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Woher nimmst du die Kraft? Sebastian Würth, Pastor FEG Olten

Woher nimmst du deine Kraft? Die Kraft, das verletzende Wort nicht zu erwidern? Die Kraft, eine bittere Enttäuschung zu überwinden, ohne bitter zu werden? Die Kraft, den chaotischen vollen Tag zu überstehen? Die Kraft, der Versuchung nicht nachzugeben? Die Kraft, sich zu ändern? Woher nimmst du diese Kraft?

Als frommer Christ antwortest du vielleicht: «von Gott». Sicher eine gute und richtige Antwort. Aber ist sie auch zutreffend? Oder machst du es nicht eher wie viele andere auch? Du strengst dich an, oder du lässt es halt schleifen. Meine Erfahrung ist, dass wir die Kraft Gottes gerne in unseren Leben hätten. Aber wir wissen nicht wirklich, wie das gehen soll. Wie gelingt es?

Eins möchte ich deutlich sagen. Die Kraft Gottes kommt nicht automatisch in dein Leben, nur weil du Christ bist! Man kann Christ sein und in einem Hamsterrad eigener Anstrengung leben. Ich habe das oft selbst erlebt und bei anderen gesehen.

Die Kraft Gottes ist eine Antwort auf eine Bitte

In 1 Chr. 16,11 steht: «Fragt nach dem HERRN und nach seiner Stärke.»

Die Kraft Gottes kommt nur, wenn wir Gott nach dieser Kraft fragen. Ist das nicht gemein? Warum lässt Gott seine Stärke nicht wie eine Dauerinfusion in mein Leben fliessen? Wenn er das täte, würde der Mensch ganz bald Gottes Kraft für die eigene Kraft halten und sich wie Gott fühlen. Er würde Gott nicht die Ehre geben, die ihm gebührt. Gott will, dass wir wissen, wer uns stärkt und Kraft gibt. Unser aller Leben soll allein zur Ehre Gottes dienen – soli deo gloria.

Wenn nun Gott die Kraft denen gibt, die danach fragen, was heisst das für dein Leben? Es heisst, dass du aufhören solltest, deine eigene Kraft einzusetzen. Ich meine das so wörtlich wie ich es sage: Wenn du am Morgen aus dem Bett steigst und der volle Tag vor dir liegt, dann sage nicht: «Auf geht’s!» Wenn dir dein Arbeitskollege einen gemeinen Vorwurf macht, dann sage nicht: «Okay, ich liebe ihn trotzdem!» Wenn dich der Ungehorsam deiner Kinder dazu bringt, gleich durchzustarten, dann sage nicht: «Ich halte das jetzt aus!» Warum sollen wir das nicht sagen? In all diesem Reden hat Gott keinen Platz. In all dem fehlt die Kraft Gottes.

Verwende Deine Kraft NUR dazu, nach Gottes Kraft zu fragen

Steig vielmehr aus dem Bett und sage: «Gott, gib mir Kraft… Herr, hilf mir, ruhig zu bleiben… Herr, hilf zu ertragen, zu lieben…» Ich persönlich strenge mich nicht mehr an. Ich verwende nur Kraft dazu, Gott um seine Kraft zu bitten, zumindest theoretisch. In der Praxis vergesse ich es immer wieder. Aber dann ruft mich Gott wieder zurück: «Sebastian, frag nach dem Herrn und seiner Stärke.» Meine Frau antwortet mir hin und wieder auf einen Wunsch, den ich an sie richte, mit folgenden Worten: «Ich werde mich nicht bemühen das zu ändern, ich werde dafür beten, dass Gott es in mir tut.» Wie gut! So geht’s. So kommt Gottes Kraft in unser Leben.

Es hat lange gedauert, bis ich das verstanden habe. Aber nichts hat mein Leben als Christ so zum Positiven verändert wie diese alte Wahrheit Gottes. Hängt euch mit aller eurer Kraft an die Kraft Gottes, zu mehr sind wir nicht fähig! Eine ernüchternde und befreiende Erkenntnis.

Herzlich, Sebastian Würth, sebastian.würth@sunrise.ch