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NiuNiu Ein Hund, eine Hütte, neue Freunde

Im Rahmen der Expedition Panda reiste ich mit dem Team von Astaterra Ende April 2018 in die Provinz Sichuan im Südwesten Chinas, um das Leben und den Fortbestand der Pandabären zu dokumentieren. Die ersten Tage verbrachte ich mit meiner Produzentin Dörte Harms in Ya´an, um in der atemberaubenden Berglandschaft die wilden Pandas zu filmen. In der folgenden Woche arbeitete ich in der Panda-Aufzuchtstation in der Nähe der Stadt Dujiangyan.

Während einer Pause zwischen den Filmaufnahmen am Mount Quicheng entdeckte Dörte die dreijährige zutrauliche Hündin Niu Niu. Niu Niu bewachte ein kleines Mittagsrestaurant an der Hauptstraße Richtung Dujiangyan am Fuße des Mount Quicheng. An einer drei Meter kurzen Leine lebte sie zwischen Müll und Glasscherben, ohne einen gemütlichen Platz und Auslauf.

Nach Gesprächen mit den Besitzern duften wir uns in den folgenden Tagen etwas um die Hündin kümmern. Der erste Spaziergang im Ort überforderte Niu Niu aufgrund der vielen neuen Gerüche, Geräusche, den Fahrzeugen und unbekannten Menschen.

Niu Niu war kein verwahrloster Hund und machte einen gesunden Eindruck. Lediglich das Fell war etwas fettig-struppig und ich bemerkte ein paar kleinere Wunden am Hals. Meiner Meinung entstanden diese vermutlich durch das zu enge Halsband und das leidige angeleinte Dasein.

Nach der ersten Begegnung mit der Hundedame wollte Dörte nicht nach Hause reisen ohne Niu Nius Leben etwas zu erleichtern. Aus diesem Grund hatten wir uns nach vielen Überlegungen dazu entschieden Niu Niu zu helfen, um ihre Lebenssituation zu verbessern.

In den folgenden Tagen wurde ich von Niu Niu freudig wedelnd und bellend zu jedem Spaziergang begrüßt. Niu Niu genoss die Fellpflege und Streicheleinheiten sehr. Es war schön zu erleben, wie sehr die Hündin aufblühte und ihre Lebensfreunde zeigte.

Liquang, der Besitzer der Hündin, zeigte sich nach vielen Gesprächen einsichtig und stimmte dem Bau einer Hundehütte mit Auslauf sowie einer einmaligen medizinischen Versorgung inklusive Impfungen zu. Zu diesem Zeitpunkt belächelte er die Maßnahme noch etwas, sollte aber wenige Tage später nicht aus dem Staunen rauskommen.

Während Dörte sich um die Hündin kümmerte, erstellte ich die ersten Zeichnungen für den Bau einer Hundehütte mit Auslauf. Parallel startete ich über die sozialen Medien den Spendenaufruf „Ein Haus für Niu Niu“.

Zur Verwirklichung der Idee musste der Bautrupp allerdings etwas vergrößert werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits zwei sympathische Kontakte, die bestimmt weiterhelfen konnten. Zum Einen war dies Kevin, ein chinesischer Journalist, der in der Panda-Aufzuchtstation arbeitet und sich dort um die Medienthemen kümmert. Zum Anderen Bernie, ein Banker aus Melbourne, der der Liebe wegen nach China gezogen war und nun einen kleine Pizzeria in der Stadt betreibt.

Bernies Ehefrau Lulu erklärte sich bereit, mit mir das Material sowie Werkzeug für die Baumaßnahme zu beschaffen. Der ortsansässige chinesische Baumarkt glich eher einer unaufgeräumten Garage, jedoch konnte ich mit tatkräftiger Unterstützung von Lulu die benötigten Materialien beschaffen.

Liquangs verschmitztes Lächeln verschwand, als zwei Lastkraftwagen mit Material vor dem Restaurant geparkt wurden. In diesem Moment begriff der Hundebesitzer, dass die verrückten Deutschen tatsächlich ein Haus für die Hündin bauen wollen. Gemeinsam luden wir das Material ab und befreiten den Hundeauslauf von Müll und Scherben. Auch Liquang unterstützte die Aktion -nach dem ersten kurzen Schock- tatkräftig und brachte den gesammelten Müllberg am Abend selbst zur Müllsammelstelle.

