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Teilen, Tauschen, Schenken Viele Trierer folgen einem weltweiten Trend: Sie verwenden statt zu verschwenden. Und haben Spaß dabei.

Weitergeben oder gemeinsam nutzen statt neu zu kaufen: Auch in Trier ist das ein Trend - vor allem, aber längst nicht nur unter jungen Leuten. Alltagsprodukte wie Bücher und Essen werden miteinander geteilt, aber auch Dienstleistungen und Wissen. Es geht um Nachhaltigkeit und darum, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Hier erzählen Menschen aus Trier, warum sie in der Sharing Community - das heißt soviel wie Gemeinschaft des Teilens - unterwegs sind.

Foto: Foto: iStock/EvgeniiAnd

,,Free Your Stuff ist eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook, in der ich Sachen weitergeben kann, die ich nicht mehr brauche, oder eben nach Sachen fragen kann, die ich gerne hätte. So kann ich schnell und unkompliziert etwas verschenken. Es geht bei Free your Stuff - das heißt soviel wie: Werde dein Zeug los - nicht um einen Tausch, sondern darum, einfach und ohne Schwierigkeiten Dinge wegzuschaffen, ohne sie in den Müll werfen zu müssen. Manchmal habe ich einfach keinen Platz und keine Verwendung mehr für etwas, aber jemand anderes würde sich sicher darüber freuen. Außer Angeboten von Katzenbabys oder sonstigen Lebewesen gibt es in der Free-Your-Stuff-Gruppe, die inzwischen Ableger in vielen Städten und Regionen hat, keine Grenzen. Man kann wirklich alles verschenken - von Küchenutensilien, Klamotten, Schuhen bis hin zum Auto.“

Texte, Fotos und Video: Linda Kobeissi

Free Your Stuff funktioniert zwar über soziale Netzwerke, kann aber durchaus auch den realen Kontakt zum Nachbarn fördern, wie Larissa Gaspers im Video erzählt:

Ballast loswerden zur Freude anderer: Facebook-Gruppe bringt Verschenker und Beschenkte zusammen.

,,Wenn ich reise, schlafe ich meistens bei Privatleuten auf dem Sofa. Im Gegenzug stelle ich meine Wohnung für andere so genannte Couchsurfer zur Verfügung. Die Reisenden aus aller Welt können mich online kontaktieren. Als Gastgeber treffe ich viele neue Leute aus verschiedenen Kulturen. Ich zeige meinen Gästen gerne den Trierer Dom und meine Lieblingskneipen. Couchsurfing ist einfach die günstigste Möglichkeit, in einer fremden Stadt zu übernachten. Der Aufenthalt ist kostenlos, viele Gäste bedanken sich aber, indem sie für ihren Gastgeber kochen. Ich selbst bringe immer eine CD von meiner Band mit.“

Texte, Fotos und Video: Florian Meo

So hat Philip Pfeiffer gemerkt, dass die Community der Trierer Couchsurfer ganz schön groß ist:

Couchsurfing: Überall Zuhause sein.

,,Spannend an meinen regelmäßigen Besuchen der Bücherzelle im Schammatdorf ist, dass ich nie weiß, welches neue Lesematerial mich erwartet. Das Durchstöbern des Bestands ist wie eine Schatzsuche - mal entdecke ich wertvolle Lektüre, mal nicht. Krimis stehen neben Kochbüchern, Bestseller-Romane neben fremdsprachigen Reiseführern. So komme ich öfters mit Themen in Kontakt, mit denen ich mich sonst nicht befassen würde. Tauschen statt wegwerfen - nach diesem Prinzip zu handeln, ist mir sehr wichtig. Deshalb leihe ich nicht nur aus, sondern stelle auch eigene Bücher in die Regale hinein und freue mich, wenn sie weitere Leser finden.‘‘

Texte, Fotos und Video: Lara Federle

In der Bücherzelle im Schammatdorf hat Mirko Schorn einmal einen ganz besonderen Schatz entdeckt:

Öffentliche Bücherschränke: Tauschbörsen für Lesebegeisterte.

,,Die Mitfahrzentrale BlaBlaCar ist für mich ein Segen! Ich mache dort jetzt seit rund eineinhalb Jahren mit und bin so froh, Teil einer Gesellschaft des Teilens zu sein. Ich bin dazu gekommen, weil ich eine Zeit lang aus persönlichen Gründen nicht alleine Auto fahren konnte und wollte - und da haben mir Freunde BlaBlaCar empfohlen. So konnte ich meine Angst überwinden, alleine zu fahren, und habe dabei auch noch wundervolle Bekanntschaften mit ganz verschiedenen Menschen gemacht. BlaBlaCar ist nicht nur ökonomisch sinnvoll, weil man ein bisschen Geld erhält, sondern auch ökologisch und vor allem sozial: Man teilt Geschichten miteinander und natürlich auch Zeit, in der man viel lacht, erzählt und sich ganz zwanglos kennen lernt.‘‘

Texte, Fotos und Video: Katrin Greiner

Ihre lustigste Fahrt verdankt Petra Bauer einem ungewöhnlichen Mitfahrer:

Unterhaltsamer Reisen: Mitfahrer treffen sich im Internet.

