Der Wohnraum der Zukunft ist flexibel: schnell aufzubauen, jederzeit erweiter- und adaptierbar, im besten Falle sogar mobil zu bewegen. Acht Studenten des Studiengangs „Zukunftsdesign“ arbeiten an einem Wohnkonzept, das modular auf die individuellen Wünsche und Anforderungen sowie Veränderungen in der Lebenssituation künftiger Bewohner reagiert.
Das Team ist interdisziplinär aufgestellt: Ingenieure, Designer, Sozialarbeiter, Kaufleute und Selbständige. Diese Diversität der Kompetenzen und Sichtweisen ist die Basis erfolgreicher Projektarbeit im Masterstudium „Zukunftsdesign“. „So kommen wir am besten zu einer nachhaltigen Gesamtbetrachtung und Lösung, die alle wichtigen sozialen, ökologischen und technologischen Aspekte vereint“, ist sich Student Dominik Blechschmidt sicher. „Unser Ergebnis ist vielschichtiger und weiter gedacht, als wenn man lediglich in einem aus Technikern bestehenden Team zusammenarbeiten würde.“
Was das Team nun bereits nach einem Semester vorgelegt hat, geht vor allem auf die Wohnbedürfnisse in Ballungsräumen und Gegenden mit immer weniger zu Verfügung stehender Fläche und steigenden Mietpreisen ein. „Auch in wachsenden und wirtschaftsstarken Städten wie Coburg fehlt mittlerweile Wohnraum, den sich Studenten und junge Berufseinsteiger noch leisten können“, betont Peter Schott, der in Nürnberg ein Ingenieurbüro betreibt und in dem Projekt als externer Partner fungiert. „Die konzipierte Modulbauweise kann ein Lösungsweg sein, den dringend benötigten Wohnraum sehr schnell und flexibel in neuen Siedlungen zu realisieren.“
Das Konzept des Projektteams sieht für die Modulhäuser eine zunächst festgelegte Grundstruktur vor. Die Schlaf- und Wohn- sowie Sanitärfunktionen sind im Basismodul bereits fest verankert. Hier legt man besonderen Wert auf umweltfreundliche Materialien und eine energieeffiziente Dämmung. „Der ökologische Fußabdruck wird sehr gering sein, allein schon durch die minimalistische Größe und die geringe Bodenversiegelung“, schreibt das Projektteam in seinem Konzeptpapier. Für die Individualisierung der Module seien Erweiterungen und veränderte Ausstattungen jederzeit möglich. Dies reicht vom Innenausbau über die äußere Verkleidung bis hin zu zusätzlichen Raumeinheiten. „Unser Ziel ist, dass sich der Wohnraum beliebig erweitern lässt.“
Nun gilt es für das Team, seine Vision vom „Wohnen der Zukunft“ in die Tat umzusetzen. Im laufenden Semester möchte man hierfür ein Start-up gründen. Und aktuell laufen bereits Gespräche mit der Stadt Coburg über geeignete Flächen für die Modulhäuser. Dominik Blechschmidt: „Mit diesem Projekt können wir dringend benötigten Wohnraum schaffen, der den modernen Erwartungen und sich verändernden Lebensbedingungen der Menschen gerecht wird.“
Zukunft studieren
Der Master-Studiengang „Zukunftsdesign“ ist 2016 mit 21 Studenten gestartet, in diesem Jahr sind es bereits an die 100. Maßgeblich ins Leben gerufen wurde er von Michael Pötzl, dem verstorbenen Präsidenten der Hochschule Coburg, und Hans Rebhahn, Vorstandsprecher des Innovationszentrums Region Kronach (IZK). Die Stadt Kronach ist, neben der Coburger Hochschule, der zentrale Studienort. Ein Großteil der Studienveranstaltungen findet in einem Gebäude auf dem Gelände der dortigen Firma Loewe statt.
Im Frühjahr dieses Jahres ist der Masterstudiengang mit dem „Preis für herausragende Lehre 2018“ ausgezeichnet worden. Damit sieht man sich bestätigt, dass das Lehrkonzept den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Lernforschung entspricht. Eine Jury aus Fachleuten und Studierenden hat den Preis zugesprochen.
„Innovative Bildungskonzepte sind eine entscheidender Schlüssel, um den demografischen Herausforderungen aktiv zu begegnen“, betont Hans Rebhan, der neben seiner leitenden Funktion als IKZ-Vorstand auch Vizepräsident der oberfränkischen IHK in Bayreuth ist. Die Auszeichnung sei Ansporn, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. „Junge, unverbrauchte Köpfe nehmen sich der Region in Form von Projekten an, die zugleich als Vehikel für die Wissensvermittlung dienen.“