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Grenzenlos Literatur 2021 In Time of Corona ....

“Ich schreibe, also bin ich.
Ich werde gelesen, also bin ich nicht allein.”
Kurt Marti

Kurt Marti (* 31. Januar 1921 in Bern; † 11. Februar 2017 ebenda) war ein Schweizer evangelisch-reformierter Pfarrer und Schriftsteller.

Francesca Buoninconti: Grenzenlos - Die erstaunlichen Wanderungen der Tiere

Folio 2021

Kurt Bauer: "In drei Abschnitten werden Tierwanderungen in der Luft, zu Wasser und an Land geschildert. Dazu sehr interessante Hintergrundinformationen, wie man diese Daten erheben konnte. Eine kleine Küstenseeschwalbe legte in einem Jahr 90.000 km zurück: von der Arktis zur Antarktis über Australien und wieder zurück. Monarchfalter in Nordamerika fliegen jedes Jahr von Kanada nach Mexiko, und im nächsten Jahr wieder zurück. Allerdings in 3-4 Generationen! Wie finden die den Weg zurück? 6 cm große Wanderlibellen fliegen mit den Monsun-Winden aus der Himalaya-Region quer über den Indischen Ozean nach Südafrika und mit dem drehenden Monsun wieder zurück. Ihnen folgen die kleinen Amur-Falken, deren Hauptnahrung sie sind. Frisch geschlüpfte kleine Meeresschildkröten merken sich offenbar die Sternbilder und die Koordinaten des Erdmagnetismus (!) ihre Geburtsstätte. So können sie Jahre später wie aus dem Nichts wieder an den selben Strand zurückkehren, um ihre Eier dort abzulegen. Die Wanderung der Kaiserpinguine am antarktischen Eis und die Brut am Eis im antarktischen Winter ist unglaublich und fast herzzerreissend. Ein sehr interessantes Buch, gut zu lesen mit anschaulichem Kartenmaterial."

Vögel halten ihre Fristen immer ein

Hans Bürger „Selbstverständlich ist nichts mehr“

Braumüller 2020

Andreas Pöll: "Für eine große Anzahl an Menschen ist die Arbeit Lebensinhalt, oder im Ungefähren ein großer Teil des Lebens. Was unternimmt der Mensch wenn ihm heute Schritt für Schritt die Arbeit verläßt? Weil im Produktionsprozeß oder im Handel fast jeder 2te Arbeitsplatz ersetzt wird .. durch Digitalisierung, Robotik oder künstliche Intelligenz (KI). In seinem vierten und neuen Buch hat Hans Bürger ausführlich die Themen „Produzieren und Konsumieren, das Wachstum und den Wohlstand unserer gegenwärtigen Gesellschaft“ genauer beleuchtet. Die Digitalisierung der heutigen Arbeitswelt, hochkomplexe Algorithmen, die permanente Datensammlung „Big Data“, die Globalisierung der Produktion des Handels und der wiederkehrend auftretenden Pandemien verändern uns und unsere Umgebung in einem immer größeren Ausmaß. Auf der Suche nach einem besseren, sinnerfüllteren und weiseren Leben geht Hans Bürger bis in die Antike zurück. In eine Zeit, in der Arbeit eher verpönt war. Einfließen läßt er die Glücksforschung, aus der Sinn- und Weisheitsforschung versucht er Antworten auf die konkrete Tagespolitik abzuleiten. Halten wir Abstand zum Tempowahnsinn der letzten Jahre und schalten wir nicht nur wegen Corona einmal einen Gang zurück."

Hans Bürger über sein neues Buch "Selbstverständlich ist nichts mehr"

(c) Nadja Meister St.Pölten 2020

Orlando Figes: Die Europäer

Hanser 2020

Kurt Bauer: "Pauline Viardot, eine herausragende Sopranistin, Louis Viardot, ihr Gemahl und ein brillanter Experte der spanischen und französischen Malerei und Iwan Turgeniew, berühmter russischer Schriftsteller, reicher adeliger Grundbesitzer in einer „Menage a Trois“ erleben die technischen, politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 19. Jhdts. Ein atemberaubendes Panorama der Zeit mit Querverbindungen zu den führenden Persönlichkeiten und politischen Ereignissen. Besonders interessant die „Europäische Euphorie“ dieser Gesellschaft vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1870, und der abrupte Verfall Europas in den Nationalismus danach. Ein geschichtliches Sachbuch der Sonderklasse mit vielen jnteressanten Bildern. Für mich „Das Buch des Jahres“.

