30 Jahre Weltkulturerbe Trier Die Römischen Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche genießen seit 1986 den Status des Unesco-Welterbes. Ein Grund zu feiern - und alle Bauwerke aus einem besonderen Blickwinkel zu betrachten. Ein Beitrag von volksfreund.de

Eigentlich wollten die Trierer zunächst nur die Porta Nigra bei der Unesco anmelden. Doch die Antragsliste wuchs und wuchs. Zeitzeuge Hans Caspary, Kunsthistoriker und 1986 Delegierter der Bundesrepublik beim Weltkulturerbekomitee, erinnert sich:

"Wir waren bescheiden und haben gesagt: Der wichtigste Römerbau in Deutschland ist die Porta Nigra. Mehr wollten wir gar nicht."

In den meisten Orten gibt es nur ein oder zwei Weltkulturerbestätten. In Trier haben es gleich neun Denkmäler zum Weltkulturerbe gebracht. Und jedes Bauwerk hat seine eigene Geschichte mit Kuriositäten und interessanten Fakten. Die Redaktion von volksfreund.de fasst hier die Serie "Unser Weltkulturerbe" zusammen:

Ein Apostelbild, gestiftet von der frommen Adelheid - wo das wohl zu finden ist?
Es ziert eine Wand in der Liebfrauenkirche!
Die Liebfrauenkirche liegt mitten in der Trierer Innenstadt, direkt neben dem Dom.

Die Liebfrauenkirche in Trier wurde von den gleichen Baumeistern, die auch die berühmte Kathedrale von Reims geschaffen haben, gebaut. Allerdings steht sie wortwörtlich im Schatten des Trierer Doms.

„Immer wieder kommt es vor, dass Trier-Besucher die Liebfrauenkirche mit dem Dom verwechseln“, erzählt Stadtführerin Anne Fesser-Konder.

Das nächste Bauwerk wird vielleicht bei der ersten Betrachtung auch unterschätzt - dabei hat es mindestens genauso viel zu bieten wie die Liebfrauenkirche.

Facebook auf römische Art?
Die Igeler Säule ist ein soziales Medium.
Lage: An der B 49 Richtung Luxemburg, etwa neun Kilometer südöstlich von Trier.

Die Igeler Säule gilt als das höchste römische Grabdenkmal nördlich der Alpen. Obwohl sie über 1700 Jahre alt ist, weist sie erstaunliche Parallelen zur heutigen Zeit der sozialen Medien auf.

Der Standort und die detailreiche Gestaltung mit vielen Bildern aus dem Leben der Familie sind wohl der Grund, dass einige Forscher die Säule mit einem sozialen Medium vergleichen.

Doch nicht nur die Igeler Säule ist topmodern ...

Wo geht's hier hoch?
Mitten in die Arena des Amphitheaters natürlich!
Das Amphitheater liegt nur 500 Meter von den Kaiserthermen entfernt im Trierer Osten, Bergstraße 5.

Auch wenn es heute kein "Brot und Spiele" mehr im Amphitheater gibt - der Gedanke ist so populär wie zu Zeiten der Römer. Die Gladiatorenschule Trier trainiert noch heute im Amphitheater.

"Die Luft flirrt vor Hitze. Das gleißende Licht blendet. Schweiß glänzt auf den Leibern. Geschickt wirbelt der leichtbewaffnete Retarier das Netz über seinen Kopf, zielt und wirft."

Beim nächsten Baudenkmal gibt es auch viel zu erleben: Hier werden Geocacher fündig, es gibt römische Graffiti zu sehen und sogar ein Atombunker verbirgt sich darunter.

Wer grinst denn hier so schelmisch?
Eine Karikatur im Trierer Dom. Im Rahmen der großen Dom-Renovierung 1960 bis 1974 wurdne die beiden federführenden Architekten Böhm und Rosiny auf diese Weise verewigt.
Der Trierer Dom liegt mitten in der Trierer Innenstadt.

Der Trierer Dom ist voll von spannenden Details: Kristalle, die zeigen, wie die Sterne bei der Neueröffnung nach der Renovierung 1974 standen, ein Holzbalken mit einem losen Seil, das an einen tödlichen Unfall erinnert oder auch Karikaturen, die die Architekten der großen Domrenovierung verewigen. Aber für Markus Groß-Morgen, zugleich Kunsthistoriker und Theologe, macht das gewaltige Ganze den Dom aus:

"Das Besondere ist die Kontinuität", sagt er. "Es ist einzigartig nördlich der Alpen, dass im Trierer Dom seit dem vierten Jahrhundert bis heute Gottesdienste gefeiert werden."

Der Trierer Dom ist ein Bauwerk, dass sich zwar über die Jahrhunderte baulich weiterentwickelt hat, aber immer für Gottesdienste genutzt wurde. Das nächste Welterbe ist nicht nur die älteste Baustelle Deutschlands, sondern wurde auch für verschiedenste Zwecke genutzt.

Hier wird gebaut, gebaut und gebaut...
Die Kaiserthermen - der wohl älteste Rohbau Deutschlands. Hier noch in unverbauter Ansicht.
Mitten in der Trierer Innenstadt gelegen, sind die Kaiserthermen für jeden Trier-Besucher gut sichtbar.

