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Miteinander vielfältig sein Dokumentation des Projektjahrs "Vielfalt - Wir leben sie! 2021"

Auf dieser Seite erfahrt ihr was im Projektjahr los ist und wann welche Termine und Fachtagungen stattfinden. Auch Bilder aus den verschiedenen Projekten und von Vielfalt-Veranstaltungen findet ihr immer auf dieser Seite.

In diesem Jahr werden wieder mehr als 130 Projekte in ganz NRW im Rahmen des Vielfalt-Projektes gefördert. Dabei sind auch in diesem Jahr wieder zwölf Profilprojekte.

Anders als im vergangenen Jahr stehen in diesem Jahr nicht vier Themenschwerpunkte im Mittelpunkt sondern das Projekt orientiert sich an verschiedenen inhaltlichen Ansätzen, in deren Mittelpunkt aber nach wie vor die nachhaltige Inklusion von Kindern- und Jugendlichen mit Fluchthintergrund steht.

Wir wollen einen Blick werfen auf: rassismuskritische, diversitätsreflektierte, desintegrative Offene Kinder und Jugendarbeit unter Berücksichtigung von Ansätzen des Empowerment, Powersharing und eines miteinander Verbündet-Seins.

Termine:

24. März: Vielfalt-Sprechstunde (12.30 - 13.30 Uhr, Zoom)

26. März: Online-Demo #StimmefürdieJugend (11 Uhr, Zoom)

10. November: Vielfalt-Fachtag

Doch was bedeutet eigentlich?

Rassismus zeigt sich oft subtil und passiert nicht immer bewusst. Rassismus sind persönliche Vorurteile und Ressentiments und systematischer Machtmissbrauch durch Institutionen. Rassistische Redewendungen, Bilder und auch Normen sind historisch zumeist als nicht vergangene Vergangenheiten begründet. Und auch durch ein Verbot sind nicht automatisch eben solche Strukturen abgeschafft. Es gilt den Blick auf Methoden und inhaltliche Konzepte im Sinne einer rassismuskritischen OKJA zu richten. Rassistische Denk- und Handlungsweisen sind oft nicht an persönliche Einstellungen von Menschen gebunden, sondern begründen sich in der Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens. In rassismuskritischer OKJA bedarf es einer besonderen Sensibilität der Fachkräfte, Sorge zu tragen, die Wiederholung von rassistischen Verletzungen für die Projektbesucher*innen zu verhindern. Eine solche Perspektive ermutigt zum einen zur Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen und ermöglicht zugleich eine kritische Selbstreflexion.

Das Verbündet-Sein setzt die Reflexion der eigenen Haltung und der eigenen Privilegien voraus. (zu Privilegien kommen wir in der nächsten Woche) Das Zusammenhalten von Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, bezeichnen wir als Bündnis. Im Kontext von Diversität und Vielfalt bezieht sich dies zumeist auf die Erfahrung von struktureller Diskriminierung. „Bündnisse und Verbündet-Sein ermöglichen auch einen Zugang, um kollektives Handeln über identitätspolitische Grenzen hinaus denken zu können und auf gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren“ (S. 38). Verbündet-Sein beschreibt dabei eine bestimmte Vorstellung von Solidarität, in der nicht das Ich im Mittelpunkt steht, sondern das Wir in der Differenz. (S.40). Es geht um Handlungen (z.B. auch Sprechakte) und neue Handlungsräume zur Unterstützung von Anderen, denn gemeinsam lassen sich viel besser Strategien gegen Diskriminierungsstrukturen finden. Verbündete übernehmen Verantwortung. Vgl. Czollek, Leah Carola; Perko, Gudrun; Kaszner, Corinne; Czollek, Max: Praxishandbuch. Social Justice und Diversity. Theorien, Training, Methoden, Übungen, Beltz Juventa, Weinheim 2019.

