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Island wild und rauh

Spätestens seitdem 2010 der Vulkan Eyjafjallajökull (Eja-fjatla-jökutl) den europäischen Flugverkehr lahm gelegt hat, ist Island jedem ein Begriff. „Wir haben vor allem die Nachrichten angesehen, um uns über die verschiedene Aussprache unseres Vulkanes zu amüsieren“, sagt mir ein Isländer schmunzelnd im Gespräch.

Von Stuttgart ging es in diesem Frühsommer nach Keflavik. Es ist drei Uhr morgens, als wir im Hotel in der Hauptstadt Reykjavik ankommen und es ist hell, da es im Sommer hier im Norden nicht dunkel wird. Reykjavik (isländisch „Rauchbucht“) liegt 269 Kilometer südlich des Polarkreises. Sie ist damit die nördlichste Hauptstadt der Welt und mit seinen zirka 124.000 Einwohnern wohl auch die kleinste auf dem Globus.

Es zieht uns hier zur Hallgrímskirkja. Sie ist das größte Kirchengebäude Islands, das zweithöchste Gebäude des Landes nach dem Smáratorg-Turm. Während von außen der expressionistische Stil dominiert, ist die Kirche von innen mit gotischen Elementen ausgestattet. Mit dem Aufzug gelangt man dann in den siebten Stock und kann vom Glockenturm aus eine wunderbare Rundumsicht über Reykjavik geniessen.

Für die Gourmets gibt es in der Hauptstadt der Insel auch einige Anlaufstellen, die nicht ausgelassen werden sollten. Eines davon ist das Laekjarbrekka, welches im Herzen der Stadt liegt. Das Restaurant befindet sich in einem der ältesten Gebäude und ist seit über 30 Jahren ein Restaurant. Hier werden heimische Gerichte aus frischen Zutaten bereitet.

Die Kirche Hallgrímskirkja und das Gourmet-Restaurant Laekjarbrekka
Strokkur im Heißwassertal Haukadalur

NUR MIT GELÄNDEWAGEN

Normale Pkws sind auf der von uns gewählten Route über das Hochland nicht zugelassen. So fahren wir mit einem Geländewagen zum „Golden Circle“, bestehend aus dem Parlament Þingvellir, dem Thermalgebiet um den grossen Geysir Strokkur, der alle Zehn Minuten eine wuchtige 20-35 Meter hohe, kochend heiße Fontäne in die Luft schießt und dem Wasserfall Gullfoss. Þingvellir liegt im gleichnamigen Nationalpark. Dieser liegt direkt am spektakulären Grabenbruch zwischen amerikanischer und europäischer Kontinentalplatte. Eindrucksvoll ist die Besichtigung des „goldenen“ Wasserfalles Gullfoss, der tosend über zwei Platten in die Tiefe stürzt.

Gullfoss im Haukadalur liegt Süden Islands.

Das Hochland ist wirklich wildromantisch - eine felsige und karge Steinwüste. Mittendrin grenzt der Rand des zweitgrößten Gletschers an diese Steinwüste. Weiter geht es nach Hveravellir (isl. hver „heiße Quelle“; vellir „Felder“); es bezeichnet sowohl einen Zentralvulkan unter dem Gletscher Langjökull im Westen von Island als auch das dazugehörige Geothermalgebiet.

BRÜLLENDE HÜGEL

Man findet in Hveravellir viele typische Merkmale von Hochtemperaturgebieten. So gibt es Heißwasserquellen (80-100 Grad), etwa die von Sinterterrassen umgebene Bláhver (dt. „Blaue Quelle“), Fumarolen und die fauchende Solfatare Öskurhöll (dt. „Brüllender Hügel“). Außerdem gibt es einen Hotpot (heißer Topf), in dem man nach der Fahrt über Felsen und Schlaglöcher wunderbar entspannen kann. Auch der Schwefelgeruch ist nach einer kleinen Gewöhnungsphase nicht mehr so penetrant.

