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Kelten und Römer Auf den Spuren der Vergangenheit

Um 300 v. Chr. wanderten keltische Stammesgruppen in den Ostalpenraum und erreichten schließlich Kärnten. Keltische Bauern und Handwerker beurteilten die Lebensbedingungen im Tal der Lavant als günstig und machten sich in weiterer Folge hier sesshaft. Ihre religiösen und kulturellen Vorstellungen, ihre Tracht und ihre Lebensgewohnheiten waren schon bald für das gesamte Gebiet bestimmend.

Über die Herkunft und Verbreitung dieses Volkes, das man auch das "abenteuerlustigste aller Barbarenvölker" genannt hat, wird seit jeher viel gerätselt. Sicher ist aber, dass das Lavanttal durch die wachsende Zahl keltischer Einwanderer bald auch das Interesse Roms erweckte. Römische Geschichtsschreiber berichten als erste, dass auf dem Boden des heutigen Kärnten ein Königreich entstand, dem man nach der keltischen Muttergottheit Noreia den Namen "Noricum" gab. Die Herrscher dieses Rei­ches, das zahlreiche keltische Stämme vereinigte, schlossen mit dem Senat in Rom Bündnisverträge.

Gut ausgebaute Straßen und Wege

Als Noricum um 45 n. Chr. zur römischen Provinz erhoben wurde, durchzogen längst gut ausgebaute Straßen und Wege das Tal. Eine der wichtigsten Verbindungen führte von Wolfsberg über Gräbern, Prebl, Wiesenau und St. Leonhard nach Reichenfels und von dort aus über den Obdacher Sattel in die heutige Steiermark.

Nicht umsonst haben die Forscher immer wieder darauf hingewiesen, dass das Straßen- und Wegenetz des Römerreiches für die frühe Verbreitung europäischer Zivilisation und Kultur, aber auch für die Entwicklung des Handels von entscheidender Bedeutung war. Obwohl die meisten Landstraßen zunächst aus rein militärischen Gründen angelegt wurden, dienten sie bald auch der wachsenden Zivilbevölkerung als Transportwege.

In Kärnten erinnert die alte Römerstraße bei Warmbad Villach noch heute an das seinerzeit überall gut ausgebaute römische Straßennetz. Vor über 2.000 Jahren rollten hier Wagen in den deutlich erkennbaren Spurrillen durch den Wald. Foto: Wikipedia

Weil das römerzeitliche Straßennetz schließlich vom Rande der Sahara bis nach Mesopotamien und von der Atlantikküste bis zu den Ufern der Nordsee reichte, war es auch ein unübersehbares Symbol für die immer wieder betonte Einheit des Reiches. Darüber hinaus ermöglichte es der Bevölkerung eine schier unglaubliche Mobilität, wenn es darum ging, wenig attraktive Orte zu verlassen und sich in weiter entfernten, aber vielversprechenderen Regionen anzusiedeln. Aus alten Berichten weiß man, dass ein berittener Bote damals rund 60 Kilometer im Tag zurücklegte, während es Pferdefuhrwerke immerhin noch auf eine Tagesleistung von rund 38 Kilometern brachten. Für einen bemerkenswerten Rekord sorgte übrigens Cäsar selbst, als er beim Ausbruch der Gallischen Kriege die Strecke zwischen Rom und Genf in 8 Tagen bewältigte. Das entspricht einer durchschnittlichen Tagesleistung von rund 150 Kilometern.

Den Reisenden, die es nicht immer so eilig hatten, standen in regelmäßigen Abständen Rasthäuser und Pferdewechselstellen zur Verfügung. Zur besseren Orientierung konnte man neben den erprobten Reisehandbüchern auch auf genaue Straßenkarten zurückgreifen. Zur Bestimmung der zurückgelegten Wegstrecken dienten aber auch Meilensteine – eine Erfindung der Römer, die noch heute in Gebrauch ist. Trotzdem wurden die Straßen auch weiterhin von römischen Soldaten benützt.

Römerzeitliche Skulpturen aus der Stadt am Kärntner Magdalensberg. Foto: Thelian

Bis an die Zähne bewaffnete Soldaten zogen vor allem dann durch das Land, wenn wieder einmal Gefahr von außen drohte. Immer häufiger kam es nämlich zu gefährlichen Übergriffen barbarischer Stämme aus dem Norden auf keltisch-römisches Gemeinschaftsterritorium. Die Römer waren auf der Hut. Immerhin hatte die Schicksalsschlacht von Noreia gezeigt, dass mit den Barbaren nicht zu spaßen war.

Die Schlacht von Noreia

Ob die geheimnisvolle Keltenstadt Noreia, vor deren Mauern sich anno 113 v. Chr. der erste weltgeschichtlich belegte Zusammenstoß zwischen Römern und Germanen ereignet haben soll, tatsächlich im oberen Lavanttal lag, ist bis heute umstritten. Aber widmen wir uns zunächst den historischen Fakten.