„Als Student bin ich viel mit dem Fahrrad unterwegs. Das bietet sich an, wenn man, wie ich, in der Nähe des Campus wohnt und einen kurzen Weg zur Uni hat. Als ich mein Fahrrad auf Vordermann bringen wollte, bin ich auf die Werkstatt Radhaus aufmerksam geworden. Ich habe nicht das nötige Know-How, um Reparaturen ohne fremde Hilfe zu erledigen - und die finde ich in der Radwerkstatt. Sie funktioniert wie die bekannteren Repair-Cafés, die es in vielen Städten, auch in Trier, gibt: Leute, die sich mit Reparaturen auskennen, teilen ihr Wissen mit anderen, die Hilfe brauchen. So spare ich Geld und lerne gleichzeitig etwas. Die Idee einer Werkstatt, in der man nur für Materialkosten zahlt und die Schäden gemeinschaftlich behebt, hat mir von Anfang an gefallen. In Zukunft kann ich kleine Defekte an meinem Fahrrad selbst reparieren und das Wissen, das mir vermittelt wurde, mit anderen teilen.“

Texte, Fotos und Video: Maire Palias

Ammar Bustami schätzt die Helfer im Radhaus sehr und erzählt: Sie können sogar Gedanken lesen.

Der Austausch von Know-how: Reparieren statt wegwerfen.

„Lebensmittel vor der Mülltonne retten und dafür sorgen, dass sie stattdessen im Kochtopf landen: Das ist Foodsharing - also das Teilen von Lebensmitteln. Nicht mehr ganz so frisches Obst und Gemüse ist häufig im Weg, wenn neue Ware kommt. Das holen wir in den Geschäften ab und verteilen es weiter. Als Mutter binde ich Foodsharing in unseren Alltag ein - so lernen meine Kinder spielerisch den Wert von Nahrung zu schätzen. Die beiden verteilen mit Spaß Obst und Gemüse an ihre Freunde. Das ist Foodsharing: gegenseitiges Geben und Nehmen. Jeder kann mitmachen, indem er Lebensmittel in einen der Trierer Fairteiler-Schränke bringt oder dabei hilft, sie organisiert zu retten. Foodsharing ist ein bisschen wie nachbarschaftliches Tauschen – nur größer.“

Texte, Fotos und Video: Francesca Hettinger

Foodsharing ist nicht nur sinnvoll - Anke Nagel und ihre Kinder lernen dabei auch so einiges:

Tonne statt Kochtopf: Foodsharing heißt, organisiert Lebensmittel zu retten.

„Als ich 2016 zum Studieren nach Trier gekommen bin, sind mir gleich die Hochbeete am Viehmarkt aufgefallen. Ich habe mich gewundert, dass mitten in der Stadt Tomaten und Kräuter wachsen. Nachdem mir ein Freund die ,Essbare Stadt' erklärt hatte, war ich begeistert und wurde ein Teil dieser Gemeinschaft des Teilens, der Share-Community. Im Studentenwohnheim habe ich nicht den Platz, selbst etwas anzupflanzen. Natürlich kann ich mich nicht komplett aus den Beeten in der Stadt versorgen. Aber darum geht es auch nicht in erster Linie. Ich habe viele Leute beim Ernten kennen gelernt und erhalte ständig neue Rezept-Ideen.“

Texte, Fotos und Video: Silas Gabriel

Max Hofman hofft auf eine große Zukunft für die essbare Stadt Trier:

Die Stadt als Garten: Frisches Obst und Gemüse für alle.

„Die Idee des Kleidertauschens kam vor ein paar Jahren in meinem Freundeskreis auf. Seitdem treffen wir uns meistens, wenn die Jahreszeit wechselt, zuhause oder im Park. In einer herzlichen und offenen Atmosphäre tauschen wir unsere Klamotten untereinander aus. Die Kleidung ist bunt gemischt, in den unterschiedlichsten Größen, Farben und Stilrichtungen gibt es von Hosen, Kleidern, T-Shirts, Pullis und Jacken bis hin zu Schuhen und Schmuck wirklich alles. So kann ich durch das Jahr kommen, ohne mir großartig neue Anziehsachen zu kaufen. Kleidertausch gibt es auch in großem Stil, Trierer Studenten organisieren regelmäßig Börsen. Ob privat oder organisiert: Es ist einfach die angenehmere Variante zum Flohmarkt und gleichzeitig schonend für das Portemonnaie und für die Umwelt.“

Texte, Fotos und Video: Katja Röhler

Kleidertauschpartys folgen nicht nur den neuesten Trends, sogar Altertümchen finden so Liebhaber:

Privat oder im großen Stil: Kleidertausch statt Shoppingrausch.

Diesen Beitrag haben Studierende des Fachs Medienwissenschaften an der Uni Trier bei einer Lehrveranstaltung des Trierischen Volksfreunds erstellt.

Redaktion: Lara Federle, Silas Gabriel, Katrin Greiner, Francesca Hettinger, Linda Kobeissi, Florian Meo, Maire Palias, Katja Röhler.

Projektleitung: Inge Kreutz (Trierischer Volksfreund)

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