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Kulisse des barocken Welttheaters Förderzeitraum: 2019—2020

Hannover, 06.01.2019

Kulisse des barocken Welttheaters

Die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege fördert die Sanierung des Heckentheaters in Hannover-Herrenhausen

Königsbusch. Blick vom Amphitheater zum Galeriegebäude (mit dem Wappen über dem Mittelrisalit), um 1725.

Back to the roots

Anfang 2009 konnten 17 Barockfiguren aus vergoldetem Blei nach mehrjähriger aufwändiger Restaurierung in das Heckentheater der Herrenhäuser Gärten zurückkehren. Die durch die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege mit einem Kostenvolumen von € 350.000 finanzierte Maßnahme bedeutete einen ersten wichtigen Schritt für eine möglichst weitgehende Rückgewinnung der originalen Gestalt dieses singulären Kulturdenkmals. Im Winter 2019/2020 sollen als weiterer wichtiger Schritt die ursprüngliche Heckenstruktur des Theaterbosketts und die Bepflanzung mit barock beschnittenen Linden wiederhergestellt werden. Zu dieser Umgestaltung gehört auch die Aufstellung von vergoldeten Figuren im Amphitheater. Sie wird von der Wenger-Stiftung für Denkmalpflege mit ca. € 70.000 gefördert.

Um zu verstehen, weshalb diese Rekonstruktion von herausragender Bedeutung ist, muss man versuchen, sich in die Vorstellungswelt des 17. Jahrhunderts zurückzuversetzen:

Ja, man könnte es so ansehen, als ob die ganze Kunst des Barocks nichts sei als die Kulisse des barocken Weltfestes, die von den Gästen verlassen und von den Dienern abzuräumen vergessen worden ist.

Kunst der Machtdarstellung

„Ja, man könnte es so ansehen“, so führt Richard Alewyn 1959 in seinen Betrachtungen zum barocken Theater aus, „als ob die ganze Kunst des Barocks nichts sei als die Kulisse des barocken Weltfestes, die von den Gästen verlassen und von den Dienern abzuräumen vergessen worden ist. Aus verschollenen Anlässen entstanden, ist sie in ihrer zufälligen Gebärde erstarrt und steht nun da, wie dem Fels der Ewigkeit abgetrotzt, aber an der Oberfläche noch zitternd von dem Leben, das sie gezeugt“.

Das Heckentheater mit seinem Figurenschmuck ist eine solche Kulisse, die von höfischen Festen, Ballett- und Theateraufführungen berichtet, von denen wir uns nur noch eine ungenügende Vorstellung machen können. Die politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die der Französischen Revolution folgten, versperren den Blick in eine Epoche, in der den Untertanen das Gottesgnadentum des absolutistischen Herrschers mit dem Glanz der Hofhaltung vor Augen geführt werden sollte.

Der Absolutheitsanspruch des Herrschers wurde in die Landschaft hineingetragen. Die barocke Gartenarchitektur mit ihrer Klarheit, Ordnung und Verbesserung der Natur zeigte ihn als neuen Schöpfer. Besucher, die sich heute ganz unbefangen auf einem der Stühle des Heckentheaters niederlassen, ahnen nicht, dass auch dieser Gartenraum Teil eines ausgeklügelten zeremoniellen Systems darstellte, in dem jedem Mitglied der Gesellschaft eine genau definierte Stellung zugewiesen war, um den Abstand zum Souverän deutlich zu machen.

Bedeutungsvolle Architektur

Barocke Architektur, zu der selbstverständlich auch die Gärten zählen, ist Bedeutungsträger. Im speziellen Fall des Heckentheaters muss man sich dieser Tatsache bewusst sein, will man es aus der Sicht seiner Erbauer angemessen beurteilen. Am Ende des 17. Jahrhunderts bildete es mit dem Orangenparterre und dem Königsbusch eine zusammenhängende Folge von Festräumen im Freien - voller komplizierter, uns fremd gewordener Symbolik, die die Gebildeten zu jener Zeit selbstverständlich entschlüsseln und verstehen konnten: Die olympischen Götter und antiken Heroen als positive Kräfte, die den Fürsten führen oder als Personifikationen tugendhafter Eigenschaften auf ihn und sein Geschlecht anspielen.

Seinen Dreh- und Angelpunkt fand dieser Komplex im Galeriegebäude, das mit seiner anspruchsvoll gestalteten Architektur für höfische Festlichkeiten und herrschaftliches Wohnen diente. Es ist gleichzeitig ein Ort, an dem sich das Herrscherhaus, dem Selbstverständnis absolutistischer Fürsten entsprechend, glorifizieren ließ. Eingebunden in einen Rahmen allegorischer und mythologischer Bezüge, stellen die Wandmalereien von Tommaso Giusti die Reise des Aeneas von Troja nach Rom als ein Gleichnis für die Tugenden des Herrschers dar. Der Bezug auf Troja spielt im Übrigen auf die weit in mythische Zeiten zurückreichende, allerdings spekulative „genealogia welforum“ an.

