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Das habe ich mir verdient von Michael Dufner

Heute hatte ich eine Erkenntnis, die mich total begeisterte. Ich hatte ja bereits beschrieben, wie enorm mich mein Belohnungsdenken stört. Nach einem für mich anstrengenden Tag kommt schon mal der Gedanke auf: «Heute Abend, da gönne ich mir…». Das Fatale an diesem Denken wurde mir heute anhand der Geschichte des Weinbauers (Mt 20) bewusst.

Da ist also dieser Weinbauer. Er holt immer neue Mitarbeiter in den Wein-berg. Den einen ganz früh am Morgen, den letzten eine Stunde vor Feierabend. Als der Weinbauer die Arbeiter zu sich ruft, um ihnen den Lohn auszuhändi-gen, zahlt er diejenigen, welche nur eine Stunde gearbeitet haben, zuerst aus. Die, welche schon seit zwölf Stunden an der Arbeit waren, müssen warten. Ich weiss nicht, wie es dir geht, aber mich würde das schon sticheln… Wieso kommt der andere zuerst dran? Und dann realisiere ich: DER, welcher NUR eine Stunde gearbeitet hat, bekommt einen Denar – das ist der Tageslohn, den der Weinbauer auch mit mir vereinbart hat. Ich bin Optimist, ich sehe immer das halbvolle Glas, und so stelle ich mir vor, dass es mir genauso gehen würde wie den Mitarbeitern in diesem Gleichnis (V.10a): «Yes, schau, die bekommen für eine Stunde 1 Denar, dann bekommen wir 12 Denare… WOW, krass, soo cool!» Doch jeder empfängt gleich viel.

In mir regt sich der Ungerechtigkeitsnerv nur schon beim Lesen der Geschichte – geschweige denn, wenn mir etwas Vergleichbares im Alltag passiert!

Ja, dieses Belohnungsdenken, dieses blöde «Heute Abend gönne ich mir…»! Ich er-innere mich an eine Situation von letzter Woche. Ich sitze im Restaurant, warte auf ein gutes Stück Fleisch, nippe an meinem Weinglas. Wir geniessen die Gemein-schaft. Alles perfekt! Bis das Fleisch kommt und ich feststelle, dass mein Stück das kleinste ist. Gedanken überschlagen sich in meinem Kopf. Gedanken wie: «Mann, merkt der denn nicht, dass ich am meisten Hunger habe?» oder denkt er nicht daran, dass die Frauen sicher kein so riesiges Stück essen können. - Oder einfach ausgedrückt: 2«DAS IST UNGE-RECHT, ich bekomme nicht das Grösste und Beste!»

Belohnungssystem

Ich will, ich brauche, ich weiss, was für mich das Beste ist! SICHER?! An diesem Morgen wurde mir mit der Geschichte aus Mt 20 etwas neu bewusst: Ich muss nicht mein Belohnungssystem bekämpfen, also das Bedürfnis, dass ich mir am Abend nach anstrengendem Tagewerk etwas gönnen will. Ich muss nicht üben, darauf zu verzichten und mich zu verkrampfen – denn ehrlich gesagt dadurch wird mein geistlicher Tank nur umso leerer, mein emotionales Empfinden nur noch gestresster – und umso mehr möchte ich anschliessend belohnt werden, durch Segnungen, durch Anerkennung, durch Wertschätzung, durch Dinge, die ich mir leiste usw.

In dieser Geschichte vom Weinbauern geht es nicht um den Lohn. Das versucht uns Jesus hier zu zeigen. Es geht in seinem Reich nicht darum, dass wir «krampfen» und uns abmühen und Voll-gas geben, damit wir anschliessend dafür belohnt werden. Der Lohn ist, dass wir in seinem Weingarten arbeiten dürfen. Wenn ich erkenne, dass es ein VORRECHT ist, eingeladen zu sein, im Reich Gottes zu wirken, eingeladen zu sein, Reich Gottes zu leben, eingeladen zu sein, Reich Gottes zu fühlen, zu schmecken und auszustrahlen… dann ist der Lohn nur noch «Dessert». Dann bin ich sogar froh, dass der, welcher leider nur eine Stunde im Weinberg arbeiten durfte, den Lohn zuerst bekommt und dass er gleichviel erhält. Denn er ist nicht im Vorteil – er ist der Letzte, der dazugekommen ist. Niemand will der Letzte sein! Spürst du den Unterschied?

Auf meinen Alltag angewendet heisst das für mich konkret: Wenn ich den Tag geniesse, das Vorrecht und nicht bloss die Aufgaben erkenne, wenn mein Blick immer wieder die Menschen wahrnimmt und sich zum Himmel erhebt und ich Jesus erlebe, dann ist das der Lohn. Dann merke ich, dass ich keine «selbstgemachte» Belohnung am Abend brauche. Es ist dann vielmehr ein Dessert, das auch sein darf.

Mir wurde bewusst: Auch das Ziel, nicht nach dem Belohnungssystem zu leben, war wiederum nur der Versuch, eine Belohnung abzuholen. “ Ich wünsche mir als Belohnung Leidenschaft (deshalb der Name der Serie). Dabei suche ich doch gar nicht die Leidenschaft, die aus mir selbst kommt, sondern die Leidenschaft, die Jesus in mir anzündet. Und das hat er mit dieser Geschichte einmal mehr getan.

Wenn ich mich nicht aufgemacht hätte, GEGEN mein Belohnungssystem aktiv vorzugehen – hätte dann dieses Umdenken stattgefunden?

Steh auf, geh los, pack Dinge an und erwarte, dass Jesus dich steuert! So kann er seine Leidenschaft in dir anzünden!

Und: Ich ermutige dich, nicht zu warten, bis JESUS etwas tut. Steh auf, geh los, pack Dinge an und erwarte, dass Jesus dich steuert! So kann er seine Leiden-schaft in dir anzünden. Leidenschaft, so mein Erleben, kommt nicht, indem wir passiv darauf warten.

Michael Dufner, Leitung FEG Schweiz

Michael Dufner, Leitung FEG Schweiz

Credits:

Erstellt mit Bildern von Fábio Alves - "untitled image" • Alex Block - "Green grapes in Croatia" • scott chappell - "untitled image" • Nacho Domínguez Argenta - "2017 Vintage"