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Interview: Asta-Vorstände „Wir müssen sehr viel stärker über den Hochschulkontext hinausgehen.“

Interview: Marc-Julien Heinsch; Fotos: Manuel Fleig; Layout: Nico Talenta;

Videos: Manuel Fleig und Nico Talenta (Unser Dank geht an die HTWG und das Medienlabor der Uni Konstanz für die Kameratechnik)

Die Couchgespräche vom 24. Januar sind passé und am nächsten Wochenende steht die Klausurtagung der Studierendenvertretung ins Haus. Campuls hat die Gelegenheit genutzt, um die Vorstände von HTWG- und Uni-Asta zum Gespräch zu bitten. Samuel Merkt (HTWG) und Daniel Färber (Uni) sprechen im großen Interview über die schwierige Mobilisierung der Studierenden, Pläne für mehr Mitsprache in der Stadtpolitik und Probleme mit Seezeit.

Wie schafft man es in der Studierendenvertretung gut und eng mit Seezeit und der Hochschulführung zusammenzuarbeiten, sich gleichzeitig offen die Meinung zu sagen und konsequent für die Studierenden einzutreten?

Färber: Sich die Meinung sagen funktioniert sehr gut. Aber es fehlt ein bisschen das Mobilisierungspotenzial. Wenn fast alles über ein vernünftiges Gespräch geklärt werden kann, fällt mobilisierende AStA-Arbeit ein Stück weit weg. Denn wenn man die Gründe für eine Entscheidung detailliert nachvollziehen kann, widerspricht man im Zweifelsfall vielleicht nicht mehr ganz so vehement. Da geht es an anderen Unis, zwischen AStA und Uniführung, anders zu.

Ist das ein Grund dafür, dass sich viele Studierende überhaupt nicht für Hochschulpolitik interessieren? Überspitzt gesagt: Geht es Uns einfach zu gut an den Hochschulen?

Merkt: Ich glaube viele haben Scheuklappen auf. Die ziehen ihr Studium durch und interessieren sich nicht für rechts und links.

Aber ist es nicht Eure Aufgabe als AStA, die Studierenden zu mobilisieren?

Merkt: Das Problem ist, dass Wir extrem wenig Feedback aus der Studierendenschaft bekommen. Wir gehen auf die Leute zu aber erfahren meist wenig. Oft sind Aufregerthemen auch nur studiengangspezifsche Themen. Die können Wir dann nur an den Senat oder die Akkreditierung weitergeben.

Aber Ihr seid doch auch das stadtpolitische Sprachrohr der Studierenden. Da müsste doch genug Mobilisierungspotenzial da sein. Woran krankt es dann?

Färber: Ich sehe die Gründe sehr vielschichtig. Zum einen stimme Ich Samuel in puncto Scheuklappenmentalität zu. Verstärkt durch den Bologna-Prozess. Ich denke, das trifft auf die Allermeisten zu. Denn die Probleme, die ihnen begegnen sind nicht existenziell genug, als dass sie sich engagieren würden. Vor allem wenn die Maßnahmen dann erst in vielleicht drei Jahren greifen. Das andere Problem ist, dass Wir eine sehr schlechte Öffentlichkeitsarbeit haben. Es krankt oft an der Kommunikation. Gerade sind Wir dabei das zu ändern. Wir haben zum Beispiel einen Hiwi für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit angestellt. Da wollen Wir auch das Potenzial von Asta, Fachschaften und Hochschulgruppen stärker bündeln. Aber wie Samuel gesagt hat, sind die Rückmeldungen meist sehr gering. Selbst wenn Wir Reizthemen setzen, plakatieren, flyern und auf Facebook einladen, kommen ganz wenige Leute. Und das hat mit einer gewissen Indifferenz zu tun. Da stehen Wir dann aber auch vor einem Luxusproblem. Ein Thema wie Studiengebühren, das eine kritische Masse bewegt, scheint zu fehlen.

