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Fachwerkhaisla Münchberg c/o MünchBürger e. V.

Aktuelles rund ums Haisla

"Zentrum der Genussstadt Münchberg wird ein kleines Häuschen, das Sie alle kennen..." mit diesen Worten stellte Stadtplaner Winfried Weißenberger am 17. September ein Konzept vor, an dem die Stadt Münchberg seit nun zwei Jahren arbeitet. Hinter "KulCity" - oder "Genussstadt" - verbirgt sich eine wegweisende Idee: Um die Innenstadt neu zu beleben und den Gästen ein einzigartiges Erlebnis zu bieten, werden Leerstände zu kleinen Shops umgebaut, die verschiedene Thematiken rund um das "genussvolle Leben" bedienen. Das Zentrum dieser Entwicklung, das u. a. ein Museum der Genüsse enthalten soll, wird das Fachwerkhaisla werden. Damit wird die Geschichte des ältesten Hauses der Stadt weitergeschrieben und in ein neues, der Tradition verbundenes Kapitel geführt! Besonders freut es uns natürlich, dass damit ein Vorschlag umgesetzt wird, den wir auch auf dieser Seite aufgeführt haben. Selbstverständlich unterstützen die MünchBürger diese Idee daher vollumfänglich und freuen sich auf die gemeinsame Arbeit!

Das Haisla erzählt aus seiner Geschichte

Hallo! Schön, dass Sie sich kurz die Zeit nehmen, mir zuzuhören. Sie müssen wissen, dass zwar viele Menschen auf ihrem Weg durch die Stadt bei mir vorbeikommen, doch nur die wenigsten stehenbleiben – generell fällt mir auf, dass man sich heute immer seltener wirklich Zeit nimmt. In meiner Jugend war das anders, müssen Sie wissen:

Als ich 1702 gebaut wurde, hatte für Münchberg gerade eine neue Blütezeit begonnen. Die Bürger hatten sich immer mehr auf das Handwerk und die Weberei konzentriert und die anfangs überlebenswichtige Landwirtschaft nur noch nebenbei betrieben. Dort hinten, am Anger, standen die zugehörigen Scheunen, in denen man die notwendigen Gerätschaften einlagerte. Der Wohlstand kam unter anderem auch durch die Kutschverbindungen nach Nürnberg und Leipzig in unsere schöne Stadt – seit 1686 gab es eine Postverbindung, die gut sechs Jahre später von der „geschwinde fahrenden Kalesche“ bedient worden ist. Mein Bauherr war in den Anfangsjahren als Schmied für die Pflege der Wagen verantwortlich, die direkt nebenan, im Hotel „Schwarzer Adler“ anhielten und anschließend innerhalb von gut einer Stunde wieder auf Vordermann gebracht werden mussten. Es war eine schöne Zeit und ging ziemlich geschäftig zu.

Allerdings hielt sie nicht allzu lange an: 1729 brach ein Feuer aus, das unsere Stadt beinahe komplett einäscherte – von den vielen Häusern mit Fachwerk bin allein ich übrig geblieben und musste, kaum waren die Schäden beseitigt, mit ansehen, wie preußische und österreichische Truppen die Gegend wie Heuschrecken überfielen. Der Krieg, der sieben Jahre dauern sollte, brachte von Neuem großes Leid über unsere Heimat: Teils lagerten bis zu 10.000 Soldaten innerhalb der Stadt, vernichteten Ernten, zerritten die Felder – und brachten Krankheiten mit sich. Erst 1763 waren die Kämpfe endlich vorbei und man konnte damit beginnen, sich wieder seines Lebens zu freuen. 1806 schließlich kam ein kleiner, dicklicher Mann an mir vorbei, der in einer seltsamen Sprache dahersäuselte. Mir war er ja gleich unsympathisch und tatsächlich erfuhr ich später, dass es sich dabei um den Franzosenkaiser Napoleon Bonaparte gehandelt hatte, der das ehemalige Markgraftum Bayreuth annektiert und vier Jahre später dem Königreich Bayern verkauft hat. Nun ja, ich kann nicht unbedingt sagen, dass es uns zu jener Zeit schlecht ging, aber die goldenen Jahre waren leider fürs Erste vorbei.

