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Mut-Forschung Erkenntnisse aus Forschung und Alltag

"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"

Doch wo entsteht dieser Mut, den Immanuel Kant erwähnt? Was ist Mut eigentlich genau? Und kann man Mut trainieren? Diese Fragen stellen wir Experten verschiedener Disziplinen sowie Menschen, die sich beruflich alltäglich mit Mut beschäftigen.

Drei Fragen an ... Neurowissenschaftler Dr. Volker Busch

Was ist Mut und was passiert dabei in unserem Gehirn?

Mut ist ein Prozess, der sich in erster Linie in uns selbst abspielt und der sich weniger lautstark nach außen präsentiert. Er ist oftmals leise.

In bildgebenden Untersuchungen des Gehirns ist „Mut“ als spezifische Empfindung nur schwer darzustellen, da wir im Fall einer mutigen Handlung eine ganze Reihe an verschiedenen Hirnleistungen messen, die gleichzeitig ablaufen, wie Handlungsentscheidungen, Konsequenzerwartungen oder Angstbewältigung. Selbst die Ansteuerung motorischer Prozesse ließ sich in Studien mit mutigen Entscheidungen in Verbindung bringen. Mut im Gehirn subsumiert also zahlreiche Vorgänge und unterstreicht wie komplex das Phänomen ist.

Wie können wir lernen, mutig zu sein?

Heruntergebrochen auf ein einfaches Credo könnte man sagen: Mut entwickelt, wer mutiges Handeln möglichst oft übt. Natürlich können auch gedankliche Reflexionen hilfreich sein, sich seiner Ängste und innerer Blockaden bewusst zu werden. Dennoch zeigen Untersuchungen ganz klar: Erst zahlreiche Erfahrungen durch konsequentes Handeln helfen Zuversicht und Selbstvertrauen zu entwickeln, viel mehr als jedes Nachdenken oder Austauschen darüber. Hilfreich sind tatsächlich ganz einfache Alltagsstrategien: Wagen Sie eine neue Sportart, selbst wenn Sie denken, dafür nicht talentiert zu sein. Halten Sie eine Rede oder einen Vortrag, selbst wenn Sie zunächst davon überzeugt sind, nicht vor Menschen sprechen zu können. Grüßen Sie fremde Menschen im Café oder in der Straßenbahn, selbst wenn Sie Angst haben peinlich aufzufallen.

Kleine Schritte machen Mut für größere Wagnisse.

Wichtig ist das regelmäßige Üben. Wer sich stets vor kleinen Herausforderungen weg duckt, wird es schwieriger haben bei anstehenden größeren Veränderungen Handlungsbereitschaft zu entwickeln. Entscheidend ist die eigene Ängstlichkeit beiseite zu schieben und „beherzt“ an seinem Plan fest zu halten.

Wichtig ist zudem, daß Sie sich nach der gemachten Erfahrung am Abend kurz auf das Ergebnis fokussieren: Was habe ich investiert? Was habe ich gewonnen? Hat sich das Verhalten gelohnt? Was habe ich falsch gemacht und was lerne ich daraus? Für das Gehirn ist es wichtig, daß Erfolg und Misserfolg einer Handlung klar werden. Auf diese Weise beeinflussen und modulieren wir die Wiederholungswahrscheinlichkeit für unser eigenes Verhalten.

Was bedeutet Mut für Sie persönlich?

Ich versuche meinen Perfektionismus im Zaum zu halten. Denn eine verkrampfte Pflichterfüllung und der verbissene Versuch jeden Fehler zu vermeiden verstellt einem oftmals den Blick für Gelegenheiten. Flexibilität geht da verloren. Daher versuche ich mich selbst immer wieder in kleinen Dingen des Alltags neu kennen zu lernen, Erfahrungen bewusst wahrzunehmen und mich durch Überraschendes inspirieren zu lassen, auch wenn der „Plan“ ganz anders war oder das Verhalten „ineffizient“: Was habe ich heute erlebt? Was durfte ich genießen und hat mir gutgetan? Was war vielleicht weniger erquicklich? Was habe ich in jedem Fall mitnehmen können? Fast immer sind unerwartete Erfahrungen mit einem persönlichen Gewinn verbunden, der die innere Sicherheit erhöht und zuversichtlich stimmt. So entsteht Mut.

Zur Person: Dr. med. habil. Volker Busch ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Privatdozent am Lehrstuhl der Universität Regensburg. Er ist als Speaker, Trainer und Coach für viele Unternehmen tätig. Weitere Informationen unter www.drvolkerbusch.de. Zum Kurzportrait hier klicken.

Mutmuskeltraining

Drei Fragen an ... Mut-Beraterin Tanja Peters

Wir können lernen , mutiger zu sein. Sie nennen das „Mutmuskeltraining“. Wo sitzt dieser „Mutmuskel“ und wie können wir ihn trainieren?

Wo der „Mutmuskel“ genau sitzt, ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt davon ab, wo die jeweiligen Ängste sitzen. „Mutig sein“ bedeutet dabei nicht, keine Angst zu haben. Angst ist eine körperliche Funktion und absolut natürlich. Sie darf uns aber nicht lähmen. Daher bedeutet „mutig sein“, sich selbst zu sagen: „Ich habe Angst, stehe aber trotzdem auf und gehe los“! Wahrscheinlich sitzt der „Mutmuskel“ also in den Oberschenkeln.

Wir können ihn genauso trainieren wie jeden anderen Muskel – mit Ausdauer und Wiederholung. Wichtig ist dabei, kleine Schritte zu gehen, sich richtig vorzubereiten und nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen: einfach immer wieder erneut probieren

Sie sprechen häufig vor hunderten Menschen. Vielen würde das Angst machen. Sie scheinen darin voll aufzugehen. In welchen Situationen müssen Sie aber besonderen Mut aufbringen?

Auch wenn man es heute vielleicht nicht mehr merkt: Früher hatte ich große Redeangst. Und auch heute noch packen mich Aufregung und Respekt immer wieder. Evolutionsbiologisch ist das leicht zu erklären: Vor der Gruppe zu stehen, bedeutet in erster Linie nicht mehr Teil der Gruppe und dadurch ungeschützt zu sein. Man lebt mit der Gefahr, von der Gruppe verstoßen zu werden. Früher wäre das lebensgefährlich gewesen.

Aber Mut zu trainieren bedeutet auch, sich an Situationen zu gewöhnen, die einen ängstigen. Manchmal merkt man dann, dass diese Situationen vielleicht genau das Richtige für einen sind – so war das bei mir mit dem Reden vor hunderten von Menschen. Ich habe es einfach getan und gemerkt: Das hier ist mein Platz.

Was bedeutet Mut für Sie persönlich?

Das kann ich ganz kurz machen: Mut ist der Schlüssel für ein glückliches Leben!

Zur Person: Tanja Peters ist selbständig tätig als Speakerin, Trainerin und Beraterin in Köln. Weitere Informationen unter www.tanjapeters.koeln.

"Totalpessimismus bringt nichts!"

Sätze wie „Die Demokratie lässt sich leicht manipulieren" oder „Irgendwann werden Maschinen uns dominieren" hört man häufig. Digitale Entwicklungen, Fake News oder sogenannte 'Social Bots' verunsichern uns. Inwiefern dieser digitale Pessimismus entmutigt und warum die Gesellschaft gerade Mut besonders benötigt, erfahren Sie im Audiointerview mit Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen.

Schauen Sie bald wieder vorbei, diese Seite wird laufend aktualisiert und enthält schon in Kürze neuen, spannenden Inhalt für Sie!