K&G GO ICELAND • 10 MEHR FOTOGRAFIE

Zitat von Marc: Ich bin doch nicht als Bergziege auf die Welt gekommen!

Unser zehnter Tag war wieder voll mit Fotografie. Nachdem wir nun seit einiger Zeit schon auf der Insel umher düsen und uns ziemlich gut in verschiedenen Gegenden auskennen, haben wir uns für diesen Tag etwas Besonderes vorgenommen. Unsere Locations sollten tolle epische Szenen sein und zwar solche, die man nicht in Deutschland um die Ecke bekommt. Und dafür waren so einige erfurchtsvolle Fußmärsche eingeplant.

Das Problem beim Fotografieren hier ist, dass man zwar viele tolle Spots findet, dass man sich aber dabei immer fragt, na toll, irgendwo in Deutschland hätte ich das auch machen können? So eine Felsenformation ist toll und ein Model drauf legen ist auch super, aber dafür muss man nicht nach Island.

Hier gibt es besondere Landschaften, Weiten und besondere Farben. Und genau das müssen wir herausarbeiten. Dafür braucht es aber wirklich tolle Spots und die sind nicht so einfach zu finden. Viele Ecken hier in Island blenden das Auge mit Schönheit, für ein Foto mit Model sind sie aber untauglich. Das beste Beispiel findet sich ganz unten...

Ich möchte euch nicht wieder mit irgendwelchen Bildern aus unserem Haus langweilen. Natürlich haben wir wieder gefrühstückt, in faulen Eiern geduscht und auch zusammen gearbeitet. Das muss ich aber nicht erneut zeugen. Ein Bild vom Bagel-Schmieren für die Tagesverpflegung sollte ausreichen. So ein bisschen wie der Wanderurlaub mit Mutti und Vati ist das hier für uns. Brote schmieren, Apfel und Banane für unterwegs und die Kiste RedBull holen wir frisch vom Supermarkt jeden Tag neu. Auch wenn viele Preise hier in Island nicht nachvollziehbar sind, so ist das RedBull nicht sonderlich teuer. Etwas über einen Euro kostet die Dose. Wir haben aber auch schon Hackfleisch für 18 € für 500g gefunden. Und das im normalen BONUS-Supermarkt. Discounter gibt es hier nicht aber viel normaler und günstiger als bei Bonus kann man nicht einkaufen. Ich frage mich wie man sich Hack für 18 € leisten kann???

Noch eine nette Side-Story. Seht ihr den Daumenring von Marc? Der ist normalerweise silber glänzend. Nach einer Dusche in Island ist all unser Silber schwarz geworden. Meine Kette, sein Daumenring... alles... Muss irgendwas im Wasser sein, schwarze Farbe! Da hilft wohl nur noch Alu und Salz wenn wir wieder zuhause sind.

35mm f2

Unsere Startlocation war ein episches Feld aus Steinen, einem tollen Himmel und im Hintergrund ein tolles Bergpanorama mit lauter schneebedeckten Berggipfeln. Ich achte bei derlei Locations immer darauf, möglichst wenig Zivilisation im Bild zu haben. Strommasten gehen gar nicht!!!

Für dieses Setup haben wir jedenfalls direkt den Jinbei-Blitz raus geholt und kräftig rumgeleuchtet. Gerade als wir anfangen wollten kam ein extrem starker Wind auf. Jetzt waren wir in der Zwickmühle. Der Wind war so stark, dass selbst das schwere Kleid des Models begann zu fliegen, allerdings wurde die Softbox mit Stativ zu einer sehr wackeligen Angelegenheit. Da alle Hände an den Filmkameras waren, konnte auch niemand sonst halten. Das Motiv war aber zu gut... Das Foto musste einfach gemacht werden! Also habe ich weiter fotografiert und ein kurzes Stoßgebet gen Himmel geschickt. Und tatsächlich konnten selbst einige starke Windstöße den schweren Galgen und den HDII600 nicht umwerfen.

Für dieses Bild bei f11 haben wir 1/4 Leistung gebraucht. Das macht 150Ws.

