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Etwas Normales, das im Reich Gottes abnormal ist Ein Bericht von Jürg Wüthrich

In einer Gemeinde ist es ganz normal, dass die Gemeindeglieder ihre Bedürfnisse artikulieren. Jede Gruppe von Menschen neigt dazu, die eigenen Ansprüche zu bedienen, da diese Menschen ja bereits da sind. Das ist in einem Sport- oder Schachverein so, aber auch sehr häufig in einer Gemeinde.

Dieses normale Phänomen wird aber zu einer grossen Gefahr für den eigentlichen Auftrag einer Gemeinde Jesu: Immer neue Menschen zu Jüngern Jesu zu machen (Mt. 28,18–20). Sehr schnell kommt es dazu, dass eine Gemeinde sich selbst genügt. Es geht darum, die Bedürfnisse der Gemeindeglieder zu befriedigen, statt Menschen zu erreichen, die bisher Jesus Christus noch nicht als ihren Erlöser erkannt haben.

Jede Gemeinde hat den inneren Impuls, den Punkt zu erreichen, an dem sich alle wohlfühlen und vielleicht sogar ein bisschen stolz auf das zurückblicken, was man erreicht hat: die Zahl der Mitglieder, die Taufen der vergangenen Jahre oder gar das Gebäude, das man gebaut hat.

Im Reich Gottes spielen andere Gesetze eine entscheidende Rolle. Jesus sagte: «Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es ein einzelnes Korn. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht» (Joh. 12,24).

Die grösste Herausforderung ist, diese Haltung zu bewahren: Wir sind im übertragenen Sinn bereit zu sterben mit unseren Idealen, Wünschen, Traditionen, Vorstellungen von Gottesdiensten und Gemeinde-leben, um neue Menschen mit dem rettenden Evangelium zu erreichen. Alles wird immer wieder erneut auf den Prüfstand gestellt. Nützt es, um den Auftrag Jesu in der Welt umzusetzen: Menschen zu Jüngern zu machen? Evangelisation muss immer neu als Hauptwert in der Gemeinde hochgehalten werden, denn alle anderen Werte werden durch die Menschen gefordert, die schon zur Gemeinde gehören.