Der Begriff Empowerment kommt aus dem US-Amerikanischen Raum und bedeutet so viel wie ein Prozess der Selbst-Bemächtigung.„Im Mittelpunkt dieses Ansatzes steht also der Mensch mit seinen Potenzialen und Möglichkeiten, sowohl Veränderung für das eigene Leben, wie auch in der Gesellschaft zu erwirken “ (Camara 2016, S.28). „Empowerment- Arbeit beinhaltet also grundsätzlich die Stärkung von Personen und Communities, denen aufgrund struktureller Barrieren keine vollwertige soziale, rechtliche und politische Teilhabe möglich ist“ (Camara, 2016, S. 28).

Für Fachkräfte der OKJA bedeutet das: Vernetzt eure Besucher*innen untereinander, mit Gruppen, Initiativen, Beratungsangeboten. Vernetzt eure Besucher*innen untereinander, mit Gruppen, Initiativen, Beratungsangeboten. Weiter lernen, lesen, informieren z.B. hier: @erklaermirmal @saymyname_bpp

Power Sharing bedeutet dabei, die eigene Perspektive der Machtüberlegenheit zu nutzen ‚Macht‘ abzugeben und zu teilen, um damit zu einer Neu- und Umverteilung der gesellschaftlichen Ressourcen beizutragen und im wechselseitigen Austausch Fürsprache zu halten. Methoden des Empowerment sind nicht ohne Power Sharing im Sinne von Machtumverteilung zu denken. So richtet sich der Ansatz des Power Sharings an all die, die privilegiert sind und durch ihre Handlungsmacht, diese Strukturen hin zu einer gerechteren Verteilung von beispielsweise Beteilligungsräumen zu verschieben. „Ein Erkennen von Machtstrukturen und das bewusste Wahrnehmen der eigenen Position und Rolle darin, ist die Voraussetzung. „Du bist wach geworden, du denkst nach, du hast dir einen Plan gemacht und bist bereit, in Aktion zu treten. Aber noch sind wir nicht so weit. Wir sind uns und anderen gegenüber verantwortlich“ Power Sharing bedeutet in diesem Sinne auch die eigenen Privilegien zu nutzen, und Gebrauch von der eigenen Macht und Wirksamkeit zu machen um Veränderungen im Sinne einer Anerkennung von Vielfalt zu bewirken. Wir haben die Macht, eine Wahl und/oder Entscheidung zu treffen, unsere Handlungsmacht kann Dinge für andere verändern. Privilegien sind: „Nutzen, Vorteile und Macht aufgrund von sozialen Identitäten der dominanten Kultur. Privilegien werden von Institutionen und sozialen Normen, die von denen geschaffen wurden, die sich in der imaginären Schublade befinden, gewährt und gutgeheißen“ (S. 163) Die Reflektion über die eigenen Privilegien ist etwas, worüber wir oft nicht bewusst nachdenken, deswegen ist es wichtig uns Zeit zu nehmen und zu fragen: „ Wer bin ich und von welcher Position aus spreche ich?“ oder auch mit Blick auf das Verbündet-Sein, „Wen unterstütze ich wie, wem höre ich zu, wie verhalte ich mich, was tue ich?“ -> Critcal Whiteness (Vgl.Jewell, Tiffany: Das Buch vom Anti-Rassismus. 20 Lektionen, um Rassismus zu verstehen und zu bekämpfen, Zuckersüß Verlag, Berlin 2020.)

Desintegration versucht Gesellschaft anders zu denken, weil sie anders geworden ist

Desintegration will Sicherheit für Alle und nicht nur für Manche. Desintegration bedeutet, dass Alle mitgedacht werden und nicht nur Manche. Desintegration bedeutet, dass Alle mitsprechen können und nicht nur Manche Desintegration zielt auf eine Gesellschaftspolitik für Alle und nicht nur für Manche

• Vielfalt bedeutet die Anerkennung dessen was wir als Anders erachten

• Vielfalt im Sinne der Desintegration wird als bestehende gesellschaftliche Realität anerkannt

• Vielfalt bedeutet gemeinsam verschieden sein

• Desintegration meint nicht eine andere Gesellschaft zu fordern, sondern die bestehende Gesellschaft der Vielfalt anzuerkennen, als das was sie ist: Realität

• Desintegrative Zielgruppenbeschreibungen bedeutet die Problematisierung und Offenlegung gesellschaftlicher Verhältnisse statt die Problematisierung und defizitäre Reduktionen bestimmter Gruppen.

