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Wenn "christlich" nur noch Restwärme ist! 100 Jahre Kinderheimat Tabor

Vor 100 Jahren wurde das Tabor gegründet. Im gleichen Zeitraum entstanden auch andere soziale Werke auf der Grundlage einer christlichen Initiative. Doch zunehmend ist in Institutionen feststellbar, dass wo einmal «christlich» draufstand, kaum mehr etwas davon im Alltag spürbar ist. Wie kann es so weit kommen? Dazu ein Bild, das es sehr gut veranschaulicht.

Urs Klingelhöfer, Leiter Kinderheimat Tabor, heimleitung@kinderheimat-tabor.ch

Stell dir vor, die Heizung in deinem Haus geht unverhofft kaputt, weil du keinen Service mehr gemacht hast oder weil du vergessen hast, Holz oder Öl nachzufüllen, oder die Stromrechnung nicht bezahlt wurde. Im ersten Moment merken wir das oft noch nicht! Je nach Isolationsstärke und Aussentemperatur kann es sich um Stunden handeln, bis wir den Eindruck haben, dass es sich nicht mehr so angenehm anfühlt. Wenn wir uns dann noch etwas mehr anziehen oder uns körperlich bewegen, können wir die fehlende Heizung sogar locker kompensieren. Einige von uns haben vielleicht sogar noch einen Ofen in der Wohnstube. So können wir die schleichende Abkühlung teilweise wettmachen. Spätestens beim Duschen wird uns aber klar, dass da irgendetwas nicht ganz stimmt. Nun können wir einfach kürzer duschen oder… noch besser: Kümmern wir uns um die Heizung, laden den Fachmann ein und lassen die Heizung reparieren. Nun, was hat das mit unserem Thema zu tun, oder mit dem Beginn des Jubiläumsjahrs im Tabor?

Die letzten Weihnachten unter erschwerten Corona-Bedingungen haben uns gezwungen, diesen Traditionsanlass neu zu füllen. Wir konnten nicht traditionsgemäss Weihnachten feiern. Es war teilweise fast so wie mit der kaputten Heizung: Bei einigen Familien war es ungemütlich, alle Versuche, etwas Restwärme durch feines Essen, schöne Geschenke, Konzerte und Weihnachtsmärkte oder auch Familienfeste zu kompensieren, wurden uns entzogen. Damit fühlte sich da und dort Advent und Weihnachten plötzlich kalt, dunkel und einsam an. Gegen all diese Gewohnheiten und «christliche» Traditionen ist nichts zu sagen, aber letztlich hilft der Versuch, die «Restwärme» zu konservieren, lediglich die Umgebungskälte für den Moment zu vergessen. Denn die Hauptwärmequelle, das Weihnachtsereignis – Gott wird Mensch in Jesus Christus! – ist da und dort verloren gegangen.

Kinderheimat Tabor, Aeschi

Nun hat das Jubiläumsjahr «100 Jahre Kinderheimat Tabor» begonnen. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich etwas mit der Gründung des Werks und seiner Geschichte. Dabei staune ich, mit welchem Eifer, Hingabe und Liebe zu Gott die Gründungsgeneration das Tabor geprägt hat, aus welchen Motiven sie den Kindern und der Gesellschaft gedient haben. Dabei war die Quelle aller Anstrengungen stets genährt im persönlich gelebten christlichen Glauben. Bis heute ist das im Tabor sichtbar und spürbar. Auch wenn sich in 100 Jahren vieles veränderte und die Institution sich weiterentwickelt hat, so ist doch etwas bis heute intakt: die Grundfeste des christlichen Glaubens als wärmende Quelle der heutigen christlichen Wertepädagogik.

Persönlich bin ich dankbar, dass über die Generationen hinweg die Trägerschaftsverantwortlichen, Leitungen und Mitarbeitenden dazu beigetragen haben, dass die Gottesbeziehung aktiv gelebt wird. Dabei wurde bewusst nicht auf die Aufrechterhaltung von Traditionen geachtet, sondern auf die Beziehung zum Schöpfer und auf seine unendliche Gnade.

So wollen wir dranbleiben! Besonders inspirieren mich die Worte der beiden Emmausjünger: «Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn (Jesus, Anmerkung UK)… Und sie sprachen zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?» Lukas 24,31

In dem Sinne wünsche ich mir und uns allen, ein ganz «neues Brennen» der Herzen, damit, wo «christlich» draufsteht, auch «Christus» sichtbar wird.

Wichtige Termine im Jubiläumsjahr
  • Freitag, 10.9.2021: offizielle Jubiläumsfeier für VIPs
  • Samstag, 11.9.2021: öffentliches Spiel- und Jubiläumsfest für Gross und Klein
  • Sonntag, 24.10.2021: Ehemaligentreffen von Schülern und Mitarbeitenden
  • Samstag, 20.11.2021: Delegiertenkonferenz FEG in Aeschi

Credits:

Erstellt mit Bildern von TBIT - "heating heat energy" • Tama66 - "space villa room"