Am nächsten Morgen traf ich mich mit dem Team zum Bau der Hütte am Restaurant. Nicht nur Bernie, Lulu, Liquang und Kevin waren vor Ort, sondern auch Josué, ein Freund von Bernie aus Westafrika. Während wir uns gemeinsam an die Arbeit machten, ereignete sich jedoch Unglaubliches! Immer mehr Menschen strömten zur Baustelle. In der Nachbarschaft hatte sich herumgesprochen, dass am Restaurant Hilfe benötigt wird. Jeder der kam packte mit an und war mit Begeisterung bei der Sache. Besonders engagiert an diesem Tag war Little Tiger: Ein recht klein und zierlich wirkenden Mann, der bei 34 Grad Celsius und extremer Luftfeuchtigkeit unermüdlich arbeitete, ohne dass auch nur eine Schweißperle auf seiner Stirn zu sehen war. Im späteren Gespräch stellte sich heraus, dass Little Tiger Soldat der chinesischen Armee war und normalerweise als Gebirgsjäger in Tibet auf 4.000 Meter Höhe im Einsatz ist. Ich konnte es kaum fassen, wie fit und ausdauernd dieser kleine Little Tiger auf der Baustelle schuftete.

Die Mund zu Mund Propaganda war so gut, dass am nächsten Tag eine junge chinesische Fernsehjournalisten namens Sunny vor Ort war, um einen Beitrag über den Bau der Hundehütte zu drehen. Diese Tatsache zog natürlich noch mehr fleißige Helfer aus dem Ort an. Selbst Linquangs Großmutter war gekommen, um mit kritischer Miene das Geschehen auf sich wirken zu lassen. Gemeinsam arbeiteten wir bis spät in die Nacht hinein, eng verfolgt von Sunny´s Kamera. Bis auf ein paar Kleinigkeiten konnten wir an diesem Tag alles fertigstellen und ließen den Abend gemeinsam mit allen Helferinnen und Helfern bei einer kühlen Flasche Corona ausklingen.

Vor der Bettruhe checkte ich die Reaktionen auf meinen Spendenaufruf in den sozialen Medien. Ich war überwältigt von den vielen Fragen sowie positiven Reaktionen und bemühte mich, einen Großteil der Anfragen zu beantworten. Auch das für Niu Niu eingerichtete Spendenkonto war ausreichend gefüllt, um die Materialkosten und die einmalige medizinische Versorgung zu finanzieren. Nach diesem anstrengenden -aber auch belebenden Tag- fielen mir die Augen vor dem Laptop zu und ich schlief Stunden lang wie ein Stein.

Am letzen Tag meines Projektes „Ein Haus für Niu Niu“ begann ich den Morgen erstmal gemütlich mit einer frisch aufgebrühten Tasse Kaffee. Gegen Mittag traf ich mich mit den Helfern an der fast fertigen Hundehütte, um ein paar kleine Restarbeiten zu erledigen. Zhenyu ein Graphik Designer aus der Stadt, brachte zum Abschluss der Arbeiten eine Erinnerungstafel zu diesem Projekt mit, welches ich zum feierlichen Einzug von Niu Niu ins neue Domizil am Zaun anbrachte. Alle Helferinnen und Helfer freuten sich über den erfolgreichen Anschluss des Bauprojektes, und Niu Niu rannte wedelnd durch ihr neues Zuhause und inspizierte alles ausgiebig. Liquang versprach mir von jetzt an öfter mit Niu Niu im Ort spazieren zu gehen und ihr die Streicheleinheiten -die sie so sehr liebt- zu geben.

Ich hatte ausgerechnet, dass noch etwas Geld vom Spendenkonto übrig war.

Ein paar Tage zuvor besuchte ich mit Kevins Freundin Zhen Xioa eine sehr gut ausgestattete Tierklinik am Rande der Stadt. Zhen Xioa ist Regierungsbeamtin und hatte auf dem Weg zur Arbeit den kleinen Kater Mimi mit gebrochenen Beinen am Straßenrand gefunden. Mit dem Restgeld des Spendenkontos beteiligte ich mich an der -auch für deutsche Verhältnisse- sehr teuren Operation des Katers. So konnte ich auch diesem Tier mit den Spendengeldern helfen und ein Weiterleben ermöglichen. Zhen Xioa erklärte sich bereit den Kater nach der Operation erstmal bei sich zu Hause aufzupäppeln, bis ein neues Zuhause für ihn gefunden wird.

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern aus Deutschland bedanken. Ohne Eure finanzielle Hilfe hätte ich das „Haus für Niu Niu“ nicht bauen können.

Insbesondere möchte ich mich bei Dörte, Kevin und Zhen Xioa, Bernie und Lulu, Little Tiger, Josué, Zhenyu, Liquang und den vielen helfenden Hundefreunden aus Dujiangyan bedanken.

Ich bin noch immer überwältigt von den Eindrücken des Landes, den hilfsbereiten Menschen, der positiven Energie und der Eigendynamik, die dieses kleine Projekt am Rande meiner Expedition Panda mit sich brachte. Für mich haben sich neue herzliche Freundschaften entwickelt. Es war eine ereignisreiche schöne Zeit, an die ich mich immer wieder gern erinnern werde.

Danke!

Euer Kai Malter

Freunde fürs Leben - Eine starke Truppe

P.S.: Unsere nächste Reise führt uns wieder in die Wildnis von Südafrika, Mozambique und Zambia. Seid dabei und folgt uns auf Facebook, Instagram und www.astaterra.org

Created By
Kai Malter
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