Seid Ihr nicht auch viel zu kompliziert und in den Prozessen zu langsam, um für ein breites Engagement attraktiv zu sein? Denn um in der Hochschulpolitik und der Organisation des AStA so richtig durchzusteigen, sollte man am besten ein Seminar belegen.

Färber: Will man grundlegende Mechanismen einer Uni ändern, dann wird man nicht darum herumkommen sich einzuarbeiten. Zum AStA: Ja, es ist kompliziert. Aber spätestens seit unserer Strukturreform können themenspezifisch mit den einzelnen Referenten konkrete Anträge besprochen werden. Das ist teilweise in einer Woche erledigt.

Von außen sieht es aber trotzdem sehr kompliziert aus. Aber dann sind Wir wieder beim Kommunikationsproblem. Nun zum HTWG-AStA: Noch seid Ihr keine verfasste Studierendenschaft wie an der Uni. Woran hakt es?

Merkt: Die Wahlen für die Gremien sind einmal im Jahr. Am 15. April stehen die nächsten Wahlen an. Das Problem dabei ist, dass sich bislang zu wenige Studierende für die Wahl des Studierendenparlaments aufstellen lassen. Lassen sich zu wenige Studierende aufstellen, dann gibt es auch keine Wahlen.

Wie viele Studierende müssten sich denn zur Wahl stellen?

Merkt: 14. Was nicht nach viel klingt. Sieben davon müssten gewählt werden und weitere sieben Studierende kämen von den Fakultäten. Dort liegt aber das nächste Problem. Denn die Fakultäten sind noch einmal in Fachschaften unterteilt. Eine Fakultät hat dann zum Beispiel drei Fachschaften. Diese drei zählen aber eben nur als eine Fakultät und damit kämen lediglich zwei Personen der Fakultät in das Studierendenparlament. Da sind Streitigkeiten vorprogrammiert.

Klingt kompliziert. Käme ein Studierendenparlament zustande, dann wäre der AStA der HTWG aber eine verfasste Studierendenschaft?

Merkt: Ja, denn Wir haben bereits eine Satzung beschlossen. Diese wurde aber nie offiziell eingeführt, weil uns das Studierendenparlament dazu fehlt.
Färber: Man kann sagen: Ihr habt eine Satzung aber seid nicht konstituiert.

Ist es realistisch für Euch, bald eine verfasste Studierendenschaft zu sein? Und was versprecht Ihr euch überhaupt davon?

Merkt: Das kommt auf die Studierenden an. An der HTWG sind relativ wenige Studierende politisch engagiert. Im AStA wie er gerade ist, läuft es ziemlich gut. Wir haben deshalb gesagt, dass Wir vom AStA uns nicht aufstellen lassen. Sollten sich aber 14 Studis für die Parlamentswahl aufstellen lassen, dann folgen Wir diesem Beispiel, damit Wir auch gewählt werden könnten. Aktuell kann jeder zu uns kommen. Wir treffen uns zu Vollversammlungen, stimmen ab und verteilen kleinere Themen in Referate. Das Problem dabei ist unsere fehlende Legitimation. Wir sind von keiner Studierendenvollversammlung gewählt.

Kommen Wir zu den Themen, die in unserer Diskussionsrunde am 24. Januar besprochen wurden. Was hat sich für Euch aus den Couchgesprächen ergeben? Welche Themen sind auf die Agenda gekommen?

Färber: Uns ist aufgefallen, dass Wir sehr viel stärker über den Hochschulkontext hinausgehen müssen. Die Kommunikation zur Stadt ist uns sehr wichtig. Wir haben im Zuge dessen vor kurzem ein Treffen mit dem HTWG-Asta und Referenten des Oberbürgermeisters und des Gemeinderats, sowie dem Beauftragten für Bürgerbeteiligung gehabt. In einem ersten Schritt haben Wir uns auf ein regelmäßiges Treffen mit dem Oberbürgermeister geeinigt. Wahrscheinlich ein Mal pro Semester. Das ist natürlich eher kosmetisch. Langfristig wird es wichtig sein zu schauen, in welchen Gremien des Gemeinderats die für uns interessanten Themen besprochen werden. Das wären ganz klar Kultur, Mobilität und Wohnen. Dann sollen uns Mitglieder des Gemeinderats zu diesen Themen anhören.

