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Sub Conditione Jacobi Markus Karzelek, Breslau, Polen

«Wir können nicht die Zukunft vorhersagen.» Das ist eine Binsenweisheit. Wir alle wissen es … und doch benehmen wir uns oft so, als könnten wir die Zukunft vorhersagen, oder sogar herbeiführen.

Wir planen unseren Jahresurlaub. Wir machen Quartalspläne für unsere Jungschargruppen, Jahrespläne für den Predigtdienst oder gar 5-Jahres-Pläne für unsere Gemeinden oder Missionswerke. Wir arbeiten an Situationsanalysen, entwerfen Strategiepapiere und planen den Ablauf der Jungschartreffen minutengenau. Das hilft uns – keine Frage – bessere Gottesdienste und Jungschartreffen zu gestalten oder auch sicherzugehen, dass wir unseren Gemeinden eine ausgewogene theologische Mahlzeit servieren.

Doch immer mal wieder benutzt Gott Ereignisse wie z.B. Pandemien, Wirtschaftskrisen oder gar Kriege, um uns daran zu erinnern, dass alle unsere Pläne vorläufig sind. Natürlich erleben wir individuell auch ohne so gravierende Ereignisse, dass wir nicht die Zukunft im Griff haben. Doch in den vergangenen 18 Monaten haben wir alle kollektiv unsere Machtlosigkeit erlebt. Wie viele Jungschartreffen, Gemeindeausflüge, Konferenzen, Strasseneinsätze oder Schulungen mussten abgesagt werden, nur weil jemand in China eine Fledermaus gegessen hat.

Mich persönlich hat es hart erwischt, denn wir haben 2020 mit unserer jungen, überregionalen Jungschar­arbeit so richtig loslegen wollen. Die Liste der abgesagten Schulungen ist nun um einiges länger als die der durchgeführten. Auch in unserer Jungschargruppe vor Ort haben wir über ein Jahr lang nur sporadisch Jung­schartreffen durchführen können. Und jetzt sehen wir, dass etliche Kinder weggeblieben sind. Sowas tut weh.

Was machen wir nun damit? Empfinden wir Frust? Das ist verständlich. Selbst Glaubenshelden wie z.B. König David haben Frust bei Gott abgeladen. Aber was dann? Bleiben wir beim Frust stehen? Dann müssten wir uns womöglich die Worte Jesu aus Lk 12,20 sagen lassen: «Du törichter Mensch!»

Jakobus erinnert uns im 4. Kapitel seines Briefes daran, dass wir wie Dampf sind, der eben noch da und schon wieder verschwunden ist, und fordert uns dazu auf sich beim Pläneschmieden in Demut zu üben:

«Statt solche selbstsicheren Behauptungen aufzustellen, solltet ihr lieber sagen: «Wenn der Herr es will, werden wir dann noch am Leben sein und dieses oder jenes tun.»

Diese Lektion will ich mir zu Herzen nehmen und in den Plänen für den Herbst und Winter diesen Jakobäischen Vorbehalt mitberücksichtigen. Solche Demut beugt Frust vor und ermöglicht Dankbarkeit auch in wechselhaften Zeiten.

Markus Karzelek, markus@karzelek.eu

Bitte mit Vermerk Vision Europa, Polen

Credits:

Erstellt mit einem Bild von tomekwalecki - "flag mast poland"