• Desintegration bedeutet Othering zu vermeiden

• Desintegration bedeutet Gleichberechtigung

• Desintegration bedeutet das Verhandeln von Vielfalt auf der Basis von Werten, die diese Gleichberechtigung anerkennen

• Desintegration wendet sich gegen Diskriminierung

• Desintegration ist eine gemeinschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe

• Desintegration denkt Gesellschaft ohne Zentrum. Das was wir gemeinsam haben, ist unserer Differenz zu einander.

• Desintegration findet sich in der Praxis beispielsweise durch Empowerment und rassismuskritische OKJA wieder

• Desintegration bedeutet eine Praxis der Fürsprache, des Füreinander Einstehens, des Miteinanders, des Verbündet-Seins und des solidarischen Handelns

• Desintegration gibt Raum für Strategien und Subkulturen, die reduzierende Zuschreibung unterlaufen und tatsächliche Komplexität sichtbar machen.

Othering verdeutlich sich durch die Abgrenzung „Wir“ und die vermeintlich „Anderen“. Es bedeutet jemanden, als „anders“ abzugrenzen und zum*zur Anderen zu machen. Das was vor dieser Perspektive als „normal“ und „Normalität“ erachtet wird, wird aufgewertet. Othering birgt in diesem Sinne die Gefahr der Ausgrenzung und der Reproduktion von Vorurteilen.

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Am 25. Januar hat das erste Profil-Briefing im neuen Projektjahr 2021 stattgefunden. Danke für den tollen Austausch zu diesen vielen neuen Inhalten und die spannende Auseinandersetzung zum Begriff der 'Desintegration'

Vielfalt-Sprechstunde 26. Januar
Stimme für die Jugend! Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemie. Dennoch werden ihre Bedürfnisse kaum berücksichtigt – denn sie haben keine Lobby. Darum erheben wir mit zwei zentralen Forderungen unsere #StimmefürdieJugend vom 15. bis 26. März! Wir fordern: Junge Menschen brauchen mehr Freiräume in der Pandemie! Junge Menschen müssen an den Entscheidungen zur Bewältigung der Pandemie beteiligt werden! Nimm deswegen vom 15. bis zum 26. März 2021 unter dem Hashtag #StimmefürdieJugend an unserer Social-Media-Demo teil. Warum erhebst du deine #StimmefürdieJugend? Zeig uns dein Demoplakat in den sozialen Medien! Verlinke Politiker_innen und Entscheider_innen, die deine Forderung hören sollen! Nominiere vier weitere Menschen, um mit uns zu demonstrieren! Und komm am 26. März 2021 um 11 Uhr zur digitalen Abschlusskundgebung auf http://www.xn--stimmefrdiejugend-82b.de/!
Mach mit! Wir planen ein Vielfalt-Buch Wer? Wie? Was? Wo? Wann? Die Idee wurde am 23.02.2021 in der Vielfalt-Sprechstunde für teilnehmende Einrichtungen mit Sandra Rodenkirchen näher vorgestellt. Wir werden miteinander vielfältig sein! #vielfaltdigital #vielaltwirlebensie2021 #miteinandervielfältigsein. Wenn ihr mit eurer Einrichtung teilnehmen möchtet, dann meldet euch bis zum 1. März für den Erhalt einer Projektmappe.

Projektbesuche

22. März 2021

Besuch des Jugendtreffs "Alte Feuerwache" in Köln, 13. April 2021

Bilder aus dem Osterferien-Projekt des Heinrich Pardon Haus in Recklinghausen