Nach diesem ersten Foto ging es dann direkt weiter in die Berge. Mit voller Ausrüstung für Foto UND Video mussten wir elendig lange Bergkrackseln. Es schien kein Ende mehr zu nehmen und Stahlstative samt Blitze und Softboxen auf eine Bergspitze zu schleppen ist echt der blanke Wahnsinn. Zwischenzeitlich japsten wir nach Luft und konnten uns nur noch mit einigen Minuten Pause auf die nächsten Höhenmeter vorbereiten. Das ganze lockere Geröll der isländischen Berge macht die Sache nicht viel einfacher. Wirklich sichere Steine zum Treten gibt es oft nicht, manche Brocken bröseln bei Berührung einfach auseinander. Geschweige wenn man mit seinen 100kg drauf tritt. aber wir wollten auf die Bergspitze und mit einem tollen Panorama fotografieren. Und daher mussten wir leiden. Das gehört dazu. Bloß fragt man sich dann doch, ob man nicht das eine oder andere weniger aufwendige Foto in der Zeit hätte machen können.

Links der Start, rechts das Ende!

Es lohnte sich aber. Denn wir wuden belohnt mit einer Traumlocation an der wir sogar zwei Fotos machen konnten. Ein Foto in Südrichtung und eines in den Norden hinein.

35mm f2

Das Besondere an dieser Location war mein Super-Mega-Galgen in Form eines riesigen Felsenbrockens, dem Stativ im vollen Auszug und Marcs Körper als dezentes Gegengewicht. Kurzum, wir liesen den Blitz ca. 3m über den Felsen hinaus ragen und hatten damit eine Art Blitzlicht in der Luft.

Und zwischendurch kommt in Island immer wieder Highlander, Hobbit oder Braveheart Feeling auf. Nein, Drogen waren keine im Spiel!

35mm f2

Fotografisch ist Island nicht einfach eine Herausforderung bezüglich der Fotos, sondern auch bezogen auf das gesamte Drumherum. Das Wetter bleibt bei uns nie wirklich stabil. Hat man eine Idee, fängt an den Berg hoch zu wandern, baut dort auf und will loslegen mit den Fotos, dann kann man sicher sein, dass sich das Wetter um 180 Grad gewendet hat und nicht mehr so ist, wie eigentlich geplant. Zudem kommt natürlich die Temperatur und die Kälte hinzu. Hochsommer in Winterjacken mit Skiunterwäsche... hatte ich mir nicht so gedacht. Und das gibt einen doppelten Druck, denn die Modelle stehen in einem Hauch von Nichts in der Kälte herum.

Dieser ganze Staub und der Dreck sind echt eckelig...

Nach diesen ersten drei Fotos des Tages hatten wir schon acht Stunden des Tages verbraucht... aber die Nacht würde ja auch noch kommen und die ist in Island ja bekanntlich viel viel schöner als der Tag.

Und tatsächlich, wir hatten extrem Glück. Die Sonne kam nochmals kurz raus und wir waren in greifbarer Nähe eines Berggipfels. Marc bretterte wie ein Bescheuerter drauf los und machte selbst vor den letzten Höhenmetern auf der Schotterpiste nicht halt. Zum Leidwesen des Autos und dessen Unterboden... :-(

Zusätzlich gab es auch noch eine kleine Schrecksekunde mit wirklichem Herzstillstand. Als wir nämlich mit dem Auto über die Kuppe kamen, traf uns die Abendsonne mit voller Wucht. Eine derartig starke Sonne haben wir alle noch nie erlebt. Wir waren geblendet und konnten wirklich nichts mehr sehen. Weder Straße noch sonst was! Ich musste tatsächlich mit dem Reflektor aussteigen und dem Fahrer Schatten werfen. Man konnte aus dem Auto nix mehr erkennen aber auch gar nix mehr. Und das auf einer steilen Bergstraße aus Schotter. Angstschweiß!

Aber immerhin war der Reflektor dann schon aufgebaut und ich konnte wirklich noch geniale Fotos im Sonnenuntergang machen. Man kann auf dem Foto erkennen dass schon bei unserer Ankunft die Sonne sehr knapp an der letzten Wolkenschicht kurz vor dem Horizont war. Wir hatten noch genau 19 Minuten Zeit für unsere Fotos. In Deutschland wären es 2 gewesen...