Orlando Figes and the beginning of European culture | European Lab 2019 | Live Talk

Franzobel: Die Eroberung Amerikas

Zsolnay 2021

Heinz Stipsits: "Nie zuvor kam ein Europäer in jene Gegenden der heutigen USA, ehe der spanische Seefahrer und Konquistador Ferdinand Desoto, span. Hernando de Soto, auf seinem ‚Eroberungszug‘ von 1538 bis 1542 von Kuba kommend über Florida die größte Expedition durch den Südosten der heutigen USA vollführte. Mit ihm waren über 700 Mann Begleitung, dazu 220 Pferde, viele Schweine, Hühner, Wolfshunde, und natürlich Kanonen, Priester und Kreuze. Diese Expedition war die größte ihrer Zeit, auch noch im 17. Jahrhundert gab es keine größere, allerdings war es die am wenigsten von ‚Erfolg‘ gekrönt. Desoto, geboren um 1500, hatte schon 1532 Francisco Pizarro nach Peru begleitet, war demnach höchst erfahren in der Unterwerfung von indigenen Stämmen, machte in Peru ein Vermögen, nicht nur mit dem Gold der Inkas sondern auch mit Sklavenhandel. Dennoch erbittet er vom Habsburger Karl V. eine Expedition auszurüsten, damals nannte man den gesamten Südosten der heutigen USA einfach Florida, und versprach dem Kaiser noch mehr Ruhm, Ehre und Reichtümer aus diesem Teil der Terra incognita zu holen. Des Kaisers Auftrag lautet schlicht: ‚die noch unbekannte Region innerhalb von vier Jahren zu erobern, zu bevölkern und zu befrieden‘.In diesen vier Jahren durchqueren die Konquistadoren Florida, ziehen nach Norden, überqueren die Appalachen, heute Georgia, South und North Carolina, dann weiter nach Westen und wieder Süden. Auf diesem Weg –der keiner war – trafen sie ständig auf die Urbevölkerung Amerikas, die heute ‚First Nation‘ genannt werden soll. Ständig auf der Suche nach den sagenhaften Goldschätzen, welches sich aber oft als Kupfer herausstellte, waren die Spanier auch im permanenten Kampf mit der Natur, aber auch mit der Urbevölkerung. Besonders die Schlacht bei Maubila zeigte einen traurigen Rekord: in der neunstündigen Schlacht kamen ca. 40 Spanier um, fast alle waren verletzt, allerdings mussten mehrere tausend Krieger der Chocktaw sterben, entweder direkt im Kampf mit den ungleichen Waffen, durch Feuer, oder Hinrichtungen und viele auch durch Suizid. Den Siegern blieb allerdings fast gar nichts, viele Verletzte, Verluste an Ausrüstung, Pferden und vor allem Moral waren die Folge.Sie zogen weiter nach Westen und gelangten oder entdeckten den Mississippi und überquerten auch diesen mit sehr viel Mühe. Der heute angenommene ‚de Soto Trail‘ führte dann über die heutigen Bundestaaten Mississippi, Arkansas, Oklahoma bis nach Texas. Sie überwinterten am Arkansas River und kehrten demoralisiert zum Mississippi zurück, wo Desoto am 21. Mai 1542 – vermutlich an einer Fieberkrankheit verstarb. Die verbliebenen Männer brachen die Expedition ab, fuhren den Mississippi abwärts bis zur Mündung, überquerten den Golf von Mexiko bis sie wieder auf spanisches Territorium gelangten. Nur ca. 310 Männer kehrten zurück, ohne Gold, ohne Ruhm, ohne Frieden."
Kommentar: "Diese historische Figur und auch der gesamte Eroberungszug wird von Franzobel mit sehr viel Fantasie und noch mehr Lust am Fabulieren viel zu oft in eine lächerliche Posse mit historischen Fakten verquickt, ein ständiges Wechseln der Handlungsstränge, des Zeitablaufs, der historischen Figuren und der Romanfiguren, immer wieder Fakt gegen Fiktion, aber eigentlich ein Fake, vor allem am interessierten Leser. Nicht genug des Schabernacks, wird auch noch eine zeitaktuelle Rahmenhandlung in die 540 Seite hinein gezwängt. Nach einer völlig absurden Sammelklage einer Anwaltskanzlei wird vom Supreme Court nach viereinhalbjähriger Prozessdauer (genauso lange wie die Desoto Expedition dauerte) folgendes rechtskräftiges Urteil verkündet: die Vereinigten Staaten von Amerika werden dazu verurteilt alle Stammesterritorien an die Indigene Bevölkerung wieder zurückzugeben, weil die damals gemachten Verträge niemals Rechtsgültigkeit besaßen. Sollte die Rückgabe nicht erfolgen, seien die USA gezwungen 600 Billionen Dollar zu zahlen, oder für die nächsten 40 Jahre die aktuellen Militärausgaben ausschließlich für Umwelt und Sozialprogramme zu verwenden, um das seit 500 Jahren kaputt gemachte Land wieder in Ordnung zu bringen. Weniger Fake wäre für diesen Roman besser gewesen."

