Kulturprojekte Berlin Interview mit moritz van dülmen

Herr van Dülmen, was ist „Kulturprojekte Berlin“ und wie lange sind Sie schon dabei?

Ich bin seit Anfang an dabei. Das sind nun schon 10 Jahre. Kulturprojekte Berlin ist damals aus verschiedenen Einrichtungen entstanden. Der Auftrag von damals war etwas unscharf. Es sollte einen gemeinnützigen Kulturträger geben. Daraus hat sich eine städtische Agentur entwickelt, die sich der Fragestellung widmet, wo können Themen und Formate und vor allem Gemeinschaftsprojekte entwickelt werden, die einen Moderator, Netzwerker brauchen und die Stadt voranbringen. Wir beschäftigen mittlerweile 120 Personen, die in diversen Projektgruppen organisiert sind oder auch in unserer hauseigenen Grafik- oder Technikabteilung arbeiten.

Das, was die Hoteliers und Gastronomen interessiert, sind große Events, die weit über die Stadtgrenzen hinaus strahlen. Plus die Vermarktungselemente im Bereich Kulturmarketing; wissend, dass die Kultur- und Kreativszene in Berlin maßgeblicher Markenbestandteil sind. Als gemeinnützige Institution bringen wir Player zusammen, und das auf Bezirks-, städtischer und bundesweiter Ebene.

Beim Berliner Museumsportal sind das 180 Berliner Museen. Große und kleine. Das ist spannend und bietet unbekannteren Anbietern eine tolle Plattform. Bei den Gedenkstätten, die ebenfalls auf dem Portal zu finden sind, hat sich daraus eine tolle Dynamik entwickelt.

Bei populären Formaten wie der „Langen Nacht der Museen“ funktioniert das ähnlich. Wir wollen die gesamte Stadt abbilden und Neugier wecken. Wieviele Touristen zum Beispiel nun ausschließlich wegen der „Berlin Art Week“ nach Berlin kommen ist schwierig zu ermitteln – aber alleine die nationale und internationale Medienwirkung solcher Großveranstaltungen prägen das Image Berlins und locken ganzjährig Gäste zu uns nach Berlin. Insgesamt aber haben wir ja bemerkenswerte Zuwachsraten im Tourismus gerade auch aufgrund solcher Events. Wir dürfen zu dieser positiven Grundstimmung beitragen.

Wir bringen meist Projekte direkt auf die Straße, arbeiten mit den Leuten, die diese Stadt gestalten. Das sind die Künstler bzw. die Kreativszene generell. Auf der anderen Seite sind wir Bindeglied zu visitBerlin und anderen touristischen Leistungsträgern, die unsere Stadt repräsentieren. Soll das Thema Städtepartnerschaften bespielt werden, überlegen Berlin Partner oder die IHK, unter welchen wirtschaftlichen Gesichtspunkten man das tun kann. Wir widmen uns dem kulturellen Teil.

Wie läuft das beim aktuellen Thema Lutherjahr 2017?

Unter dem Slogan „Das Paradies ist überall“, ein Zitat von Luther, bündeln und verbinden wir die verschiedensten Veranstaltungen in Berlin mit Bezug auf das Reformationsjubiläum – von Ausstellungen über Kirchentag bis zur IGA- einem irdischen Paradies in 2017. Wir werden viele Aspekte der Reformation aufgreifen und teils spielerisch in unterschiedlichen Aktionen und Veranstaltungen den Berlinern und Gästen vermitteln..

Leichter ist das bei einem Thema wie „100 Jahre Bauhaus“, das in 2019 ansteht, weil der Bezug zu Berlin noch größer ist. Das hat in bestimmten Quellmärkten eine noch größere Relevanz. Auch hier bringen wir Partner zusammen, so das Mies van der Rohe Haus in Lichtenberg mit dem Bauhaus Archiv und verschiedenen Sammlungen und Veranstaltungen.

Ferner werden wir uns der Revolution von 1918/19 widmen, was vielleicht ein zunächst etwas sperriges Thema ist. Wir fragen: Was war das eigentlich für eine Revolution? Was ist nach dem 1. Weltkrieg in Berlin passiert? War das der Zeitpunkt an dem die Teilung Berlins begann? Gibt es Parallelen zu heute in Europa? Eine außerordentlich spannenden und Berlin prägende Zeit! Das Thema passt im ersten Moment nicht unbedingt in das touristische Klischee-Bild, wird aber funktionieren, denn der DEHOGA Berlin, visitBerlin, weitere touristische Leistungsträger und Kulturprojekte Berlin befruchten sich gegenseitig. Das macht uns erfolgreich, das macht Berlin aus.

Wie erzählt man gute Geschichten?

Ich vergleiche das gern mit „Wissen macht ahh!“ oder „Pur Plus“. Beides gucke ich gerne mit meinen Kindern. Da wird der Israel-Konflikt sehr anschaulich in zwei Minuten erklärt, ohne unscharf zu werden.

Man muss die Leute abholen. Ein Beispiel: Zum Stadtjubiläum 2012 war es gut angekommen, als wir damals auf dem Schlossplatz den Stadtplan von Berlin aufgezeichnet und mit großen Stecknadeln versehen haben. Berliner*innen stellen sich die Frage: „Wo bist du jetzt eigentlich, wo ist deine Straße?“ und der Tourist schaute, wo sein Hotel ist. Und dann haben wir dort die Geschichten der Einwanderer, also Zuzugsgeschichten erzählt. Das haben sich über 250.000 Menschen mit einer durchschnittlichen Verweildauer von einer Dreiviertelstunde angeschaut.

Du musst das Thema mit einer leichten Gefälligkeit aufbereiten, Neugierde wecken, vielleicht auch einen journalistischen Ansatz wählen, so wie in den erwähnten Kindersendungen. Die Leute interessieren sich für Inhalte. Das können auch komplexe Zusammenhänge oder traurige Geschichten sein. Es müssen allerdings Barrieren abgebaut, mit Emotionen gearbeitet und Schicksale erzählt werden, mit denen man sich identifizieren kann. Das sehe ich bei uns als Ergänzung zu den Kulturschaffenden, mit denen wir zusammenarbeiten. Unsere Methode ist populär, deshalb jedoch nicht weniger anspruchsvoll.

Created By
Grischa Puls
Appreciate

Credits:

Jan Sobottka

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