Diatonisch Genauer betrachtet...

In diesem Spark geht es um den in der Musik und speziell im Jazz häufig verwendeten Begriff diatonisch.

Wir lesen zunächst - war ja klar - in Wikipedia nach:

Mit dem Adjektiv diatonisch werden bestimmte Tonbeziehungen in Tonsystemen und Tonleitern gekennzeichnet. Zum Beispiel sind diatonische Tetrachorde definiert als Viertonfolgen, bestehend aus zwei Ganztonschritten und einem Halbtonschritt.
Seit dem frühen Mittelalter bildeten diatonische Tonleitern die Grundlage der abendländischen Musik, zunächst in Form der Kirchentonarten, später als Dur-Moll-System. Um die Wende zum 20. Jahrhundert löste sich ein Teil der Komponisten von der diatonischen Dur-Moll-Tonalität.

Später finden wir noch:

Diatonische Intervalle sind solche, die in einer diatonischen Tonleiter leitereigen enthalten sind. Im Einzelnen sind dies: reine Prime, Quarte, Quinte und Oktave, kleine und große Sekunde, Terz, Sexte und Septime.

So hat sich also im Sprachgebrauch etabliert, dass Akkorde des Typs 9, 11 und 13 prinzipiell Mehrklänge mit diatonischen Erweiterungen sind, Akkorde mit den Zusätzen b9, #9, #11 und b13 dagegen solche mit nicht-diatonischen Erweiterungen.

Aber nun schaut Euch mal diesen Kameraden an:

Ein Fmaj7/#11, ohne Quinte. Ob man den so auf dem Klavier spielen kann, sei dahingestellt. Mit zwei Händen bestimmt. Zumindest entdecken wir keine Vorzeichen, oder? Am Rande sei bemerkt: Auf der Gitarre wäre folgendes eine praktikable Griffweise:

Fmaj7/#11. Entsteht auf der IV. Stufe in C-Dur. Da dieser Akkord einen Tritonus enthält (F - B) – gemäß Festlegung (Geduld, die kommt gleich!) kein diatonisches Intervall – ist also die Erweiterung #11 grundsätzlich keine diatonische. Das stand natürlich auch im Wikipedia-Artikel, ich wollte es Euch nur aus dramaturgischen Gründen bis jetzt vorenthalten. Da war nämlich noch geschrieben:

Der Tritonus ist zwar auch Bestandteil diatonischer Leitern, wird aber als übermäßige Quarte, also als chromatische Variante der reinen Quarte bestimmt und nicht zu den diatonischen Intervallen gerechnet.

Das ist jetzt Heavy-Stuff, für den mir die Vorbildung fehlt. Weil es eben ein Tritonus ist – welcher ja am Beispiel Fmaj7/#11 in C-Dur im Akkord ohne irgendwelche Klimmzüge auf natürliche Weise entsteht – ist es kein diatonisches Intervall und damit keine diatonische Akkorderweiterung? Also alle in einer Durtonleiter vorkommenden Intervalle... außer dem Tritonus!

Meines Erachtens ist das nur ein weiteres Beispiel für die schon Jahrhunderte währende Diskriminierung des Tritonus als "Teufelsintervall".

Schnüff...

Nun steht es mir aber nicht zu, Erkenntnisse oder Festlegungen (chromatische Variante?) von Musikern oder Musikwissenschaftlern in Zweifel zu ziehen, die seit Jahrhunderten zu solchen Themen forschen. So bleibt aus meinen Überlegungen die Erkenntnis, dass es wohl korrekt ist, eine #11 als nicht-diatonische Erweiterung zu bezeichnen. Aber eben nicht aus den zunächst offensichtlichen Gründen.

Ich hoffe, dieser Spark hat Euch etwas Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal!

Euer

Gige

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