätze, die Möglichkeiten bieten

In Deutschland haben wir Menschen das Glück, in einem Land leben zu können, in dem wir von vielen Kulturen außer unserer eigenen Umgeben werden. Ob im privaten Bereich, im Freundeskreis, in der Öffentlichkeit oder bei der Arbeit. Täglich begegnen wir Menschen, deren Kultur nicht die Unsere ist. Kultursensibel arbeiten bedeutet für mich, dass ich mich auf all diese verschieden Kulturen mit offenen Ohren und Armen einlasse. Ich versuche, mein eigenes Wissen und meine Vorstellungen weiterzuvermitteln und genauso versuche ich, die neuen, mir unbekannten Aspekte anderer Kulturen aufzugreifen und von ihnen zu lernen. Denn das ist es, worauf es ankommt. Voneinander lernen, miteinander umzugehen.

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