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Eine Werkstatt für alle Im Mach-Zentrum Wollmatingen kann man nicht nur Bohrmaschinen und 3D-Drucker mieten

Konstanz, den 03.03.2019

Text: Vivien Götz, Bilder: Vivien Götz, Layout: Pia Sautter

Gravieren, schrauben, sägen, bohren–in Konstanz gibt es seit gut einem Jahr einen Ort, an dem sich alle Heimwerker_innen und Hobbybastler_innen austoben können. Im Mach-Zentrum in Wollmatingen stehen sowohl Räumlichkeiten, als auch Geräte zur Verfügung, um kreative Projekte umzusetzen. Klaus Koenig hat das Mach-Zentrum gegründet um Menschen ohne eigene Werkstatt die Möglichkeit zu bieten, kleinere handwerkliche Arbeiten selbst auszuführen.

Klaus Koenig hat das Mach-Zentrum vor gut einem Jahr gegründet.

Dazu ist die Gemeinschafts-Werkstatt im Industriegebiet nicht nur mit schwerem Gerät wie Standbohrmaschinen und Sägen ausgestattet, sondern bietet vom Laser-Gravierer bis zum 3D-Drucker eine große Bandbreite an Möglichkeiten, sich handwerklich auszutoben. Wer die Maschinen nutzen will, kann über die Website des Mach-Zentrums die gewünschten Belegzeiten buchen. Klaus Koenig betreut den sogenannten "Makerspace" zusammen mit einigen Mitarbeitern, größtenteils Studierende von der HTWG. Während der Öffnungszeiten ist immer jemand vor Ort, um Neulinge an den Maschinen einzuweisen und um bei Problemen zu helfen.

Die Mitgliedschaften, welche Monatsweise oder Jährlich gestaffelt sind, sind für Schüler_innen und Studierende kostenlos. „Die Stundensätze an den Maschinen entsprechen ungefähr denen der Hochschule“, sagt Kalus Koenig. Studierende, die das Mach-Zentrum nutzen, wenn die Werkstätten der HTWG mal wieder ausgebucht sind, müssen so nicht mehr bezahlen, als wenn sie an der Hochschule arbeiten würden. Koenig war früher als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Konstanz tätig und kennt das Problem der überlasteten Werkstätten. Es sei eines der Ziele bei der Gründung des Mach-Zentrums gewesen, den Studierenden an der HTWG eine Ausweichmöglichkeit zu bieten. Besonders wenn die Deadlines in den Projektphasen der Kreativ-Studiengänge näher rücken, ist in der Werkstatt viel los. „Es haben sich auch schon Lerngruppen in unseren Konferenzraum eingemietet“, erzählt Koenig. Der Raum ist mit einem Whiteboard und einem Beamer ausgestattet und soll Projektgruppen oder Start-Ups ohne eigene Infrastruktur die Möglichkeit bieten, professionelle Präsentationen zu halten.

Abgesehen von den Studierenden sei die Kundschaft total gemischt, sagt Klaus Koenig. Ziel seines Mach-Zentrums sei es dabei auf keinen Fall, den Konstanzer Handwerksbetrieben die Kundschaft abzugraben. Koenig will den Menschen vor allem die Möglichkeit bieten, kleine und schnelle Arbeiten zu erledigen oder Projekte umzusetzen, die sich für Handwerksbetriebe nicht lohnen. „Wir wollen das Angebot der Handwerker ergänzen“, erklärt Koenig.

Die Maschinen im Mach-Zentrum stehen allen zur Verfügung; lediglich eine Einweisung entsprechend dem eigenen Kenntnisstand ist notwendig; bevor man sie nutzen kann.

Als reiner Makerspace für Studierende und Privatpersonen würde sich das Mach-Zentrum allerdings auch nicht tragen. „Wir querfinanzieren und nutzen die Infrastruktur auch für unsere jetzt-GmbH“, sagt Klaus Koenig. Die von ihm gegründete Firma ist dazu gedacht, Menschen mit innovativen Ideen bei deren Umsetzung zu unterstützen.

„Wir bieten Infrastruktur, technisches Know-How und den rechtlichen Unterbau, um einfach mal anzufangen.“

, erklärt Koenig das Konzept. Das Ziel seienmöglichst geringe Hürden, so dass es wirklich keine Ausreden mehr gebe, tolle Ideen nicht umzusetzen. Wenn sich die Ideen, die die jetzt-GmbH unterstützt, verkaufen lassen, dann wird der oder die Erfinder_in bei der Gründung einer eigenen Firma unterstützt–die jetzt-GmbH bleibt bei dieser Firma dann stiller Teilhaber.

Wie die Machwerkstatt ist auch die jetzt-GmbH eng mit dem Engagement und den Ideen von Studierenden verbunden. Klaus Koenig war früher am Openinnovation Lab der HTWG tätig und die jetzt-GmbH steht Studierenden beispielsweise auch als Zweitkorrektor für handwerkliche Abschlussarbeiten zur Verfügung. „Wenn sie mit einem Abschlussprojekt zu uns kommen und wir von der Idee überzeugt sind, können sie ihr Bachelor- oder Masterprojekt direkt nach dem Abschluss auf den Markt bringen“, sagt Koenig. Gerade seien sie auf der Suche nach Studierenden kurz vor dem Masterabschluss, die ein Interesse daran hätten, für die verschiedenen Projekte der jetzt-GmbH entsprechende Marketingkonzepte zu entwickeln. „Man würde sich quasi mit der Abschlussarbeit seinen eigenen Arbeitsplatz schaffen“, so Koenig.

Niels Fenkl und Johannes Stiefel nutzen das Mach-Zentrum gerne für ihre Projekte.

Sowohl das Mach-Zentrum als auch die jetzt-GmbH sind Einrichtungen, bei denen man sich mal wieder bei dem Gedanken erwischt: „Das hätte ich Konstanz gar nicht zugetraut.“ Allerdings muss man nach diesen Angeboten lange suchen und viele würde man ohne die Tipps von Eingeweihten wohl niemals von selbst entdecken. Auch das Mach-Zentrum liegt recht versteckt im Industriegebiet, am Rande des Wollmatinger Rieds, in einem Hinterhof. Aber es gibt eine Bushaltestelle in Lauf-Nähe und alle kreativen Köpfe und Erfinder_innen haben somit eigentlich keine Ausreden mehr, sich nicht direkt auf ihr nächstes Projekt zu stürzen.

Created By
Campuls Hochschulzeitung
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Credits:

Created with an image by Capri23auto - "lathe metalworking machine"

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