Einweg kann einpacken Die Zukunft der Transportlogistik ist Mehrweg

Von Transportpaletten und Exportkisten aus Holz, über wackelige Kartons mit Styropor-Einlagen bis zu Pappschachteln und Plastiktüten im Einzelhandel - der Grund dafür, unsere Zivilisation eine Wegwerfgesellschaft zu nennen, liegt genau hier. Doch das ändert sich gerade, und zwar schnell. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Der Status Quo in der Transport- und Lagerlogistik ist von Tradition geprägt. Und diese Tradition basiert darauf, Transportverpackungen nach ihrem Gebrauch wegzuwerfen. Auch wenn der Umweltschutz längst unseren Alltag durchdringt, haben seine ersten Früchte, unseren Müll zu recyceln, der Wegwerf-Mentalität nur ein Mäntelchen übergeworfen. 2007 betrug der Wellpappenverbrauch pro Bundesbürger 55 Kilogramm, 2010 waren in Deutschland 39 Unternehmen mit 114 Werken an der Produktion und dem Vertrieb von Wellpappe beteiligt. Wellpappe wirft man weg, und das ist gut so, denn sie wird ja recycelt - so das eingeübte Denkschema.

Die schmutzige Wahrheit dahinter sieht anders aus. Viele Kartonagen bestehen nicht nur aus Papier, sondern es sind zahlreiche andere Stoffe beigemischt, die sich nicht wiederverwerten lassen. Nach einem Gutachten der Stiftung Initiative Mehrweg, das federführend vom Fraunhofer Institut für Bauphysik erstellt wurde, werden nur 27% einer Wellpappenverpackung tatsächlich recycelt - eine Zahl, die durch den Verband der Wellpappenindustrie bestätigt wurde. Bei dieser Quote sind, wenn man einen Umlauf von jeweils einem Monat von der Kartonherstellung bis zur Wiederverwertung annimmt, von 1.000 Kilogramm Karton bereits nach vier Monaten gerade noch 5 Kilogramm übrig.

Quelle: Gutachten der Stiftung Initiative Mehrweg
Aus Sicht des Umweltschutzes ist es längst Zeit, die nächste Stufe der Ressourcenschonung einzuläuten. Das bedeutet nichts anderes als ein Ende der Wegwerfgesellschaft. Weg von den Materialien, die von unserer Umwelt leidlich gut abgebaut werden können, hin zu denen, die gar nicht mehr in die Natur gelangen, die über Jahrzehnte benutzt werden, und erst wenn sie wirklich unbrauchbar geworden sind, recycelt werden müssen.

Doch man darf sich nichts vormachen - Umweltschutz alleine war selten die alleinige Motivation für ein Umdenken, und so einfach sind die Argumente der traditionellen Logistiker nicht von der Hand zu weisen: für Paletten aus Holz etwa gibt es inzwischen seit Jahrzehnten einen Mehrwegpool, der international funktioniert.

Genau hier greift jedoch ein anderer Mechanismus der Veränderung, die technologische Modernisierung. Für die althergebrachte Holzpalette ist der Weg am Eingangstor eines modernen automatisierten Lagers zu Ende. Ein paar Millimeter Größenschwankung, ein gesplittertes Brett können den Betrieb auf dem Weg zur Industrie 4.0 stundenlang aufhalten.
Kilometerlange Förderstrecken in modernen Distributionszentren verlangen nach robusten Behältern mit speziell gestalteten Laufkranzböden. Automatische Erkennung und Verwaltung von immensen Lagerbeständen funktioniert nur mit zuverlässig in die Behälter eingegossenen Barcodes oder RFID-Chips. Anforderungen, die von der üblichen Wegwerf-Logistik nicht mehr erfüllt werden können.

Einen nicht unerheblichen Anteil an der Umwelt- und der Finanzbilanz haben die Transporte. Neben den Voll-Fahrten zum Kunden oder zur Produktionsstätte müssen Mehrwegbehälter auch wieder zum Ausgangspunkt zurückgebracht werden, um neu befüllt zu werden. Ein Punkt für die Vertreter der Einweg-Fraktion, könnte man denken. Doch die Problematik der Rücktransporte trifft auch für Einwegverpackungen zu, denn die leeren Wellpappe-Kartonagen müssen per LKW zum Recycling oder zur Verbrennung gebracht werden.

Einfluss auf die Zahl der Mehrweg-Leerfahrten haben mehrere Faktoren: Zum Einen lassen sich die meisten Mehrwegverpackungen falten, klappen oder ineinander nesten, ihr Volumen reduziert sich gegenüber dem befüllten Zustand stark. Man kann also nicht einfach die Zahl der Rückfahrten mit der Zahl der Transporte zum Kunden gleichsetzen. Zum Anderen bedeutet der Einsatz moderner Mehrweg-Pool-Systeme, dass die Mehrwegbehälter nicht mehr im einfachen Hin- und Her-Betrieb unterwegs sind, sondern zu einem höheren Grad befüllt als leer transportiert werden.

Kein Wunder, dass praktisch alle modernen logistischen Verfahren auf Mehrweg setzen: Pooling, Kanban, Tracking & Tracing seien als Beispiele genannt. Im Vergleich dazu erscheint Einweg aus Wellpappe als Logistik nach dem „Fire and Forget“-Prinzip, in Supply-Chains verliert Wellpappe dramatisch an Bedeutung.