Noch-Rektor Rüdiger hat in der Diskussionsrunde einen Studierendenausschuss des Gemeinderats ins Gespräch gebracht. Seid Ihr von dieser Idee abgekommen?

Diskussion: politische Mitbestimmung:

Färber: Im Prinzip wollen Wir es so ähnlich machen. Nur brauchen Wir dafür keinen eigenen Studierendenausschuss. Es gibt Uns als gewählte Studierendenvertreter ja bereits.
Merkt: Wir erhalten vorab die Themen, die in den Gemeinderatssitzungen verhandelt werden. Dann diskutieren Wir, ob etwas Relevantes dabei ist und gehen gegebenenfalls dorthin, um gehört zu werden.

Plant Ihr bei der nächsten Gemeinderatswahl für eine Studierendenliste mobil zu machen?

Färber: Ich persönlich plane es nicht. Wenn sich etwas ergibt, würde Ich das aber unterstützen. Ich halte es jedoch aus vielen Gründen für unfassbar schwierig, sich als Studierender in den Gemeinderat wählen zu lassen. Entweder ist nämlich der Einsatz so groß, dass man im Zweifel bereit sein muss Urlaubssemester für die politische Arbeit einzulegen. Oder die Studierendenliste ist nach drei oder vier Jahren vielleicht wieder tot. Nach fünf Jahren im Gemeinderat wäre selbst ein Erstsemester im zehnten Semester. Und da ist es auf keinen Fall garantiert, dass diese Person noch in Konstanz ist.

Welche Ideen habt Ihr für die Dauerbrenner unter den Themen der Stadt?

Merkt: Wir werden zum Thema Nachtbusse im Laufe des Semesters auf die Stadtwerke zugehen und dort Druck aufbauen. Wir haben gemeinsam eine konkrete Linienführung für neue Nachtbuslinien ausgearbeitet.
Färber: Diese Idee haben Wir auch schon an Helmut Baumgartl weitergegeben. Er ist auf die Stadtwerke zugegangen und Wir sind gerade dabei uns intern möglichst viel Unterstützung zu sichern. Sollten die Stadtwerke von alleine darauf nicht eingehen, werden Wir im Zweifelsfall auch den Gemeinderat konsultieren.

Nachtbusse in Konstanz:

Am Fahrradmietsystem Konrad, das dieser Tage eingeführt wurde, habt Ihr Euch seinerzeit nicht beteiligt. Warum nicht?

Färber: Der Kosten-Nutzen-Faktor hat für uns damals nicht gestimmt. Auf den einzelnen Studierenden heruntergerechnet wären es, glaube Ich, Mehrkosten von 2 Euro pro Semester gewesen. Aber einzeln besehen waren es erhebliche Kosten.
Merkt: Stadtwerke und Studierendenschaft hätten sich die Kosten 50-50 teilen sollen.
Färber: Außerdem wäre das System ungeeignet gewesen, um beispielsweise die vollen Busse zur Uni zu entlasten. Zudem schien uns das Angebot primär für Touristen zu sein. Denn wer länger hier lebt, nutzt sein eigenes Fahrrad. Dafür im Jahr etwa 40 000 Euro über den Tisch zu schieben, dafür haben Wir einfach keine Zustimmung gefunden.

Was sagt Ihr zur Einführung des kommunalen Ordnungsdienstes im Herosépark?

