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Die Zukunftsgestalter Ideenreiche Konstanzer erzählen, was sie in andere Städte zieht und was dagegen getan werden könnte

Idealerweise bietet eine Stadt ihren Einwohnern zahlreiche Entfaltungsmöglichkeiten. Im Rahmen unserer Kooperation mit dem SÜDKURIER nahmen wir vier Menschen in den Fokus. Sie erzählen, was Konstanz als Ort der persönlichen Weiterentwicklung für sie attraktiv macht und was sich noch verändern muss. Hier stellen wir euch zwei von ihnen vor, den zweiten Teil findet ihr unter folgendem Link:

Friedhelm Schaal, Wirtschaftsförderer der Stadt

"Die Gründerszene in Konstanz ist sehr lebendig und heterogen. Der Ort, wo so etwas stattfinden kann, hat bisher gefehlt. Es gibt mehrere Engpässe, die wir in dieser Stadt haben. Dazu zählen Flächen, die rar und teuer sind. Für ein Start-Up geht es bei den Räumlichkeiten auch um Qualität und die Infrastruktur muss stimmen. Ein weiteres schwieriges Thema ist auch das Wohnen. Wir haben derzeit wenig freien Wohnraum und die Lebenshaltungskosten sind hoch.

Konstanz ist insgesamt aber attraktiv und wird nochmal eins draufsetzen. Die Verbindung, die wir zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft haben, ist eine Alleinstellung. Mit unserem Kina-Projekt (Konstanzer Innovationsareal) wollen wir, das was Start-Ups brauchen, sehr geballt auf einer Fläche konzentrieren. Wir wollen das Technologiezentrum aufgeben und ein anderes Areal in der Bücklestraße errichten. Dort soll ein Ort geschaffen werden, wo sich Start-Ups zuhause fühlen, aber auch Unternehmen aus der Region hinkommen können, um Wissen zu tanken. Und das Ganze auf einem lebendigen Areal– das ist auch eine Grundvoraussetzung für Start-Ups. Das, was das Kina-Projekt auszeichnet, ist die Durchmischung: Wohnen und arbeiten zusammen in einem neuen Quartier.

Es gibt dort dann einen sogenannte Akzelerator, wo Start-Ups lernen können, beschleunigt an den Markt zu kommen. Dann gibt es ein regionales Innovationslabor, das für Firmen in der Region gedacht ist. Etablierte Firmen suchen natürlich nach Start-Ups, weil dort frische Ideen entstehen. Und Start-Ups suchen auch nach Firmen, von denen sie lernen können. So etwas zusammenzubringen ist das Spannende an dem Ganzen. Wir sind mitten in der Planung und gehen davon aus, dass die ersten Firmen aus dem Technologiezentrum in ein Gebäude auf dem Areal Anfang nächsten Jahres ziehen können. Für die gesamte Umsetzung denken wir an 2020. Das erste Ziel ist die Leute, die wir in der Stadt haben, hier zu behalten. Sie sollen sagen: Die Stadt ist super und ich habe die Möglichkeit, hier von der Startbahn abzuheben. Wenn sie erst mal durchgestartet sind, wollen wir sie natürlich mit Flächen versorgen."

Anna Pfeifer, Gründerin von „nemms“

"Ich bin in der Konstanzer Altstadt aufgewachsen und bin mittlerweile überzeugt davon, dass die Lebensqualität bei uns am See nur schwer zu überbieten ist. Das war mir nicht immer so bewusst. Nach dem Abitur wollte ich erst einmal raus. Während meinem Studium in Stuttgart und München habe ich das Großstadtleben sehr genossen. Nach 10 Jahren in der Ferne hat es mich allerdings wieder zurück an den See gezogen. Ich hatte ein Jobangebot als Beraterin in St. Gallen angenommen und mich entschieden, trotz Pendelstrecke wieder in die Niederburg zu ziehen. Während meinem Studium habe ich mit mehreren Start-ups zusammengearbeitet und gelernt wie man Dinge selbst aufbauen und in Bewegung setzen kann. Dabei hat sich der Wunsch festgesetzt, selbst ein Unternehmen zu gründen. Direkt nach dem Studium habe ich mich diesen Schritt nicht getraut. Mit jedem Jahr mehr an Berufserfahrung wurde mir immer klarer, dass ich mein Umfeld, in dem ich lebe und arbeite, mitgestalten möchte.

Nach 4 Jahren in der freien Wirtschaft habe ich letztes Jahr den Schritt gewagt und mit Moritz und Valentin nemms gegründet. Die beiden verfolgen eine ähnliche Vision und wir passen fachlich sehr gut zusammen. Mit nemms wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die Vielfalt unserer Innenstädte beizubehalten. Über nemms können Produkte online beim Einzelhandel angefragt werden, der Nutzer erhält daraufhin ein persönliches Angebot und wird per Chat beraten. Natürlich haben wir überlegt, ob wir uns in das Haifischbecken trauen, in dem Amazon und Co. schwimmen. Das E-Commerce-Angebot ist riesig, aber es gibt noch keine Lösung, die Einzelhändlern Onlinehandel mit persönlicher Beratung ermöglicht.

Wer ein Start-up aufbauen will, denkt vielleicht nicht direkt an Konstanz. Dabei gibt es hier einen entscheidenden Vorteil: Die Wege sind kurz und persönlich. Wir sind inzwischen gut vernetzt, hatten direkten Kontakt mit der Wirtschaftsförderung und viel Unterstützung von der HTWG. Ich kann jedem raten, der sich überlegt hier ein Start-up zu gründen: einfach mal machen.“

Protokoll und Bilder: Wiebke Wetschera; Sandra Pfanner, Layout: Pia Sautter

• Dieser Artikel ist Teil einer Kooperation von Campuls und SÜDKURIER. Der SÜDKURIER ist ein regionales Medienhaus im Süden von Baden-Württemberg. Neben der Tageszeitung (gedruckt und als digitale Zeitung) betreibt das Haus auch SÜDKURIER Online. An der Kooperation waren Autoren aus der Lokalredaktion Konstanz beteiligt. Alle digitalen Storys der Lokalredaktion gibt es unter folgendem Link:

• Das Kooperationsprojekt „Hochschulstadt Konstanz“ soll die Perspektiven von Lokalzeitung und Studi-Magazin vereinen. Mit vereinten Kräften wollen Campuls und der SÜDKURIER die Stadt Konstanz als vergleichsweise jungen Hochschulstandort beleuchten. Wie kamen Uni und HTWG nach Konstanz? Welchen Einfluss haben die Hochschulen auf die Stadt? Diesen und weiteren Fragen sind wir gemeinsam nachgegangen.

Created By
Campuls Hochschulzeitung
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