Sandra Gugic: Zorn und Stille

Hoffmann und Campe, 2020

Peter Mlczoch: "In diesem zweiten Roman einer Wiener Autorin mit serbischen Wurzeln geht es um eine Familiengeschichte zwischen Anpassung und Ausbruch. Die Eltern kamen als Gastarbeiter nach Wien und haben hier mühsam Fuß gefasst. Bily Bana bricht als Jugendliche aus dem engen elterlichen Umfeld aus und verweigert den Kontakt zur Familie. Ihr jüngerer Bruder sucht sie, als sie schon als angesehene Fotografin zwischen Wien, Berlin und Budapest pendelt. Nach einem engen Wiedersehen der Geschwister verschwindet seine Spur in Serbien. Gugic´ gelingt eine authentische Schilderung einer Gastarbeiterfamilie in Wien und welche Konflikte mit der hier geborenen zweiten Generation auftauchen."

Sandra Gugic - Homepage

Buchbesprechung Sandra Gugić: Zorn und Stille Von Tino Schlench 25.10. 2020

(c) Nadja Meister St.Pölten 2020

Auguste Hauschner: Der Tod des Löwen

Homunculus Verlag 2019

Franz Meister: " Eine vergessene, nun wieder entdeckte Vertreterin des Prager Kreises - laut Max Brod Bezeichnung für eine Gruppe deutschschreibender Schriftsteller aus und um Prag. Hauschner hat zwar nicht allzu lange in Prag gelebt, doch verblieb ihr der Ort als eine Art von Sehnsuchtsort, verbunden mit Mythologie und viel Vergangenheit. Und gerade diese Vergangenheit sublimiert sie in ihrem Text - vermischt mit tatsächlich gelebten Personen - zu einer Vorlage für die Mystizierung Prags. Diese haben dann andere später durchaus weitergespinnt - so denke ich an das mir noch gut in Erinnerung verbliebene "Nachts unter der Steinernen Brücke", von Leo Perutz. aber auch der Golem von Mayrinck, ist mit dem Text Hauschners in Verbindung zu bringen. Eine Entdeckung für alle, die Prag nicht loslassen kann..."

SWR - BUCHKRITIK Auguste Hauschner - Der Tod des Löwen 19.7.2019, 11:22 UHR von CHRISTOPH SCHMÄLZLE

Michal Hvorecký: Tahiti Utopia

Tropen Verlag 2021

Franz Meister: " Ich wage einmal die Behauptung, dass recht vielen ÖsterreicherInnen die Slowakei als Land mit einer sehr bemerkenswerten Geschichte nicht viel sagt. Böhmen ja, Deutschland schon ein wenig mehr, Frankreich, ach ja die Revolution und dann De Gaulle, aber Slowakei?. waren die nicht eh schon immer mit den Tschechen beisammen!? Böhmen war bei Österreich. Aber wohin gehörte da die Slowakei..? Keine Angst! Ich möchte Sie nicht zu einer dicken Schwarte über die slowakische Geschichte führen - die gibt es übrigens (noch) nicht. Nein, Michal Hvoretzky lässt die Slowaken einmal auswandern, nach Tahiti. Das macht er nicht, weil er den Slowaken mit einer negativen Grundeinstellung gegenübersteht. Nein, er ist Slowake. Ein Nestbeschmutzer also..? Nein, auch wieder nicht. Hvoretzky spinnt eine Idee des Staatsgründers "Milan R. Stefanik" weiter. Dieser - und er war eine wirkliche historische Figur, ein Hans Dampf in allen Gassen, ein sehr gebildeter, ein slowakischer Nationalist, ein Gegner Österreich-Ungarn, ein Flieger, ein Frauenheld und was nicht noch alles. Dieser Stefanik wollte für die Slowaken eine neue Heimat fernab und auf jeden Fall weit weg von Österreich und vor allem von Ungarn. Hier sind Exkurse ratsam: Hundertausende Slowaken sind um die Jahrhundertwende ausgewandert, hauptsächlich nach Amerika. Dies hatte ökonomische, soziale und auch politische Gründe. Stefanik erträumte sich Tahiti als neue Heimat - streng im Geiste eines Kolonialismus, der sich nicht viel um die Ureinwohner scherte. Hvoretzky spinnt dise Idee weiter und hält- auch dies ist ein bemerkenswertes Motiv - den Slowaken vor Augen, dass die Fremdenfeindlichkeit von heute sich eigentlich nicht mit der Vergangenheit des Staates gut verträgt. Und amüsant geschrieben ist dises Buch auch - also, sowohl ein bisserl historischer Nachhilfeunterricht - wenn man komplementär recherchiert, was Dichtung und wahrheit ist- und eine amüsante Einführung in einen den Ostösterreichern nicht wirklich fremden Humor."

