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Roland Helmer Farbdialog

Grußwort zur Ausstellung „Farbdialog“ von Roland Helmer

Johanna Brade

Mit der neuen Ausstellung „Farbdialog“ widmet sich Fritz Dettenhofer in der Galerie 13 einmal wieder der konkret-konstruktiven Kunst. Roland Helmer, der in Fürstenfeldbruck lebt und arbeitet, ist hier kein Unbekannter. Wiederholt hat er in Freising Einblicke in sein umfangreiches Werksschaffen gegeben und damit auf die Attraktivität und Vielfalt einer Kunstform aufmerksam gemacht, die trotz ihrer über 100-jährigen Entwicklungsgeschichte keineswegs zu den geläufigen Richtungen gehört.

Wichtige Impulse für sein Schaffen empfing der 1940 in Karlsbad-Fischern geborene und seit 1946 in Bayern aufgewachsene Künstler zu Beginn der 1960er-Jahre an der Münchener Akademie der bildenden Künste. Hier hatte er das Glück, dem Künstler Ernst Geitlinger (1895 – 1972) zu begegnen, der seine Studenten von der Gegenständlichkeit zur Abstraktion führte und sie zum freien Experimentieren mit konkret-konstruktiven Bildkompositionen anregte.

Von Beginn an war Helmer vor allem von der Auseinandersetzung mit Farben fasziniert. Rückblickend erinnerte er sich: „Als Student in der Phase des Vereinfachens, Abstrahierens, Konkretisierens, wollte ich die Farbe ganz vom Gegenstand lösen. Rot war vor allem Rot und nicht das Rot eines Ziegeldaches, einer Mohnblume oder eines Sonnenunterganges. Blau war nicht das Blau des Himmels oder des Wassers, Grün nicht das der Wiesen und Wälder. Gelb durfte nicht an Sonnenblumen oder Rapsfelder erinnern. All‘ diese Farben sollten unmittelbar, wie ein Ton in der Musik, eine Tonfolge, ein Musikstück auf den Betrachter wirken. Gesuchte war eine Art von Musikalität des Sehens.“

Helmer spricht hier die bereits von Wassily Kandinsky gesuchten Analogien zur Musik an, die auch heute noch das Ziel der konkreten Kunst, die Schaffung eines autonomen Kunstwerks, gut veranschaulichen.

Roland Helmers Werkentwicklung in den folgenden Jahren lässt erkennen, mit welch logischer Konsequenz er der Frage nach dem Verhältnis von Fläche und Farbe nachging. Indem er sich dabei vor allem auf die rational schwer greifbaren Wirkungen von Farben konzentrierte, beschritt er einen eigenwilligen Weg innerhalb der sonst nach rationaler Überprüfbarkeit strebenden konkret-konstruktiven Kunst.

Das aktuelle Ausstellungthema „Farbdialog“ weist einen Weg zum Verständnis seiner Kunstwerke: In Helmers Bildkompositionen – häufig ein ausgeklügeltes Spiel mit waagerechten und senkrechten Linien – geht es darum, Farben als Energiefelder miteinander korrespondieren zu lassen. Denn erst im Zusammenspiel entwickeln die einzelnen Farben ihr ganzes Potential. Man erlebt sie nicht nur als dissonant oder harmonisch, sondern auch – besonders im Kontrast mit Schwarz und Weiß – mit der ihnen innewohnenden Strahlkraft. Bei einigen Werken scheinen sich die Farben auszudehnen oder an Tiefenwirkung zu gewinnen. Manchmal sieht der Betrachter auch weitaus mehr Farben als real vorhanden sind. Im Grenzbereich, wo zwei Farben aufeinandertreffen, kann sogar der Eindruck von Bewegung entstehen.