Die Kaiserthermen in Trier - da liegt die Vermutung nahe, dass in der Anlage auch tatsächlich gebadet wurde. Aber ob jemals ein Mensch in den Kaiserthermen gebadet hat, ist nicht ganz klar. Georg Breitner, bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) zuständig für die Trierer Unesco-Welterbestätten, kann nur spekulieren:

„In den unteren Gängen haben wir Rußspuren gefunden“, sagt Breitner. „Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Heizung in Betrieb war.“

Nicht nur bei den Kaiserthermen geben die Gemäuer Aufschluss auf die Geschichte des Bauwerks - auch beim nächsten Welterbe lohnt sich ein genauer Blick auf die Zeichen der Zeit:

Was bedeutet dieses Zeichen?
Es ist ein Steinmetzzeichen aus dem Mittelalter an der Porta Nigra. Es gibt Aufschluss über die Bauphase, als aus dem römischen Stadttor die Stiftskirche St. Simeon wurde.
Auch die Porta Nigra liegt mitten in der Trierer Innenstadt, direkt an der Simeonstraße, eine der größten Einkaufsstraßen Triers.

Die Steine der Porta Nigra verraten viel über ihre Geschichte: Steinbruchmarken geben Aufschluss über die Herkunft der Steine, sogar die Bauzeit lässt sich durch Markierungen berechnen. Georg Breitner von der Stabsstelle Unesco-Welterbe Trier kennt sich mit allen Markierungen bestens aus:

Es gibt an der Porta Nigra unzählige Formen von Einritzungen und Schriftzeichen aus verschiedenen Jahrhunderten“, sagt Breitner. „Gehäuft gibt es die aus der Kirchenbauphase und natürlich aus der Neuzeit.“

Das nächste Welterbe ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich die spannenden Geschichten auch im Umfeld des Bauwerks abspielen können ...

Hier haben sich richtige Dramen abgespielt ...
Ein moderner Ehering und ein römischer Liebesring aus Silber und Gold mit einem Bild von Amor und Psyche zeugen davon, dass sich auf der Römerbrücke wohl auch Dramen abgespielt haben.
Die Römerbrücke verbindet das Trierer Zentrum mit dem Westen der Stadt.

Rund um die Römerbrücke kommen Schatzsucher voll auf ihre Kosten. Und das hat auch einen Grund: Die Römer glaubten, dass in den Fluten Flussgötter lebten - im Rhein residierte demnach Rhenus, in der Mosel Mosella. Um sie zu besänftigen und um bessere Chancen auf eine gesunde Rückkehr zu haben, opferten Passanten eine Münze, wenn sie die Stadt verließen. Stadtarchäologe Joachim Hupe:

"Reisen war in diesen Zeiten mit einem Risiko verbunden. Durch kleine Opfer versuchte man die Götter milde zu stimmen."

Von ihrem anstrengenden Alltag erholten sich die Römer hier:

Hier waren die Fußböden einst mit Marmor ausgelegt...
... die Barbarathermen waren ein riesiger Wellness-Tempel.
Direkt an der Südallee in Trier liegen die Barbarathermen.

Nahezu 300 Jahre hat es in den Barbarathermen Badebetrieb gegeben. Die Architektur der Anlage war beeindruckend: Alleine der Saal mit dem Kaltwasserbecken, dem frigidarium, war so groß, dass die Porta Nigra darin Platz gefunden hätte:

"Er war nur ein wenig kleiner als die Basilika", sagt Archäologe Dr. Georg Breitner vom Rheinischen Landesmuseum.

Mindestens genauso imposant ist das nächste Bauwerk.

Sie sorgen dafür, dass in dem riesigen Bauwerk alles in Ordnung ist...
Die Konstantin-Basilika besitzt eine Innenfläche von über 1800 Quadratmetern.

Bonbonpapierchen, benutzte Taschentücher - vieles lassen die Besucher der Konstantin-Basilika einfach achtlos fallen. Für Ordnung sorgen nicht nur Küster Peter Becker zusammen mit Edith und Küsterin Lidia Keller (siehe Foto oben), sondern auch die Putzfrauen.

„Die meisten Leute kommen rein und sehen erstmal nur ein Riesengebäude, und nicht die vielen kleinen Details",sagt Küster Peter Becker.

Neun Weltkulturerbe hat Trier schon - jetzt gibt es einen weiteren Anwärter für den besonderen Status:

Ein Buch mit Schrift aus flüssigem Gold, gestiftet von der geheimnisvollen Ada ...
Das Ada-Evangeliar wird für kurze Zeit in der Schatzkammer der Stadtbibliothek zu sehen sein.
Das Ada-Evangeliar wird nur während der Unesco-Weltkulturerbewoche in der Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier zu sehen sein (28.11. bis 3.12.2016).

Das Ada-Evangeliar wurde um das Jahr 800 von einer Frau namens Ada, die am Hofe Karl des Großen lebte, für das Trierer Kloster St. Maximin gestiftet. Wer diese Frau war, bleibt ein Geheimnis. Es gibt lediglich Vermutungen.

Im Buch selbst wird sie mit dem lateinischen Begriff ‚soror’ bezeichnet, was Schwester heißen kann, aber auch Vertraute. Karls Biografen kennen auf jeden Fall nur eine Schwester namens Gisela.

Ab Montag, 28. November, feiert Trier eine Woche lang, dass in der ältesten Stadt Deutschlands einzigartige Bauwerke aus der Römerzeit erhalten blieben. Die meisten Angebote sind kostenlos. Für Einheimische eine gute Gelegenheit, mal wieder auf die Porta zu steigen.

Alle neun Weltkulturerbestätten in Trier im Überblick.

Produktion: Jasmin Wagner

Fotos und Texte: Katharina de Mos, Lisa Bergmann, Mechthild Schneiders, Stefanie Braun, Roland Morgen, Friedemann Vetter, Rainer Neubert, Rebecca Schaal, Andreas Feichtner, Anne Heucher, Verona Kerl

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