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Pendlerprobleme Stress im Zug

Von Yaël Debelle

Ich bin eine Pendlerin mit einem Kaffeeproblem.

Jeden Morgen am Bahnhof Basel die gleiche Frage: Wo hole ich ihn? Zur Auswahl stehen: der «Schtudäntäkaffi» für zwei Franken bei Tchibo, spottbillig, dafür uuh langsam, weil man bei Tchibo noch eins nach dem andern macht, wie anno dazumal. Beim Brezelkönig – blitzschnell und billig, mit Zucker schon drin und Deckel schon drauf, dafür ein trübes Wässerchen mit einem Hauch Kaffeearoma. Bei Hallo, Bahnhofkettengastronomie, sehr teuer, sehr schlecht, und alles muss man selber machen, dafuür mit dem besten Birchermüesli der Stadt dazu.

Es gäbe noch sechs weitere Varianten, die ich mir verboten habe, damit ich nicht zwischen neun Optionen wählen muss – Entlastung für mein lahmes Morgenhirn, das ja dummerweise noch kein Koffein intus hat.

Nun habe ich jüngst in der Zeitung etwas gelesen, das meine ganze Kaffeeproblematik auf einen Schlag in Kaffischümli auflösen könnte: «Minipresso». Ein Liestaler Tüftler hat die Kleinkaffeemaschine erfunden, sie passt in jede Handtasche, ist nur dreimal so schwer wie mein Handy und funktioniert ohne Strom. Kaffeepulver einfüllen, Maschinchen zuschrauben, von Hand bis zu 30-mal pumpen – und feinster Espresso rinnt in die Tasse, con crema obendrauf. Einziger Haken: Man muss heisses Wasser einfüllen. Das gibt es leider nicht auf dem Zug-WC. Und ein Wasserkocher würde dann doch mein Handtaschenvolumen sprengen.

Nett gemeint, lieber Herr Erfinder, aber mein Erste-Welt-Problem bleibt ungelöst. Deshalb ein dringender Aufruf an alle Erfinder dieser Welt: Dieses und ganz viele andere Pendlerprobleme müssen gelöst werden:

  • einen ultraschnellen Minidrucker, um den «Blick am Abend» zu drucken, wenn man so spät Feierabend hatte, dass die pinke Box leer war. Pendler mögen profane Literatur.
  • „ einen Detektor, der sanft vibrierend warnt, wenn eine Seniorenwandergruppe im Anmarsch oder eine Schulklasse im Ankreisch ist. Pendler mögens ruhig.
  • „ einen Umhang à la Harry Potter,der unsichtbar macht, wenn eine entfernte Bekannte aus der Primarklasse ins Abteil schreitet. Pendler mögen keinen Small Talk.
  • „ eine Klo-Überlebensausrüstung: WC-Rolle, Papiertücher, Brechstange, wenn in fünf Wagen hintereinander «WC unbenutzbar» an der Tür klebt, Ersatzschloss, wenn es sich dann nicht mehr abschliessen lässt. Auch Pendler haben eine Blase.
  • „ einen Nasenspray, der einen sanften Film über die Nasenlöcher legt, wenn das Gegenüber seine Schuhe auszieht oder den Kebab auspackt. Pendler lieben frische Luft.
  • „ eine handliche Zeitmaschine, um sich bei der Billettkontrolle in die guten alten Zeiten vor dem Swiss Pass zurückzubeamen, als man sich für die GA-Kontrolle nur eine Sekunde lang von seiner «Blick am Abend»-Lektüre losreissen musste. Heute dauert es zwei Sekunden, weil der Swiss Pass eingescannt werden muss. Pendler haben keine Zeit.

„ Ach ja, und dann gibt es noch die ganz grossen Pendlerprobleme: ausufernde Mobilität, Dichtestress, Überlastung der Verkehrsachsen, Kostenexplosion, Umweltverschmutzung. Das könnt ihr, liebe Erfinder, danach gern auch noch anpacken.

Publiziert im Beobachter 21 / 2016

Credits:

Created with images by marcoverch - "Visitors leaving the fair - Gamescom 2017, Cologne" • Alexas_Fotos - "coffee mugs coffee to go coffee" • bernbild - "Duchtestress"

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