Nachdem 1837 ein weiteres Feuer ausgebrochen war – schlimmer noch, als jemals zuvor – rauften sich die Münchberger noch einmal zusammen und fingen ganz von vorne an: Die ersten Firmen wurden gegründet, die Eisenbahn brachte erneuten Wohlstand in unsere Stadt und ich träumte ein wenig vor mich hin. Bis schließlich 1889 Familie Meister eine Bäckerei in mir eröffnete – ich kann gar nicht sagen, wie viele Kinder auf ihrem Weg in die Schulen an mir vorbeiliefen und sich noch schnell etwas Süßes holten.

Es waren schöne Zeiten – doch nun muss ich ehrlich gestehen, dass ich nicht mehr das Jüngste bin: Nach gut 300 Jahren hat man einfach nicht mehr den jugendlichen Schwung von früher; ein Grüppchen von Bürgern der Stadt jedoch will mich wieder aufmöbeln und mir dabei helfen, auch in Zukunft hier zu bleiben und den Leuten zuzusehen, die an mir vorbeilaufen. Ich habe Kriege und Feuer überstanden; ich habe angesehen, wie Münchberg vielfältigen Katastrophen zum Opfer fiel und immer wieder gestärkt daraus hervortrat. Es wäre wunderbar, könnte ich die Stadt auch weiterhin auf ihrem Weg begleiten und Menschen, wie Ihnen, die sich die Zeit nehmen, einem alten Haus zuzuhören, aus ihrer eigenen Vergangenheit erzählen. Aber nun ist’s genug mit der Gefühlsduselei! Es hat mich sehr gefreut, dass ich mich mit Ihnen unterhalten konnte. Machen Sie’s gut – und schauen Sie gerne einmal in der Bahnhofstraße vorbei, wenn Sie in der Nähe sind. Ich bin eigentlich immer dort. Ade!

Denkmalschutz

Denkmalschutz

Als Gebäude aus dem 18. Jahrhundert steht das Fachwerkhaisla verständlicherweise unter Denkmalschutz. Im entsprechenden Verzeichnis des BLfD wird es wie folgt geführt:

"Zweigeschossiges Satteldachhaus vermutlich des späten 18. Jahrhunderts, an der Giebelseite drei Obergeschossfenster. Erdgeschoss und ein Teil des Obergeschosses massiv, das übrige Fachwerk mit verdoppelten Andreaskreuzen. Geohrter Türstock aus Haustein." (Breuer, Tilmann: "Stadt und Landkreis Münchberg", Bayerische Kunstdenkmale, München 1961, S. 31)

Das Fachwerk

Eine der am häufigsten gestellten Fragen (neudeutsch FAQ) ist die nach dem Fachwerk, das - so jedenfalls erzählt man sich - nur aufgesetzt sei. Durch eine dendrochronologische Datierung konnte mittlerweile bestätigt werden, dass die Balken aus dem Jahr 1702 stammen und damit eine der ältesten erhaltenen Strukturen in der Münchberger Region darstellen.

Die Schiffskehlendecken

Unter diesem Begriff werden sich nur eingefleischte Denkmalschützer etwas vorstellen können: Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Holzdecke, bei der ein tragender Balken (ähnlich dem Kiel eines Schiffes) die Konstruktion, die auf beiden Seiten symmetrisch davon wegläuft, zentral stützt. Heute hat sich nur eine handvoll solcher Decken im Hofer Landkreis erhalten - und zwei davon befinden sich im Wohnteil des Fachwerkhaislas.