35mm f2

Und natürlich sammelte unsere GH4 weiter fleisig ihre TimelapseDaten. Insgeamt schon über 318GB an Rohdaten nur für Timelapses von ziehenden Wolken. Aber alle hier gucken jedes Mal aufs Neue gespannt auf die fertigen 20 Sekunden Video. Sieht einfach Bombe aus wenn unsere Welt so schnell läuft dass die eigentlich kleinen, unsichtbaren Änderungen sichtbar werden.

Und natürlich nutzen wir jede Möglichkeit um zu fotografieren.

35mm f2

Wenn man kein Stativ hat, dann braucht man halt etwas Anderes als Option. In diesem Falle eine starke Schulter und jemand der mal eben die Luft anhält. Hier fotografiere ich gerade nach Sonnenuntergang in der Ferne ein mit Nebel zugehangenes Tal mit ca. 450mm Brennweite. Das Ganze bei 1/150s Belichtungszeit bei f6.3 und ISO1600. Grenzwertig und ohne Stativ nicht wirklich machbar. Der Begriff SCHULTERSTATIV bekommt da eine ganz neue Bedeutung.

Währendessen ging es dem Model im warmen Auto sichtlich gut. Aber Sina hatte ja auch noch einige Arbeitsstunden vor sich in dieser Nacht. Echt extrem wie verdammt lange die Tage hier gehen und wie wenig wir alle zum Schlafen kommen. Wir können ja total kacke morgens ausschauen aber die Modelle müssen ja rund um die Uhr glänzen.

Der Sonnenuntergang verwandelte sich direkt in einen fantastischen Abendhimmel. Wir konnten nichteinmal unsere Kameras abkühlen lassen sondern blieben direkt auf dem Auslöser!

Das Bild oben zeigt besagten Nachthimmel und taugt auch prima um eine kleine fotografische Angelegenheit zu besprechen. So schön und besonders dieser Himmel auch ist, so brutal war die fotografische Lektion die er uns erteilte. Wir hatten anfangs nämlich im Sinn ein tolles Model-Foto mit dem Hintergrund zu machen, endeten aber bei ein paar Landschaftsfotos ganz ohne Model. Die Lektion die wir hier lernen mussten war, dass der Hintergrund zu schön aussah für ein Model. Das Glühen am Nachthimmel sah kombiniert mit dem Model davor so unwirklich aus, als hätten wir Greenscreen und Photoshop kombiniert. Die Reflektionen im Wasser, die Landzunge, der See, die Wolken, alles erwekte den Eindruck eines Photoshop-Hintergrunds. Wir schafften es nicht ein halbwegs vernünftiges Foto zu machen und beschlossen einfach das Model sich im Wagen aufheizen zu lassen und nutzen die Zeit für ein paar tolle Fotos vom Nachthimmel. Man hätte sicherlich das eine oder andere probieren können aber der See war mit ca. 4 Grad Celsius viel zu kalt um nur daran zu denken sie ins wasser zu stellen und der Strand drumherum war nicht sauber und ordentlich genug um den Boden mit zu integrieren. So kann es gehen...

Die Modelfotografie hier in Island ist anders, ich finde sogar schwieiriger als sonst überall. Im Endeffekt konkurrieren immer das Model und die Location und die schwierigste Aufgabe ist es, beide Dinge in Einklang zu bringen. Daran verzweifeln wir immer wieder aufs Neue. Es ist auch wirklich nicht mit Deutschland zu vergleichen. Dort hatte ich dieses Gefühl der Konkurrenz selten und wenn dann niemals so stark. Es gibt Fotos hier, da geht das Model unter und dann muss man etwas tun, und dann gibt es wiederrum Fotos bei denen die Location einfach nicht so genial wirkt, wie sie es verdient hätte. Beide Optionen sind echt schlecht!

35mm f2

In diesem Sinne, ich bin schon wieder einen Tag hinterher mit dem Tagebuch... TUT MIR SORRY aber ich muss jetzt los. Gibt ja noch mehr hier zu machen als zu Tippen!

LG Martin

Created By
Martin Krolop
Appreciate
(C) Krolop&Gerst www.krolop-gerst.com/blog

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