Trojanow trifft: Michal Hvorecky

Helmut Krausser: Die kleinen Gärten des Maestro Puccini

DuMont, Köln, 2008

Regina Prachner: "Helmut Krausser (*1964 in Esslingen am Neckar) ist nicht nur ein sehr produktiver Schriftsteller, sondern auch Schachprofi (Oberbayrischer Meister 2001), Komponist – und ein Opernnarr! Davon zeugen nicht nur die „Kleinen Gärten“, wo es um die erotischen Zufluchtsorte des berühmten Opernkomponisten geht, sondern auch der „Bagarozy“, eine teuflische Hommage an Maria Callas, und „Melodie oder Nachträge zum quecksilbernen Zeitalter“, das einem Kastraten des 17. Jahrhunderts gewidmet ist. Auch schrieb er Opernlibretti für zeitgenössische Komponisten, die ihrerseits Gedichte von ihm vertont haben. Ein äußerst musikalischer Schriftsteller also, und nichts liegt näher, als sich ausführlich mit ihm zu beschäftigen. Die kleinen Gärten des Maestro Puccini In bester Hortus Amoenus Tradition geht es nicht um reale Gärten, sondern geistige Orte, einen Seinszustand der Glückseligkeit, und das sind im Falle Puccinis seine diversen Kurz- und Langzeitliebschaften. Anhand von echten und meisterhaft nachempfundenen fiktiven Briefen werden drei Affären geschildert, die eine nachhaltige Bedeutung in der Biographie Puccinis hatten, wobei die dritte keine war und tragischerweise die verheerendsten Folgen zeitigte. Nicht mitgezählt Puccinis offizielle Gefährtin und spätere Ehefrau Elvira Bonturi, mit der er einen Sohn hatte, und die er erst heiraten konnte, als ihr Mann verstorben war. Es zählt zu Kraussers Verdiensten, Daten zu Puccinis großer Liebe Cori/Corinna, der damals noch minderjährigen Maria-Anna Coriasco aufzustöbern, deren Identität als unlösbares Rätsel der Musikgeschichte galt. (Dokumentiert in „Die Jagd nach Corinna“ – Dokumentation einer Recherche zum Puccini-Roman) Die blutjunge Cori faszinierte den alternden Künstler – in indiskreten Briefen berichtet er von nicht weniger als sieben aufeinanderfolgenden Orgasmen – die Eltern der Minderjährigen hatten nichts einzuwenden gegen den prominenten - und reichen – Liebhaber. Dieser Cori wurde von Seiten des Verlegers Ricordi übel mitgespielt. Weniger aus moralischer Entrüstung als aus Angst, dass „La Torinese“, wie sie in der Folge von Elvira genannt wurde, den Meister zu sehr vom Komponieren abhalten würde, was auch einen finanziellen Verlust des Verlagshauses bedeutet hätte. So wurde fleißig intrigiert, wurden intime Infos der eifersüchtigen Elvira zugespielt, und Cori nach Kräften verleumdet und denunziert. Ob sie es mit der Treue nicht so genau genommen haben soll, sei dahingestellt, tatsächlich scheint sie ihren Giacomo wirklich geliebt zu haben, und wäre nicht ein schwerwiegender Autounfall dazwischengekommen, hätte Puccini womöglich seine geliebte Corinna der endlich frei gewordenen Elvira als Ehefrau vorgezogen. So aber wurde Cori immer mehr zur Seite gedrängt, letztlich großzügig abgefunden, und heiratete später einen Mann, der von der ganzen Affäre zwar wusste, aber wohlweislich nie ein Aufsehen davon machte. Sie starb 1961. Neben zahlreichen anderen Affären, die en passant erwähnt werden, war die (wenig erotische) Freundschaft zu Sybil Rachel Seligman von großer Bedeutung für Giacomo Puccini. Die kunstsinnige und hochintellektuelle Gattin eines amerikanischen Bankiers wird seine Seelenfreundin, Vertraute, Beraterin in allen Lebenslagen, vor allem auch, was die Wahl seiner Opernsujets und Libretti betrifft. Sie hat sich ihrem innigst geliebten Freund offenbar nur einmal hingegeben, freimütig und ohne Umschweife – damit diese Sache erledigt und somit vom Tisch ist. Mehr konnte der enttäuschte Dauercasanova auf diesem Gebiet nicht erwarten. Er schätzte dennoch ihre Freundschaft, ihre Nähe und die Vertrautheit, die ihn mit dieser interessanten Frau verband. Die dritte und tragischste Beziehung Puccinis aber war diejenige, die gar keine war. Doria, ein tüchtige und von allen geschätzte, aber unattraktive Hausangestellte, rührte den Meister durch ihre große Bewunderung und Begeisterung für seine Musik, sodass er sich ihr gegenüber großzügiger erwies, als es sonst seine Art war. Dieser Umstand wurde ihr zum Verhängnis, da er den Verdacht der mit Recht ständig eifersüchtigen Elvira erregte, noch dazu geschürt durch Intrigen und Verleumdungen seitens ihrer Tochter aus erster Ehe, die von der unglückseligen Doria ausgerechnet im Garten Puccinis in flagranti mit einem Liebhaber erwischt worden war. Die krankhaft eifersüchtige Elvira begann Doria auf offener Straße zu beschimpfen, zu verleumden, ja sie fast tätlich anzugreifen, und ihr den Tod anzudrohen, und trieb das unschuldige, verängstigte Mädchen schließlich in einen Selbstmord und qualvolles, langes Sterben. Der darauffolgende Prozess, den Dorias Familie anstrebte, um die Ehre des armen Mädchens wiederherzustellen (auf letzten Wunsch der Sterbenden wurde sie nach ihrem Tode ärztlich untersucht und ihre Jungfräulichkeit eindeutig festgestellt) und Elvira der Schuld am Tode Dorias anzuklagen, kann nur als unappetitlich bezeichnet werden. Entgegen allen Ratschlägen von Seiten wohlmeinender Freunde, ihrer Anwälte und dem völlig überforderten Puccini selbst blieb Elvira uneinsichtig und unvernünftig. Letztlich wurde aber doch Dorias Familie mit einer beträchtlichen Entschädigung abgefunden. Die Ehe Giacomos mit Elvira hatte ihre größte Zerreißprobe. Dass Doria auch als Bauernopfer herhalten musste für ihre Cousine Giulia, mit der Puccini zu der Zeit tatsächlich ein Verhältnis hatte, das auch einmal eine Abtreibung notwendig machte, war in diesem ganzen Aufruhr letztlich nicht mehr von großer Bedeutung….."

