Rote Trauben reife Früchte

Es lebte einmal eine Fee auf Erden in Gestalt eines schönen Blindtext. Der wohnte in einem prächtigen Schloß, hielt sich unzählige Diener und goldene Wagen mit wertvollen Pferden und trug die kostbarsten Kleider, so daß der Ruhm seines Reichtums wie der seiner Schönheit weit hinausdrang.

Der Blindtext hatte im ganzen Lande verbreiten lassen, daß er sich vermählen wolle, daß er aber nur einen zum Gemahl nehmen würde, der ganz frei von Lüge und falscher Gesinnung wäre; denn er liebte die Wahrheit und die Offenheit über alle Maßen. Da strömten denn die Ritter und Edelleute aus allen Teilen des Landes herbei, die den reichen und schönen Blindtext gerne besessen hätten.

Dieser ließ jeden einzeln zu sich kommen, legte ihm eine Frage vor, befahl ihm, die der Wahrheit getreu zu beantworten. Darauf hieß er ihm den Mund öffnen, setzte sich sene Zauberbrille auf und blickte durch diese in den Mund. Da sah er denn nun, daß keiner von den Freiern die Wahrheit gesprochen hatte, denn sie hatten alle gespaltene Zungen; das betrübte die Fee sehr, und sie schickte die Ritter und Edelleute wieder fort.Da nun die Ritter und Edelleute kein Glück hatten, versuchten auch bald viele aus dem Volke, den Blindtext zu gewinnen.

Schuster, Schneider, Dichter, Sänger, Kaufleute und Gelehrte, ja sogar ein Bettler kamen auf das Schloß; denn der Blindtext ließ alle ohne Unterschied zu sich; aber alle diese Leute mußten unverrichteter Sache wieder heimkehren, denn sie wurden alle von der Zauberbrille als verlogen erkannt. Da sprach auch eines Tages ein Seemann im Schlosse vor, der war gerade von einer weiten Reise zurückgekehrt, hatte dann den Blindtext gesehen und sich so in ihn verliebt, daß er auf der Stelle zum Schlosse geeilt war und um seine Hand anhielt. Mit festem Schritt trat er vor den Thron des holden Blindtext. Sage mir die Wahrheit, begann dieser, was liebst du am meisten, mein Herz, meine Schönheit oder meinen Reichtum?

Deine Schönheit, erwiderte der Seemann ohne Besinnen, und das war wahr, denn er kannte ja ihr Herz noch gar nicht, und aus dem Reichtum machte er sich nicht viel. Nun setzte sich die Fee die Zauberbrille auf und gebot dem Seemann, den Mund zu öffnen. Kaum hatte sie einen Blick in diesen getan, so rief sie: Pfui Teufel, du priemst ja!, und damit verschwand sie mitsamt ihrem Schlosse, den Dienern, Wagen und Pferden, und der Seemann erwachte in seiner Hängematte.

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