In der modernen Logistik wird deutlich, dass die Verpackung zum wichtigen, systemtragenden Element geworden ist. Automatisierung, moderne Techniken bei der Kommissionierung, die Verfolgung von Produkten entlang der Transportwege, bei all dem spielt die Transportverpackung selbst eine zentrale Rolle.

Und auch auf anderen Gebieten verliert der klassische Karton an Vorsprung. So galten Kartonverpackungen lange Zeit als ideal, wenn es darum ging, die Verpackung an das Produkt anzupassen. Doch führt das in der Summe nach wie vor zu einer Unzahl von Kartons in unterschiedlichsten Maßen, die in modernen palettenbasierten Transportsystemen mehr Schaden anrichten als sie Nutzen haben.

Im Vergleich dazu bieten standardisierte modulare Mehrweglösungen ideale Transportbedingungen, etwa in Form von Versandtürmen bei der Filialbelieferung. Des Weiteren ist die Flexibilität der Verpackung nicht mehr ein Alleinstellungsmerkmal von Kartonagen. Hersteller von Faltboxen sind inzwischen in der Lage, ihre Behälter auch bei kleineren Bestellmengen in Grundmaß und Höhe anzupassen.
Eindeutig fällt auch die Analyse beim Transportschutz aus. Hier haben Mehrwegverpackungen klar die Nase vorn. Eine stabile Kunststoffwand bietet schon an sich mehr Schutz des Transportgutes. Darüber hinaus lassen weitere Maßnahmen, etwa Mehrweg-Innenverpackungen, die Schutzfähigkeit von Kunststoffbehältern weiter deutlich steigen. Weitere Maßnahmen, wie etwa die Verwendung leitfähiger Kunststoffe zur Ableitung statischer elektrischer Ladungen, machen auch den Transport empfindlicher Güter der Elektronik-Industrie sicher.

Ähnlich ist das Bild, wenn man die Belastbarkeit der Behälter vergleicht. Sowohl bei der Beladung der individuellen Verpackung selbst, wie auch beim Stapeln der Behälter, haben Kunststoff-Boxen die Nase vorn. Nutz- und Auflasten von einer Tonne sind für Mehrweg-Faltboxen inzwischen alltäglich.

Kunststoffbehälter gibt es in allen Größen, hier einBehälter aus der MegaPack-Serie von WALTHER Faltsysteme. Sie lassen sich leicht an die gewünschten Maße anpassen.

Bleibt ein letzter Blick auf die ökonomischen Auswirkungen des Wandels von Einweg- zur Mehrweglogistik. Ein bislang unveröffentlichtes Papier des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik wirft unter anderem einen Blick auf die Kostenanalyse von Einweg- und Mehrwegsystemen im Vergleich. Das erste wichtige Ergebnis dieser Studie im Bereich der Wirtschaftlichkeitsberechnung: Bei allen bisher durchgeführten Analysen konkreter Supply-Chain-Lösungen zeigte sich, dass die Folgekosten von Verpackungen deutlich über den Beschaffungskosten liegen. Kauf- oder Mietpreise von Behältern haben im Schnitt lediglich einen Anteil von 25-30% an den Gesamtkosten.

Bei der Untersuchung von Unternehmen, die bisher einen in der Praxis üblichen Mix aus Einweg- und Mehrwegbehältern genutzt haben, wurde analysiert, wie die Kosten sich entwickeln, wenn die Logistik vollständig auf ein einheitliches Verfahren umgestellt würde. Bei der Umstellung auf Einweg steigen die Logistikkosten insgesamt gegenüber der Ist-Situation (15% Verpackungskosten) deutlich, auch wenn die Anschaffungskosten nur 3% der Gesamtkosten betragen. Bei einem Mehrwegsystem mit satten 31% Anschaffungskosten fallen die Kosten insgesamt jedoch erheblich.

Quelle: V.Lange, J. Hoffmann, Einweg- oder Mehrwegverpackungen – Entscheidungskriterien für die Verpackungswahl, Fraunhofer IML, Mai 2011
Zu guter Letzt soll ein enorm wichtiger Faktor bei Unternehmensentscheidungen Beachtung finden: das „Bauchgefühl“, dass Produzenten und Logistiker zu den Plastikkisten greifen lässt. Es entstehen keine unschön anzusehenden Berge von Altkartons, die auf das Recycling warten, die Plastikbehälter lassen sich voll und leer sauber stapeln und darüber hinaus wieder und wieder benutzen. Die Möglichkeiten, mit verschiedenen Farben und Logo-Aufdrucken auf farbigen Kunststoffbehältern innerhalb und außerhalb der eigenen Hallen die Corporate Identity aufrecht zu erhalten, ist verlockend. Und Kunststoffboxen lassen sich ohne Schaden auch mal aus dem Weg schieben oder etwas heftiger als geplant aufeinander stapeln.

WALTHER Faltsysteme / Frank Müller / 2017

Created By
Frank Müller
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Credits:

Created with images by siftnz - "Becon Dry Waste RMF baled plastic" • PublicDomainPictures - "beige box brown" Frank Müller

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