Helmut Krausser Interview

(c) Nadja Meister Grenzübergang Seefeld-Kadolz-Jaroslavice 2020

Helmut Krausser: Der große Bagarozy

Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1997

Regina Prachner: "Der große Bagarozy ist der Teufel. Und ein großer Verehrer von Maria Callas, die aber stets ein istinktives Mißtrauen gegen den eleganten Verführer zeigt, in welcher Gestalt auch immer er versucht, sich ihr zu nähern. Nur in einer Gestalt akzeptiert sie ihn, und „das ist des Pudels Kern“, als ihren schwarzen Pudel. Immer aber in bester Gesellschaft des weißen Pudels, seines Rivalen und Widersachers seit jeher, Gott. Anhand dieser beiden Figuren, und allerhand Gemeinheiten, die Bagarozy unter den Menschen – vor allem den Frauen – aufführt, wird die Biographie der Callas erzählt, und ihre tragische Beziehung zu Aristoteles Onassis. Auch Fotos der Diva sind dabei. Eines – wie könnte es anders sein – zeigt sie mit ihren beiden Pudeln. Die Unterschrift: „Es gibt ein Foto von Maria, Gott und mir. Da. Der schwarze Pudel – das bin ich!“"

Verfilmung 1999 (Auszug)

Stefano Mancuso und Alessandra Viola: Die Intelligenz der Pflanzen

Antje Kunstmann, 2015

Peter Mlczoch: "Pflanzen sind die unterschätzte Grundlage allen Lebens auf der Erde. Dieses Buch eröffnet auch dem botanisch Unbedarften die faszinierende Welt der Pflanzen, die sogar über mehr Sinne als wir Menschen verfügen. Spannend geschrieben wie ein wissenschaftlicher Thriller macht dieses Buch neugierig auf mehr..."

