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Weihnachten in Marrakesh Ein Reisebericht

Text und Bilder: Lola Nerger, Layout: Nico Talenta

Um dem ganzen Stress rund um das Thema Weihnachten zu entfliehen, sowie dem unangenehmen und kalten Wetter in Deutschland, liegt es für den ein oder anderen nahe, das christliche Fest an einem Ort zu verbringen, an dem es kaum gefeiert wird. Laut eines Artikels des Deutschlandfunks sind weniger als ein Prozent der marokkanischen Bevölkerung Anhänger des christlichen Glaubens.

Mehr als 90 Prozent bekennen sich dagegen zur sunnitischen Richtung des Islam. Weihnachtsstimmung 1kommt daher nur schwer auf. Einzig in der Medina (Altstadt) von Marrakesh, in welcher sich die Souks befinden, das sind Märkte, wo es alle möglichen Dinge zu kaufen gibt, kommt man mit dem Thema in Berührung. Die Medina scheint ganz auf den Tourismus ausgelegt zu sein. An jeder Ecke der verwinkelten Gassen wird man regelrecht aufgefordert, etwas zu kaufen. Die Verkäufer sprechen meist Englisch oder Französisch mit den Touristen und wenn keine Reaktion kommt, wird eben weiter nachgehakt und nach dem Herkunftsland gefragt. Auf die Antwort: „Germany“, folgt oftmals ein „Herzlich Willkommen!“ oder „Frohe Weihnachten.“ Angeboten werden z.B. kleine aufblasbare Weihnachtsbäume oder Schneemänner, einzig für die Touristen.

Durch das Getümmel und die Hektik auf den Souks geht ein wenig der Charme und die Romantik Marrakeshs verloren. In die Atmosphäre aus 1001 Nacht lässt es sich nur schwer einfühlen. Stattdessen wird von Stand zu Stand gedrängelt und zum Kaufen animiert. Bei Desinteresse kommt es auch mal vor, dass die Verkäufer einem hinterherlaufen. Schnell kommt ein Gefühl von Unbehagen, Befremdung und Unsicherheit auf. Stress statt entspanntem Shoppen.Wem die Menschenmassen auf den Souks zu viel werden, der kann in einer der zahlreichen kleinen Cafés und Lokale untertauchen. Die marokkanische bzw. nordafrikanische Küche hat sehr viel zu bieten, besonders populär ist die sogenannte Tajine. Diese bezeichnet sowohl das aus Lehm gefertigte Schmorgefäß als auch das darin gekochte Gericht. Ursprünglich stammt es von den marokkanischen Nomaden, den Berbern.

Für diejenigen, die dem Stress der Stadt komplett entfliehen möchten, eignet sich ein Ausflug, beispielsweise zu den Ouzoud Fällen, 150 Kilometer nordöstlich von Marrakesh. Nach einer etwa zwei- bis dreistündigen Busfahrt erwarten einen die höchsten Wasserfälle Marokkos. Im Gebiet um den Wasserfall wachsen zahlreiche Olivenbäume, zwischen denen man den ein oder anderen Affen sehen kann. An mehreren Ecken werden daher Nüsse verkauft, mit denen man sie füttern kann. Auch hier tummeln sich viele Touristen, trotzdem sind die Ouzoud Wasserfälle auf jeden Fall einen Ausflug wert. Es gibt natürlich noch andere Alternativen, wie ein Kamelritt in der Afagay-Wüste, einen Ausflug in die Berberdörfer oder in das Atlasgebirge. Jedoch sind das häufig Tagestouren und daher sollte man hier auf jeden Fall mehr Zeit einplanen.

In Marrakesh ist eigentlich für jeden etwas dabei. Wer es gerne abenteuerlich, bunt und aufregend mag, sollte auf jeden Fall die Medina besuchen und sich auf eine Reise durch die Souks begeben. Zwischen orientalischen Gewürzen, buntem marokkanischen Geschirr und Gewändern kann man hier sicherlich Stunden verbringen. Wer gerade über die Weihnachtstage eher Entspannung sucht, kann bei einer Hammam-Behandlung zur Ruhe kommen, ohne auf den Genuss der marokkanischen Kultur verzichten zu müssen. Und wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte auf jeden Fall auch auf Ausflüge wert legen. Marrakesh und Umgebung haben auf jeden Fall viel zu bieten.

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Campuls Hochschulzeitung
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