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Die vierte Reaktion Michael Dufner

Vor zehn Jahren sass ich um 23.30 Uhr im Büro, als Jesus mich fragte: «Was machst du hier?» Darauf ich: «Hier fühle ich mich wenigstens daheim, hier bin ich der Chef. – Zu Hause kommandiert meine Frau!»

Als diese Worte über meine Lippen kamen, erschrak ich. Stimmte das? Ja, musste ich mir eingestehen. Ich fühlte mich zu Hause nicht daheim. So flüchtete ich mich bei jedem Konflikt und bei jeder Konfrontation mit meiner Frau ins Büro.

Heute, zehn Jahre später, arbeite ich zu Hause im Homeoffice. Und ich liebe mein Zuhause. Vieles ist passiert, aber vor allem zwei Dinge haben mich die vergangenen zehn Jahre gelehrt. In dieser Ausgabe möchte ich auf das erste eingehen.

Wir Menschen handeln nach Dr. Albrecht Seiler in emotionalen Momenten nach drei Reaktionsmustern:

«Fight»-Reaktion: Kampfmodus: Dir zeig ich’s!

«Flight»-Reaktion: Flucht vor der Gefahr.

«Freeze»-Reaktion: Erstarren, sich totstellen (wie in der Tierwelt), oder wie ich es bei mir erlebe: Gleichgültigkeit, Desinteresse.

Meine Verhaltensweise, ins Büro zu flüchten, war für unsere Ehe nicht gewinnbringend. Und so beobachte ich in vielen Reflexverhalten und in meinen erlernten Mustern die Gefahr, dass ich verursache, was ich zu verhindern versuche. Ein Beispiel: Ich zog mit 16 Jahren von zu Hause aus. Heute, als Vater von Teenagern habe ich schon mal gerechnet: Somit würde mein erster Sohn in drei Jahren von zuhause ausziehen. Krass! Das will ich nicht. Doch was könnte ich dagegen unternehmen? Klammern, bestechen, loslassen, kämpfen, fliehen oder einfach auf «egal» schalten? Nein. Ich glaube, es gäbe noch eine vierte und viel bessere Art, zu reagieren. Dazu braucht es zwar das bewusste Besinnen auf meine erlernte Reaktion, damit ich im heissen Moment meinen Blick auf Jesus richten kann, um zu fragen: «Was würdest DU jetzt tun?»

Meine Frau äusserte kürzlich Kritik. Ihr Ton löste in meiner Bauchgegend keine guten Gefühle aus, weil ich merkte: «Jetzt werde ich kritisiert.» Sie fragte, warum ich ohne zu fragen einfach Termine vereinbare und ihr diese als gegeben vorsetze. Innerlich regte sich der «Fight-Modus» – «Aber!»-Sätze schossen mir durch den Kopf. Während sie redete, legte ich mir logische Erklärungen für ihren emotionalen Ausbruch zurecht und wollte sie schon nach ihren Tagen fragen. Doch wie oben erwähnt übte ich mich, bevor ich das tat, darin, mein Reflexhandeln mit Jesus abzugleichen (eine vierte Art der Reaktion). «Jesus, was würdest DU machen?»

Sein Reden war eher kontrovers zu meinen Gedanken. «Michi, mach einen Schritt auf Manu zu! Nimm sie in den Arm, gib ihr recht und entschuldige dich!» Es ist ein komisches, aber auch befreiendes Gefühl, der Stimme von Jesus mehr zu gehorchen als den eigenen Gefühlen. Und vor allem begeistert mich der Unterschied, wie Situationen sich dadurch ändern, wie sie enden und wie Jesus Gutes aus meinen Fehlern machen kann. Es heisst ja in 2. Kor. 12,9: «Daher will ich nun mit grösster Freude und mehr als alles andere mich meiner Schwachheiten rühmen, weil dann die Kraft von Christus in mir wohnt.» Wieso fällt uns das so schwer? Weil wir für die vierte Reaktion, die Reaktion des Glaubens, Hilfe brauchen. Weil es Übung braucht und weil wir es letztlich nicht selbstbestimmt und allein schaffen. Es wird uns nur in der Kraft des Heiligen Geistes gelingen.

Egal wie unsere Umstände sind, wie sich die Welt um uns herum entwickelt. – Ich will so beten: «Jesus, hilf meinem Glauben! Ich will tun, was du sagst (Joh. 2,5), damit deine Herrlichkeit in und durch mein Leben sichtbar wird.»

michael.dufner@feg.ch