Buchbesprechung von von EVA LUBER (Literaturzeitschrift.de)

Georg Markus: Spurensuche - Neue Geschichten aus Österreich

Amalthea 2020

Heinz Stipsits: "Eine sehr unterhaltsame und leichte Lektüre, eine Spurensuche durch das alte, gestrige und fast heutige Österreich, von der Türkenbelagerung 1683 bis ins 20. Jahrhundert. Weit über 100 kauzige und köstliche Kurzgeschichten, zu den Themen Kunst, Kultur, Musik, Malerei, Schriftstellerei, aber auch Sex & Crime, Liebe, K & K, Politik, Sänger, Schauspieler, Musen, etc. etc. werden jeweils auf ein–zwei Seiten kurz und bündig erzählt. So eine Art Seitenblicke Revue über viele Jahrhunderte, Details die man wirklich nicht wissen braucht, aber wenn man sie liest sind sie dennoch amüsant. Wahrscheinlich machen sich noch lebende Promis Sorgen, wenn sie nicht in dem Buch vorkommen."

Georg Markus - Homepage

Mischa Meier: Geschichte der Völkerwanderung

C.H.Beck 2019

Kurt Bauer: "Prima Vista ein furchterregender Wälzer, beim Lesen eine faszinierende Darstellung der Kämpfe und Verwerfungen am Ende des Römischen Imperiums. Daraus resultiert zum Großen Teil die heutige politische Aufteilung Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens. Besonders interessant die Lage Ostroms im 7. Jhdt. unter Kaiser Herakleios. Er konnte die persischen Sassaniden als erster definitiv besiegen. Kurz danach begann aber die Auseinandersetzung mit den dann bereits muslimischen Arabern. Herakleios war der „Erfinder“ des sog. „Heiligen Krieges“, der Religion auf das engste mit kriegerischen Handlungen verwob. Die Araber haben als zeitweilige Hilfstruppen der Römer im Kampf gegen die Sassaniden nicht nur deren perfekte Logistik studiert und übernommen, sondern auch den „Heiligen Krieg“. Ostrom entging dem Untergang durch die Araber im 7. Jhdt. nur dadurch, dass sich diese in Kämpfen der Sunniten und Schiiten untereinander aufrieben. All das ist noch 1500 Jahre später gegenwärtig und politisch hochbrisant. Ein hervorragendes Buch."

Was sagen Sie dazu? "Was heißt Völkerwanderung?" mit Mischa Meier

Ingrid Noll: Selige Witwen - Die einen sterben, die anderen erben …

Diogenes 2001

Andreas Pöll: "Gute Mädchen kommen in den Himmel, Maja aus Frankfurt und Corinna aus Heidelberg kommen überall hin. Nach dem mysteriösen Todesfall des Englischen Dandys steht eine großzügige Villa mit Pool mit Aussicht in den Florentiner-Bergen zum Verkauf. Cora zögert bei der Kaufentscheidung, eine Amerikanerin kauft überraschend die Villa. Zur Klärung familiärer Angelegenheiten brechen beide aus dem toskanischen Laissez-faire-Leben, mit Cora’s Porsche nach Deutschland auf. Um freie Hand zu haben, überläßt Maja ihren Sohn Béla dem Ex-Mann Jonas auf dessen Bauernhof in Freiburg / Breisgau. Maja denkt über die Freundschaft: „Sobald Cora beim Ausgehen neben mir ist, achten die Burschen nur auf sie, ich bin doch adrett, charmant und Cora mit roten Haaren und grünen Augen … wie entfliehe ich ihrem Einfluß?“ Nach langen Jahren trifft Maja in einer Darmstädter WG ihre Kommilitonin Kathrin. Kathrin unterrichtet „Italienisch“ in der Volks¬hochschule Frankfurt am Main und hat extreme Sorgen wegen ihrem Ex. Maja suppliert für Kathrin, die darauf nach Innsbruck abreist... Als Rechtsanwalt hat Kathrins Ex hauptsächlich Klientel aus dem Frankfurter Rotlicht-Milieu.Zu dritt helfen sie Frauen im Kampf gegen die fiesen Beschützer und besiegen die Gewalttäter gemeinsam mittels flüssigen Drogen. Kathrins Mann erliegt auf der Autobahn nach Morgensport am Mainufer einem Infarkt am Steuer. Nach diesem Befreiungsschlag reist Maja mit Coras Porsche nach Florenz um die Villa in Besitz zu bringen. Nachdem die Amerikanerin aus Unachtsamkeit einen Autounfall verursacht, lädt sie Maja in ihrer Villa ein, um deren Wagen reparieren zu lassen. Habgier auf das Bild von „Matisse“ aus Kathrins zwielichtigem Besitz bringt die Hausherrin und Kunstexpertin dazu eine Waffe zu laden und eine Erpressung zu starten. Maja überrascht die Gastgeberin und entwaffnet diese. Nach Majas Drohung die italienische Polizei einzuschalten folgt eine nächtliche Lebensbeichte der Amerikanerin. Erpressung und Bildraub werden „vergessen“ man versöhnt sich. In den nächsten Tagen wird folglich notariell geregelt, daß Maja und ihrem Sohn Béla die Villa lebenslang zur Verfügung steht und der „Matisse“ mit der Amerikanerin in die USA übersiedelt...Ein Sommerroman von Ingrid Noll der späten 90er, der Leser versucht DM in Euro umzurechnen. Sechs Monate läßt er uns heiter die Story miterleben, manches ist altmodisch, ein Tischtelefon mit langer Schnur, ein Anrufbeantworter, ein erstes Autotelefon, Pinnwände mit Memos statt Chat-Nachrichten, noch wird selbst gekocht!"
Die Autorin Ingrid NOLL, wurde 1935 geboren in Shanghai als Arzttochter geboren, studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Bonn, ist 3-fache Mutter und Großmutter und lebt in Weinheim an der Ruhr. Im Jahre 1991 begann sie Kriminalgeschichten zu schreiben, die im Rhein/Neckar Kreis spielen und zu Bestsellern wurden.