Das Haisla in alten Ansichten

Von 1900 bis 1910

"Da fehlt doch was?!" Die ältesten erhaltenen Ansichten stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende und tatsächlich scheint das Fachwerkhaisla dabei etwas "anders auszusehen", als gewohnt: Es wird vermutet, dass man die historischen Strukturen um 1890 überputzte, ehe man um 1910 die Bretter anbrachte, die sich bis heute erhalten haben. Insofern liegen die tatsächlichen Holzbalken aus dem 18. Jahrhundert unter der Fassade, die man aktuell sehen kann.

Von 1910 bis 1920

Das Haisla hat in seiner langen Geschichte auch die dunklen Zeiten der deutschen Vergangenheit miterlebt: Diese Ansichten, die es bereits mit der charakteristischen (übrigens mit Ochsenblut gestrichenen) Fassade zeigen, stammen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Nachdem abertausende Soldaten ihr Leben in den imperialistischen Kämpfen verloren hatten, begann mit der Belle Epoque jene "Goldene Zeit" der 1920er Jahre, die für eine kurze Ära der Ruhe und des Friedens sorgte.

Von 1920 bis 1950

Münchberg gehört zu jenen Städten, in denen die noch junge NSDAP bereits in den 1920er Jahren große Erfolge erzielen konnte; denn trotz der "Golden Twenties", während der Berlin im Charleston-Takt tanzte und Josephine Baker im Bananenrock für Aufsehen sorgte, ging es der oberfränkischen Wirtschaft miserabel, wodurch die stückweise Radikalisierung begann. Nach der Gründung von "Reichsbanner"-Truppen, also linken Verbänden, tauchten ab Mitte der 20er immer häufiger Hakenkreuzbinden auf den Straßen auf. Schon vor der Machtergreifung 1933 besaß Münchberg im Hotel Adler (direkt neben dem Haisla) eine Parteistelle der NSDAP, die "in allen politischen Belangen zu Rate gezogen" werden musste. Kurz darauf schuf man mit der Gleichschaltung des Stadtrats harte Fakten.

Von 1950 bis 1960

Die 1950er Jahren waren beides: Fluch und Segen für die Stadt. Segen, da man im Bugwasser des "Wirtschaftswunders" die letzte Blüte der Textilindustrie miterlebte und sich Münchberg unter Bürgermeister Max Specht der Moderne öffnete; Fluch indes, da im Rahmen teils vollends zielloser Baumaßnahmen die bis dato recht gut erhaltene Architekturstruktur nachhaltig zerstört worden ist. Im Gegensatz zu prachtvollen, gut integrierten Neubauten, wie der Stadtapotheke oder der Stadtsparkasse, die klar als Aushängeschilder des modernen Baustils gesehen werden können, gilt insbesondere die "Sanierung" des Kaufhauses Pock als tiefgreifender Einschnitt, der dem Gebäude nicht zum Besten gereichte. Auch das Fachwerkhaisla kam nicht um eine "Anpassung" herum: Durch den Einbau großer Ladenfenster zerstörte man die 250 Jahre alte Fassade zur Bahnhofstraße hin - bei einer aktuellen Begehung wurde das wahre Ausmaß dieser Eingriffe deutlich, da schwerwiegende Schäden am Balkenwerk entstanden sind, die im Rahmen der für 2019 geplanten Sanierung ausgebessert werden müssen. Einmal mehr also zeigt sich: Alte Häuser stehen nicht umsonst derart lange - manche Überlegung unserer Ahnen würde auch uns heute weiterhelfen. Anstatt für die Gegenwart zu bauen und alles zu "modernisieren", sollten wir lieber darauf achten, eben jene Besonderheiten historischer Architektur zu schützen, um davon zu lernen.

Medien

Wir begleiten das Fachwerkhaisla seit mittlerweile sechs Jahren, anfangs als Bürgerinitiative, die sich gegen den Abbruch stark gemacht hat, mittlerweile als Förderverein in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Münchberg und den Behörden. Einen kleinen Überblick über die neueste Chronik geben die folgenden Zeitungsartikel (durch Klicken vergrößerbar!)

Kontakt

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