Vom Hochland kommt man dann gen Norden runter nach Varmalid. Im Museum Glaumbaer wird erzählt, wie die Menschen früher gewohnt und gearbeitet haben. Die Häuser bestehen aus Torf. Die Zimmer im Bauernhaus sind unterteilt in Schlafzimmer und diversen anderen Kammern. Das Leben fand vor allem im Schlafzimmer statt, in dem oft 20 Personen lebten und arbeiteten. In den anderen Räumen befanden sich verschiedenen Vorratskammern und Speicher.

Auf der Insel Drangey leben tausende von Vögel

HALBE MILLION VÖGEL

Generell lädt Island übrigens zu verschiedensten sportlichen Aktivitäten ein wie Gletscherwandern, Wandern, Klettern, Reiten.

Bunte Holzhäuser sind typisch für Island

In Hofsos an der Küste entfaltet sich wieder das typische Bild der Insel, wunderschöne bunte Holzhäuser.

Da wir in der Nähe von Sauðárkrókur sind und liebend gern einen Blick auf die berühmten Papageientaucher werfen möchten, ist es naheliegend, nach Drangey zu fahren.

Papageientaucher mit Fischen

Das Boot bringt uns in einer Stunde rüber zu den Felsen auf dem zirka 500.000 Vögel, vor allem Möwen und Papageientaucher leben. In Island werden Papageientaucher auch gegessen, allerdings achtet man darauf, die Single-Vögel zu fangen. Ein Paar bleibt ein Leben lang zusammen.

Isländischer Nachwuchs

REITTOUR AUF ISLAND-PFERDEN

Junghengste beim Kräfte messen

Für mich war das Hauptziel dieser Reise eine Reittour auf Island-Pferden. Der Stolz der Isländer sind diese kleinen robusten Pferde, die außer den 3 Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp noch Pass und den äußerst bequemen Tölt gehen können. Tölt ist eine schnelle Gangart, die erschütterungsfrei und sehr komfortabel zu sitzen ist, was sich für lange Strecken sehr angenehm gestaltet.

Hengste leben auf Island mit den Stuten und Fohlen in der Herde

Auf der Insel gibt es, dank den strengen Bedingungen keine Krankheiten unter den Pferden. Es dürfen keine Pferde auf die In- sel gebracht werden. Verlässt ein Pferd die Insel, darf es nie wieder zurück kommen.

Soziale Kontakte sind wichtig für Pferde

Die Pferde leben in Herden auf riesigen Weiden, welche oft sehr unwegsam sind, was dazu beiträgt, das Islandpferde von Natur aus absolut trittsicher sind.

Junghengst auf der Weide

Sechs Leute und 20 Pferde machen sich bei schönem Wetter auf den Weg. Die 14 freilaufenden Pferde befinden sich hinter den drei bis vier Frontreitern, die flott im Tölt vorangehen. Am Ende reiten die beiden Backriders, die die Herde zusammenhalten. Dass heißt, man galoppiert durchaus auch über Stock und Stein abseits der Wege, um Ausreißer in die Gruppe zurück zu treiben. Ein ungeheurer Spaß.

Gegenseitige Fellpflege

Da ich überwiegend hinten reite und dort mehr Action habe als vorne, erwische mich bei der Überlegung, eine Umschulung als „Cowboy“ zu machen.

Kämpfende Hengste

VIER TAGE IM SATTEL

Saftiges Gras im Sommer

Wir reiten vierTage von Unterkunft zu Unterkunft. Täglich die Frage nach dem Wetter, vorauf unser Guide Helgi in typisch isländischer Gelassenheit erstmal die Stirn runzelt und überlegt, uns anschaut, den Himmel anschaut, uns anschaut, um nach gefühlten fünf Minuten zu sagen:“ ...mmhhh...vielleicht wird es regnen, .... vielleicht scheint die Sonne....es kann Wind geben und manchmal schneien....“ Okay, eine typische Antwort in Island, wenn es ums Wetter geht.

Grosse Herdenhaltung ist üblich auf Island

Genau das ist Island.

Impressum

©Fotografie und Text Nicole Bökhaus