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Der Fantasie-Rat Jürg Wüthrich

Kürzlich las ich die Autobiografie von Schimon Peres. Dabei hat mich fasziniert, was für ein neugieriger Mensch er war.

Unzählige Male musste Peres sich in völlige neue Themengebiete einarbeiten. Dies hat er immer mit einem grossen Wissenshunger gemacht. Und dies bis ins hohe Alter hinein. Kein Wunder also, dass der Untertitel des Buches lautet: «Über Mut, Verantwortung und die Kraft der Träume».

Am 27. Juni 1976 wurde der Flug 139 der Air France, der von Tel Aviv über Athen nach Paris führen sollte, nach dem Start in Athen entführt. Die Terroristen liessen das Flugzeug mit 270 Personen an Bord nach Entebbe in der Nähe der Hauptstadt Ugandas fliegen. Sie forderten die Freilassung von etlichen Terroristen in unterschiedlichen Ländern. An Bord waren auch 77 Israeli. Peres setzte alles daran, um alle Geiseln aus der Hand der Entführer zu retten.

Doch er war umgeben von Menschen, die alle sagten: «Eine solche Rettungsaktion ist unmöglich.» Die Politiker sagten es. Die Militärs sagten es. Die Experten sagten es. Doch Peres war neugierig: Gibt es nicht doch einen Weg zur Rettung?

Er rief einen «Fantasie-Rat» ins Leben.

Es waren ausgewählte Leute, die nach Lösungen suchen, wo es scheinbar keine gibt. Wie wichtig sind solche Menschen! Bis auf drei Geiseln konnten alle gerettet werden – die Terroristen verloren ihr Leben. Die Operation «Entebbe» war gelungen.

Peres schreibt in seinem Buch: «Der ‹Fantasie-Rat› hatte Erfolg, weil er ein Forum für unermüdliche Neugier und radikale Vorschläge bot. Wenn die politisch Verantwortlichen Loyalität einfordern, ohne zu Kreativität und Inspiration anzuregen, steigt die Gefahr des Scheiterns steil an. Das ist eine der wichtigen Lektionen von Entebbe, aber sie ist in eine noch wichtigere eingebunden: Wenn wir die Menschen nicht ermutigen, das Unwahrscheinliche für möglich zu halten, erhöhen wir das Risiko, statt es zu verringern.»

Vielleicht bräuchten wir als FEG Schweiz auch einen «Fantasie-Rat», der träumt, was alles möglich ist, und dann hilft, dies in die Realität umzusetzen.

Eine Gruppe von Menschen, die von Neugier angetrieben ist. Ich finde dies einen spannenden Gedanken. Laut Peres hat Ben-Gurion immer wieder gesagt:

«Realismus ist in Israel nicht weniger als die Verwirklichung des Unmöglichen.»

Hören wir nicht viel zu oft die Worte «Das geht nicht! Das können wir nicht! Das funktioniert nicht!»? Jesus Christus hingegen sagt uns: «Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. (Alles ist möglich!) Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern.» (Mt. 28,18–19a)

Jürg Wüthrich, Leitung FEG Schweiz und Vision Europa, juerg.wuethrich@feg.ch

Credits:

Erstellt mit Bildern von Justin Lim - "silhouette" • Tango Tsuttie - "untitled image"