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Vierzigtausend Fragen Matthias Anderegg

Das Unbekannte im Bekannten zu suchen, öffnet den Blick für neue Erlebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen.

Vierzigtausend Fragen stellen Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren, also etwa zwanzig pro Tag. Was glauben Sie, wie viele Fragen eine vierundvierzigjährige Führungskraft pro Tag stellt? Nur sechs!

Was ist passiert auf diesem langen Weg des Neugierverlusts? Der erste Bruch kommt, wenn wir uns auf den Weg in die Schule machen. Die Haltung, zu wissen, weitet sich mehr und mehr aus. Genau da liegt das Problem. Wir bauen unser Leben immer mehr auf dem vorgefertigten Wissen aus. Dabei nimmt die Freude am Entdecken von Neuem zunehmend ab.

Wie wirkt sich das im Leben von Jesusnachfolgern aus?

Findest du dich auch wieder in der Situation, die Bibel genügend zu kennen, das Wesen Gottes genügend erforscht zu haben? Oder konntest du dir die Neugier diesbezüglich erhalten? Zu wissen ist wohl eine der grössten Herausforderungen in unserer Zeit und Kultur. Ja, Wissen ist wichtig. Aber nur auf das vorhandene Wissen abzustützen ist fatal, weil es Wachstum verhindert. In verschiedenen Situationen, die die Bibel bezeugt, sehen wir, wie sich Menschen immer wieder ausstrecken, um in der Gegenwart Gottes mehr über ihn zu erfahren. Nehmen wir uns diese Personen zum Vorbild und eifern wir ihnen nach.

Paulus schreibt den Ephesern, dass geschenkte Gaben dazu dienen sollen, die Gemeinde aufzubauen. Er kommt zum Fazit: Das soll dazu führen, dass wir alle in unserem Glauben und in unserer Kenntnis von Gottes Sohn zur vollen Einheit gelangen und dass wir eine Reife erreichen, deren Massstab Christus selbst ist in seiner ganzen Fülle.

Neugier ist ansteckend

Nicht mehr unmündig zu sein, ist Paulus wichtig. Wie aber wollen wir Menschen zur Mündigkeit führen, wenn diese nicht neugierig sind? Ganz einfach: Wer Neugierverhalten an den Tag legt, prägt Neugierverhalten bei anderen. Neugierigsein ist ein Schlüssel, um das Unbekannte im Bekannten zu suchen. Es öffnet den Blick für neue Erlebnisse, Erkenntnisse und Erfahrungen. Diese Haltung lässt uns weiter eintauchen in das Wort Gottes, ermutigt uns, den Dialog mit Gott zu suchen, und fördert damit unsere Mündigkeit. Gerade die vergangenen Corona-Wochen haben gezeigt, dass geistliches Wachstum nicht delegiert werden kann. Es wird klar, dass dies in die Eigenverantwortung aller Christen gehört. Neugierigsein hilft uns dabei!

Neugierige haben keine Berührungsängste mit Vertrautem und Neuem. Das löst die beiden Handlungsweisen «gestalten» und «beschenken» unseres Credos aus. Ich wünsche mir deshalb, dass wir interessiert Anknüpfungspunkte ausmachen und diese dann auch aktiv in unser Leben integrieren. Anwendung finden sie dann in Gesprächen mit Menschen, die sich in anderen Lebenswelten befinden. Das kann den entscheidenden Unterschied machen, wenn es darum geht, sie mit dem Evangelium zu erreichen.

Matthias Anderegg, Leitung FEG Schweiz, matthias.anderegg@feg.ch

Credits:

Erstellt mit Bildern von Jules Bss - "Strange sign in the middle of a lake" • Eunice Lituañas - "wonder what’s up there"