Leseprobe Ingrid Noll Selige Witwen

Über Ingrid Noll

Marian Pauer: Karol Plicka

Slovart 2015

Nadja Meister: "Es handelt sich hier um eine Monografie über einem der bedeutendsten slowakischen Fotografen, Karol Plicka. Plicka war ein Multitalent, der 9 Berufe ausübte. So war er u.a. Ethnograph, Filmregisseur, Kameramann, Musiker. Geboren 1894 in Wien, als Schüler sogar Mitglied der Wiener Sängerknaben. Auf Wunsch seiner Eltern musste er einen bürgerlichen Beruf erlernen und hat als Lehrer in Böhmen gearbeitet. Gelebt hat er in Böhmen und der Slowakei. Als er in der Slowakei das einfache Leben in der Tatra kennengelernt hat, ist er immer wieder in die Slowakei gefahren um fotografische und cineastische Projekte zu verwirklichen. Sein fotografischer Schwerpunkte waren slowakische Landschaftsfotografie, Architektur und slowakischer Folklore. Die bekanntesten Fotobücher Plickas sind „Slowakei“, „Vltava“, „Prager Burg“. Plicka hat die größte Sammlung an Folkloreliedern in der Slowakei erstellt. Er war auch Begründer der Filmakademie in Prag. Seine wichtigsten Filme sind „Das Land singt“ und „Cicmany“- beide in der Slowakei gedreht. Der Autor Marian Pauer hat Plicka bei einigen seiner Filmprojekte begleitet und ihn als den freundlichsten Menschen, den er je kannte, beschrieben. Diese Monografie präsentiert die größte Anzahl von Plickas Fotos zu seinem Lebenswerk."

Karel Plicka & Ballad from Eastern Slovakia

ZEM-SPIEVA—-Karol-Plicka-(1933)

Peter Pirker: Codename Brooklyn

Tyrolia Verlag 2019

Kurt Bauer: "Ein deutscher Jude aus Freiburg und ein holländischer Jude aus Amsterdam melden sich im 2. Weltkrieg zum amerikanischen Geheimdienst. Sie werden 1944 in Bari auf den Einsatz in Nazideutschland vorbereitet. Dazu stösst ein desertierter Tiroler Leutnant aus Oberperfuss. Das Trio wird zusammen mir der Ausrüstung mit Fallschirmen über dem Sulzenauer Ferner in Tirol abgesetzt. Sie erreichen Oberperfuss, und werden von der NSDAP-feindlichen Bevölkerung mehr oder weniger stillschweigend aufgenommen und versteckt. Leutnant Weber organisiert die Hilfe vor Ort, hier insbesonder von den Frauen des Ortes unterstützt. Dem deutschen Fred Mayer gelingt es, als „Offizier“ der Wehrmacht genaue Informationen über Truppenbewegungen im Raum Innsbruck auf der Brennerstrecke zu bekommen, und insbesondere die, von den Alliierten befürchtete „Alpenfestung“ der Nazis als Hirngespinst zu enttarnen. Der Holländer Wijnberg leitet als Funker alles nach Bari weiter. Meyer wird von der Gestapo als Amerikanischer Offizier-Spion enttarnt, verhaftet und schwerst gefoltert. Die Amerikaner stehen schon in Scharnitz, Gauleiter Hofer will seine Haut retten, und verhandelt mit dem Gefolterten wegen einer kampflosen Übergabe Innsbrucks. Diese Szene gehört zu den skurrilsten des ganzen Buches. Die kampflose Übergabe gelingt. Die Aktion „Brooklyn“, so der Codename des Unternehmens wird abschließend als die erfolgreichste Agenten-Aktion des gesamten 2. Weltkrieges gewertet! Die Akteurinnen und Akteure ernten wenig, und sehr späten Dank. Weber wird Politiker, verschweigt diese Episode seines Lebens später aber, da er vielfach als „Verräter“ beschimpft worden war. Die Nazi-Bonzen und Folterer gingen sämtlich straffrei aus. In der Österreichischen Geschichtsschreibung kommen die Protagonisten kaum vor, hingegen werden Molden und Gruber geehrt, die sich erst post festum als die „großen Retter Österreichs“ in das Geschehen hinein reklamiert haben. Fasziniernd, genau recherchiert, desillusionierend was den späteren Ausgang für die handelnden Personen betrifft."