Merkt: Mir kam es vor, als sei das im Zuge des generellen Trends zu mehr sichtbarer Sicherheit im öffentlichen Raum beschlossen worden. Ich halte es für keine sinnvolle Entscheidung.
Färber: Ich halte es für kosmetisch. Es kommt aber darauf an, wie sich der Ordnungsdienst verhält. Wenn er grenzüberschreitend agiert und Platzverweise erteilt, obwohl er das nicht darf, würde das in einem solchen Ballungsgebiet im öffentlichen Raum eher das Konfliktpotenzial erhöhen. Und wenn der Ordnungsdienst lediglich herumgeht und ermahnt, hilft das den Anwohnern im Zweifelsfall auch nicht weiter.

Was sind aktuelle hochschulpolitische Themen für Euch?

Färber: Gerade sind das die neuen Essenslinien von Seezeit. Davon wurden Wir komplett überrannt, was Ich, um ehrlich zu sein, eine Unverschämtheit finde.
Merkt: Wir haben ja eigentlich einen sehr guten Kontakt zu Seezeit. Aber, dass man uns dann bei einer solchen Entscheidung über das Mensaessen komplett außen vor lässt, ist einfach unverständlich.
Färber: Es ist doch irgendwas gewaltig schief gelaufen, wenn die Studierendenvertreter, die sogar im Seezeit-Verwaltungsrat sitzen, von einer solchen Änderung bei Jodel erfahren. Das Konzept an sich ist ein unfassbarer Rückschritt, der noch dazu unfassbar schlecht kommuniziert wurde. Denn de facto handelt es sich um eine Verkleinerung der Portionen. Man bekommt die Gerichte zwar noch für die gleichen Preise aber einfach eine wesentlich kleinere Menge. Was die Qualität des Einkaufs angeht kann man Seezeit ja gar nichts vorwerfen. Aber solche Einheitsportionen gehen an sich nicht. Ein großer Sportstudent, der größere Portionen braucht, verdient auch nicht mehr Geld als andere. Und die Seezeit-Mensa ist eben kein Restaurant, sondern erfüllt einen sozialen Zweck. Auch ob sich das Müllaufkommen durch Einheitsportionen wirklich reduziert, werden Wir prüfen. Wenn die Müllmenge nicht zurückgeht, dann gilt das Nachhaltigkeitsargument nämlich gleich gar nicht.

Gibt es weitere Probleme?

Färber: Probleme nicht direkt. Wir sprechen gerade mit Seezeit, ob nicht die Wohnheimsplatzquote für Internationals erhöht werden könnte. Denn die haben es auf dem Wohnungsmarkt extrem schwer, wenn sie keinen Wohnheimsplatz bekommen. Außerdem sind Wir mit Herrn Baumgartl in Gesprächen wegen der Essensversorgung am Wochenende an der Uni.

Sonntags an der Uni:

Zu den Interviewpartnern:

AStA-Vorsitzender der Universität Konstanz Daniel Färber (23 Jahre)

Nach seinem Bachelor-Abschluss in Politik- und Verwaltungswissenschaften im letzten Jahr, studiert Daniel Färber zurzeit Social and Economic Data Analysis im Master. Seit seinem zweiten Semester ist Färber beim AStA der Universität Konstanz aktiv. Er war schon Mitglied des Wahlausschusses, langjähriger Finanzreferent und Helfer für das Campus Festival. Anfang der Wahlperiode im Juli 2017 wurde er in den Vorsitz gewählt.

AStA-Vorsitzender der HTWG Konstanz Samuel Merkt (23 Jahre)

Samuel Merkt studiert im siebten Semester Maschinenbau an der HTWG. Seit der Ersteinführung des AStA in seinem ersten Semester, engagiert sich Merkt selbst in der Studierendenvertretung seiner Hochschule. Der Vorstand des HTWG-AStA wird in jedem Semester neu gewählt. So ist Dennis Jendel aus zeitlichen Gründen aus dem Vorstand zurückgetreten und Samuel Merkt neu dabei.

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Campuls Hochschulzeitung
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