Zur Visualisierung dieser optischen Phänomene braucht es langjährige Erfahrungen und ein hohes Maß an handwerklichem Können. Über diese technischen Aspekte kommt man mit Roland Helmer schnell ins Gespräch. Zwar zieht er es wie viele Künstler der konkret-konstruktiven Richtung vor, ganz hinter seinem Werk zurückzutreten. Auf Fragen erläutert er jedoch gern mit nüchterner Sachlichkeit sein künstlerisches Tun, zum Beispiel wie mit äußerster Präzision Farblinien gezogen werden oder wie schwierig es ist, einen gleichmäßigen Farbauftrag oder bestimmte Oberflächenwirkungen zu erzielen. Zugleich interessiert Roland Helmer die Frage, ob das von ihm selbst Gesehene auch der Wahrnehmung seines Gesprächspartners entspricht oder in bestimmten Punkten davon abweicht.

Roland Helmers Erfindungsreichtum und seine jahrzehntelange Freude am Experiment hat ihn im Laufe der Jahre zu immer neuen Entdeckungen geführt. Technische Verfahren wie der Siebdruck, Versuche mit dem Medium der Collage oder Ausflüge in die Welt der informellen Kunst mit ihrer spontanen, prozessualen Vorgehensweise haben sein Werk bereichert. Eine Zeitlang war er auch von der monochromen Farbfeldmalerei fasziniert, in welcher sich für ihn „ein Bedürfnis nach Ruhe und Weite“ artikuliert.

Immer wieder beschäftigt den Künstler außerdem die Frage nach der räumlichen Wirkung von Farben und der Wirkung eines Kunstwerks im Raum-Zeit-Gefüge. Zu dieser Thematik entwickelte er unter anderem farbige Reliefs und Raumkörper, deren Wirkung sich im Raum mit der Bewegung des Betrachters ständig verändert. Der Betrachter wird auf diese Weise in die Komposition einbezogen und erlebt das Kunstwerk als ein sich verwandelndes Objekt.

Es geht Roland Helmer also nicht allein um den „Dialog“ zwischen den einzelnen Bildelementen, sondern auch um die Beziehung zwischen Werk und Betrachter. Auf vielfältige Weise erreicht er damit, was die konkret-konstruktive Kunst zu bewirken versucht: eine Schärfung des Sehsinns beim Betrachter, welcher dadurch wacher für den Wechsel von Perspektiven, wacher für kreative Denkprozesse und vor allem wacher gegenüber seiner Umwelt mit ihrer Bilderflut wird, die den Sehsinn abstumpfen lässt. Schon viele Kunstfreunde haben auf diese Weise von Helmers mit größtmöglicher Klarheit visualisierten „Farbgedanken“ profitiert.

Ich danke daher Roland Helmer, dass er auch in aktuell schwierigen Zeit erneut zu einem Fest visueller Erlebnisse einlädt, und ich danke Fritz Dettenhofer, dass er diesem stets erfrischend jung wirkenden Werkschaffen die Räume seiner Galerie geöffnet hat.

Farb- und Formkonzepte – konkret-konstruktiv

Ursula Mosebach

Seit mehr als 50 Jahren experimentiert Roland Helmer mit der unendlichen Vielfalt von Farb- und Formbeziehungen. Mit Präzision und äußerster Konsequenz entwickelt er seine Idee der optischen Farbmischung. Formal in ein strenges Ordnungssystem eingebunden wird die Veränderlichkeit einer Farbe vorgestellt, entweder durch Variation ihrer Nachbarfarbe oder durch transparenten Farbüberzug auf schwarzer und weißer Untermalung. Dieses künstlerische Prinzip verfolgt Helmer sowohl in seinen Gemälden, druckgraphischen Werken wie im Relief.

Roland Helmer hat sich mit seinem Oeuvre einen bedeutenden Platz in der konkret-konstruktiven Kunst Deutschlands erobert.

Die Ausstellung ist bis zum 7. November zu den Öffnungszeiten der Galerie zu besichtigen, selbstverständlich unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften aus Anlass der COVID-19 Pandemie.

Sollten Sie den Wunsch haben, einen Einzeltermin außerhalb der Öffnungszeiten zu erhalten, bitten wir um telefonische Anmeldung.

Je nach Entwicklung der rechtlichen Lage finden evtl. Sonderveranstaltungen statt. Informationen hierzu finden Sie auf der Website der Galerie unter „Aktuelles“.

galerie 13 - fritz dettenhofer

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Created By
Paulo Mulatinho
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