Peter Pirker - Homepage

Amor Towles: Ein Gentleman in Moskau

Ullstein 2018

Peter Mlczoch: "Graf Alexander Iljitsch Rostov wurde ein 1913 verfasstes Gedicht zugeschrieben, das ihm 1922 das Leben rettete, weil darin vage von „einem neuen, milden Frühling“ die Rede war. Die Revolutionäre verurteilten die „ehemalige Person“ (Umschreibung für Adelige) zu lebenslangem Hausarrest im Hotel Metropol im Zentrum Moskaus. Der Graf lebte fortan als Oberkellner in diesem Mikrokosmos und im Buch werden über 30 Jahre persönlicher mit zeitgeschichtlichen Ereignissen (Stalins Säuberungen) verwoben. Der elegante Gentleman durchlebt die rauen Zeiten mit Humor und Menschenfreundlichkeit und einigen Abenteuern... Der amerikanische Autor war ursprünglich Investmentbanker und sein zweiter Roman, A Gentleman in Moscow, stand 57 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times."

Amor Towles on "A Gentleman in Moscow" at Book Expo America 2016

Anne Weber: Annette, ein Heldenepos

Matthes&Seitz 2020

Franz Meister: "nette – ein Heldinnenepos - Anne Weber - Leseprobe"

Annette - ein Heldenepos - Leseprobe

(c) Nadja Meister Grenzübergang Frates-Slavonice 2020

Marie- Luise Wolff: Die Anbetung - Über eine Superideologie namens Digitalisierung

Westend 2020

Martina Sattmann: "Die Autorin ist in leitender Funktion in der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft tätig. Doch ihre über 30 Jahre lange Berufserfahrung auch in anderen Sparten und ihre Kontakte ins Silicon Valley hat sie in Gebiete hineinblicken lassen, die uns alle betreffen. Sie nimmt uns mit hinter die Kulissen, lässt unsan der Geisteshaltung derer teilnehmen, die uns „supporten“ wollen. Uns in trügerischer Absicht unterstützen möchten, unsere Arbeit, unsere Kontakte, unsere intimen Wünsche umzusetzen, dabei bequem auszuliefern, digital auszulagern, was wir selbst erledigen sollten und könnten (und letztlich, seien wir doch ehrlich, die selbe Zeit kostet) Frau Wolff will uns nicht abhalten, überlässt die Entscheidung uns selbst, rät aber zur Vorsicht, sich den Big Four Amazon, Facebook, Google und Microsoft komplett auszuliefern. Zuwenig rechtlich, zu wenig unabhängig analytisch seien Rahmenbedingungen erstellt worden, damit wir uns auf Grenzen berufen könnten, die uns noch unantastbar machen. Denn selbst die sich ständig ändernden Datenschutzbestimmungen sind solcherart verschleiert und kompliziert zu lesen, dass sie nicht KonsumentInnen schützen, sondern den Anbietern alle Möglichkeiten bieten, uns auszuschlachten wie das sprichwörtliche Suppenhuhn. Danke, Frau Wolff, kann ich da nur sagen, danke für die Informationen, die meinen Verdacht bestätigen, dass wir geblendet, angefüttert und ausgeliefert werden."

Marie Luide Wolff im Gespräch: Warum die Anbetung der Digitalisierung beendet werden muss

(c) Nadja Meister Krems 2020

Die Fotos sind dem Photoprojekt "In Time of Corona" 2020 von Nadja Meister entnommen.

Created By
Franz Meister
Appreciate

Credits:

Nadja Meister - photography