Bis an die Zähne bewaffnete römische Soldaten bekamen es bei Noreia mit den "Barbaren" germanischer Stämme zu tun. Symbolfoto

Im Jahr 113 v. Chr. fiel eine große Schar germanischer Kimbern und Teutonen in Noricum ein. In Rom befürchtete man zunächst, dass die Invasoren auf ihrem Raubzug bis nach Italien vordringen könnten. Man schickte also bewaffnete Truppen, um den Übergang über die Alpen an der schmalsten Stelle zu sichern. Weil die germanischen Stämme aber gar nicht die Absicht zeigten, die gut bewaffneten und kampferprobten römischen Soldaten anzugreifen, beschloss Konsul Papirius Carbo, mit seinen Truppen weiter ins Keltenland zu marschieren, um die Invasoren von dort zu vertreiben. Der Plan des Konsuls ging allerdings nicht auf.

Der Geschichtsschreiber Appian von Alexandrien berichtete später, dass die Römer in der Umgebung von Noreia auf die feindlichen Krieger stießen. Obwohl Carbos Soldaten erfahren und im Umgang mit dem Feind sicher alles andere als zimperlich waren, konnten sie der geballten Wucht der germanischen Kim­bern und Teutonen nicht lange standhalten.

"Carbo erlitt eine schwere Niederlage. Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte sein ganzes Heer verloren, wenn nicht einbrechende Dunkelheit, Regen und ein furchtbares Gewitter, das sich während der Schlacht entlud und wie ein Eingriff höherer Gewalten eine Panik auslöste, die Kämpfenden getrennt hätte." (Appian v. Alexandrien)

Eine gigantische Niederlage wurde es trotzdem. Während die Römer in wilder Panik in alle Richtungen in die Wilder flohen und sich erst nach einigen Tagen wieder sammeln konnten, setzten die Germanen ihren Marsch fort. Ihr Ziel war allerdings noch nicht Italien, sondern das ebenfalls von keltischen Stämmen bewohnte Helvetien.

Die tatsächliche Lage der legendären Stadt Noreia, vor deren Mauern die Römer geschlagen wurden, gibt den Forschern bis heute viele Rätsel auf. Schon der griechische Geograph Strabo betonte, Noreia sei die Hauptstadt von "Noricum" gewesen. Die Stadt, so Strabo weiter, liege rund 1.200 Stadien (griech. Wegemaß) von Aquileia entfernt und verfüge in ihrer Umgebung über reiche Gold- und Eisenerzvorkommen. Weiters wird berichtet, dass sich zwischen Noreia und Aquileia ein Fluss befand, der "aus den Alpen kommt und stromauf schiffbar ist."

Wo lag Noreia? Während man sich unter Forschern gerade noch darüber einig ist, dass die Spuren der Stadt irgendwo auf dem Boden des heutigen Kärnten oder der Steiermark zu finden sein müssten, ist alles andere umstritten. Manche vermuten Noreias Mauerreste bei Neumarkt in der Steiermark, andere am Magdalensberg bei Klagenfurt. Wieder andere nehmen an, dass die Stadt im Görtschitztal lag. Auch eine Lage im oberen Lavanttal, im Gemeindegebiet von Bad St. Leonhard, wird für möglich gehalten.

Das "versunkene Dorf" von Wiesenau

Im Fahrwasser der keltisch-römischen Handelsbeziehungen entstanden überall im Land kleinere und größere Siedlungen, die oft gerade dort errichtet wurden, wo man in unmittelbarer Nähe die für das Imperium so wichtigen Bodenschätze abbauen und verarbeiten konnte. Das trifft wohl auch auf jenes längst versunkene Dorf zu, das vor rund 2.000 Jahren in einem Waldstück bei Wiesenau (Stadtgemeinde Bad St. Leonhard) lag. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts stieß man dort auf ein antikes Gräberfeld aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. In weiterer Folge wurden zahlreiche Funde sichergestellt, die sich heute zum größten Teil im Kärntner Landesmuseum befinden.

Der sogenannte "Trauergenius" stammt aus dem Römerfriedhof bei Wiesenau und wurde früher im Schloss Wiesenau aufbewahrt. Foto: Thelian

Wirren der Völkerwanderungszeit

Spätestens im 5. Jahrhundert n. Chr. war es mit dem friedlichen Leben unter römischer Herrschaft endgültig vorbei. Während Germanen, Vandalen, Goten und andere Volksstämme die Grenzen des römischen Reiches nachhaltig veränderten und schließlich auflösten, zog sich die Bevölkerung aus den Talregionen in höher gelegene Gebiete zurück, um von den Wirren der Völkerwanderungszeit weitgehend verschont zu bleiben.

Ein weiterer steinerner Zeuge der keltisch-römischen Vergangenheit im oberen Lavanttal: Der "Römerstein" vor dem Bad St. Leonharder Rathaus. Foto: Thelian

Weil Christen seit dem frühen 4. Jahrhundert auf kaiserlichen Befehl nicht mehr verfolgt wurden, bildeten manchmal schon Frühformen von Kirchen und Kapellen den Mittelpunkt dieser Höhensiedlungen. Unter ihrem geistlichen Schutz und Einfluss erlebte die Bevölkerung das Ende des Weströmischen Reiches um 476 n. Chr., die Wirren der Völkerwanderungszeit und die Besiedelung Kärntens durch die Slawen. Im 7. Jahrhundert sollte auf keltisch-römischem Boden schließlich das slawische Fürstentum Karantanien entstehen, das sein Zentrum auf dem Zollfeld hatte.

Mag. Werner M. Thelian

Created By
Werner Thelian
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Credits:

Created with images by Julius_Silver - "arch of constantine colosseum rome" • Sprachprofi - "legion roman army ancient military soldiers armour", Thelian, Wikipedia.

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