Tschäggättä Düstere Gestalten im Lötschental

Bei der Tschäggätta (Mehrzahl Tschäggättä) handelt es sich um die bekannteste und markanteste Figur der Lötschentaler Fastnacht. Diese beginnt jeweils am Tag nach Mariä Lichtmess (2. Februar) und endet in der Nacht vor dem Aschermittwoch, am Gidisziischtag.

Traditionellerweise tragen die Tschäggättä alte, oft umgestülpte Kleider, darüber Tierfelle, die vorne und hinten über die Schultern herunterhangen. Die Lenden sind von einem Schellenriemen umgürtet, an dem eine Triichla (Kuhglocke) befestigt ist. Vervollständigt wird die Verkleidung durch Triämhäntschn (umgestülpte Wollhandschuhe) sowie durch um Beine und Schuhe gewickelten Jutestoff. Ein wichtiges Element des Kostüms ist schliesslich die Puggl genannte Polsterung der Schulterpartie, die in jüngster Zeit markant höher geworden ist.

Traditionellerweise liefen die Maskenfiguren an den Nachmittagen der Fastnachtszeit (mit Ausnahme des Sonntags) allein oder in kleinen Gruppen durch die Dorfgassen. Mit ihrem Aussehen und Verhalten wollten sie nicht zuletzt jungen Frauen und Kindern Angst und Respekt einflössen. Wer sich den maskierten Burschen nicht rechtzeitig zu entziehen vermochte, riskierte, in den Schnee gedrückt und mit Russ geschwärzt zu werden. Beliebt war auch – insbesondere am Feisti Froontag (Schmutziger Donnerstag) – das Herumziehen in grösseren Gruppen von Dorf zu Dorf. Und gelegentlich kam es auch zu einem Besuch in einer Privatwohnung, oder die maskierten Männer machten dem Gross Dorf ihre Aufwartung, das heisst dem Fastnachtshock der ledigen Frauen, die sich Geschichten erzählten, Lieder sangen und gleichzeitig textile Handarbeiten ausführten.

Das entscheidende Merkmal der Tschäggätta bleibt indessen die grosse, fratzenhafte Holzmaske mit dem rückseitigen Fell. Am Kopf festgehalten wird sie meist mit einem Sacktuch, das unter dem Fell an die Maske angenagelt ist. Eine Tschäggättularfa ist zwischen 30 und 50 Zentimeter hoch, die Augen stehen in einem Abstand von etwa sieben Zentimetern.

Unter dem Einfluss von Zeitgeschmack und Nachfrage haben sich die Masken formal stetig verändert. So liess etwa das geistige Umfeld der 1930er Jahre, das in den Masken das Urchige und Alpine sehen wollte, groteskere, angsterregende und grimmige Gesichtszüge entstehen. Unter dem Einfluss von Kunstmaler Albert Nyfeler veränderte sich in jener Zeit auch die Farbgebung. Und seit den 1950er Jahren treten an die Stelle von geschnitzten Zähnen eingesetzte Tierzähne. Eine gewisse Konstanz verrät dagegen das Material: Die Masken sind in der Regel aus Holz (meist aus Arvenholz bzw. Zirbelkiefer) geschnitzt und der Pelz besteht grossenteils aus Schaf- oder Ziegenfell. Und trotz der Verzerrungen und Deformierungen sind es stets menschliche Gesichtszüge, die imitiert werden, und praktisch nie tierische Gestalten.

Ursprung

Über den Ursprung der Lötschentaler Holzmasken kursieren mehrere Legenden und zahlreiche Theorien. Doch handelt es sich dabei ausschliesslich um Spekulationen ohne wissenschaftliche Grundlage. Entstanden ist der Brauch vermutlich vor wenigen Jahrhunderten. Nicht auszuschliessen ist, dass sich die Tschäggätta aus der Teufelsfigur des barocken Kirchentheaters herausentwickelt hat. Nachgewiesen ist, dass die geschnitzte Holzmaske spätestens seit dem 19. Jahrhundert zur Verkleidung der „Gescheckten“ gehört. Einen Anhaltspunkt liefert uns diesbezüglich Johann Baptist Gibsten, 1864-1876 Prior (Pfarrer) von Kippel, in seiner Pfarreichronik. Indem er das von ihm erlassene Maskierungsverbot erwähnt, vermittelt uns der Prior eine recht detaillierte Beschreibung der damaligen Tschäggättä:

Zur Fassnachtzeit war hier ein schrecklicher Misbrauch der sogenannten Tscheggette. So wüst man sich bekleiden konnte; das Gesicht mit abschaulicher Holzlarve, den Kopf mit Hörner, den Leib mit Pelzen; Thieren ähnlich, Kind erschreckend, Töchter mit Asche u. Blut etc beschmieren, das war die Freude der sogenannten Tscheggeten, auch unmoralisches lugte hie u. da aus derselben Rohheit hervor. Jch verdrengte sie endlich, doch aber hie u. da vor der Fassnachtszeit eine Zurückerinnerung an das Verboth zu machen, könnte wohl am Platze seÿn.

Fotos: Susanne Venditti, Februar 2017

Quelle: Lötschentaler Museum, Braucharchiv

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Susanne Venditti
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Credits:

Susanne Venditti

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