Das durch Hecken und Tore umschlossene Orangen-Parterre war für die sommerliche Präsentation der kostbaren Sammlung von Zitrusbäumen angelegt worden, als neuer „Garten der Hesperiden“, in den der Fürst, dem Tugendhelden Herkules gleich, die goldenen Äpfel trotz unüberwindbar scheinender Widrigkeiten aus dem Garten der Götter überführen konnte. Zitruspflanzen waren im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur eine höchst beliebte Zierde des Gartens, sondern auch Symbol für das ewige Leben. Die fürstliche Zitrussammlung war somit Sinnbild für die Unsterblichkeit des Herrscherhauses.

Goldenes Zeitalter

Das Heckentheater will demgegenüber als ein Hort zeitlosen Glücks verstanden werden. Im Goldenen Zeitalter lebten die Menschen ohne Sorge und Arbeit, alterten nie, lachten und tanzten, wie es die vergoldeten Bleifiguren zum Ausdruck bringen. Wie in den szenischen Darstellungen im Galeriegebäude leitet sich dieser Mythos aus der Aeneis ab, in der Vergil die erlebbare Wiederkehr der goldenen Zeit unter der Herrschaft eines Imperators feiert – dort des Caesar Augustus, hier zweifellos auf den Fürsten als neuen Augustus umgemünzt.

Die im Königsbusch auf hohen Postamenten stehenden Porträtfiguren des regierenden Herzogs Ernst August, seiner Gemahlin Herzogin Sophie, seines Vaters Herzog Georg von Calenberg und ihres Sohnes Prinz Georg Ludwig stellen in diesem Zusammenhang eine raffinierte, genealogisch zu verstehende Selbstdarstellung des Herrscherhauses im Sinne einer epochenübergreifenden familiären Identität und Kontinuität dar. Sie verkörpern damit auch den Aufstieg des Welfenhauses im 17. Jahrhundert.

Für den Zeitgenossen, der vom Galeriegebäude zum Heckentheater schritt und dem das hier realisierte Programm der Repräsentation und Legitimation des Herrscherhauses gegenwärtig war, erschloss sich vermutlich eine weitere Dimension: eine Gleichsetzung des Welfenhauses mit dem römischen Geschlecht der Julier, das der Legende nach aus Troja stammte und sich in göttlicher Abstammung sah: „Wende nunmehr den Blick und schau da drüben die Sippe / Deiner Römer; da siehst Du Caesar und deines Iulius / Ganzes Geschlecht, bestimmt, dereinst in den Himmel zu steigen. / Der, ja der ist der Mann, der dir so häufig verheißen, / Caesar Augustus, des Göttlichen Sohn, die goldenen Zeiten / bringt er nach Latium wieder, wo einst Saturnus regierte“ (Aeneis VI, 788 ff.).

Spazierort voller Überraschungen

Die von niedrigen Bäumen oder auf Form geschnittenen Hecken umgrenzten Bosketts waren beliebte Rückzugsorte der höfischen Gesellschaft, in deren schattigen grünen Räumen man sich bei Ball- und Kugelspielen, auf Schaukeln und Wippen amüsieren oder in abgeschiedenen Lauben und Labyrinthen heimlich treffen konnte. Man nannte solche Bosketträume auch „salon“, „salle“ oder „cabinet“. Der Garten wurde als Haus im Freien aufgefasst. Wichtig war, dass hier innerhalb der strengen Geometrie des barocken Gartens immer neue Überraschungen warteten, um den stets wachen Wunsch der Hofgesellschaft nach „variété“ nachzukommen.

In dieser Hinsicht sollte auch das Heckentheater ein ganz besonderes Gartenerlebnis bieten, zu dem der reiche Figurenschmuck (ursprünglich 26 vergoldete Bleiplastiken und 34 Skulpturen aus marmorweiß gefasstem Stein) beitrug. Über ein übergreifendes ikonographisches Figurenprogramm lässt sich nur zu spekulieren. Insgesamt dürfte es sich aber im Sinne des Barocks um eine schöne Dekoration mit der „Aura der Antike“ gehandelt haben.

„Dazu gehören“ – wie Dieter Hennebo und Erika Schmidt 1978 in einem Aufsatz zum „Theaterboskett“ in Herrenhausen herausarbeiten – „Blickbeziehungen, die über die „Binnenwände“ des reich dekorierten Bosketts hinausgingen, und die Spannung, die entstehen musste, wenn zwei gegeneinander geöffnete und normalerweise miteinander verbundene Räume – „Theater“ und „Amphitheater“ – so angeordnet wurden, dass zwischen ihnen eine übergeordnete Gartenraumflucht verlief“.

Theater im Freien

Das Heckentheater wurde, neben seiner Funktion als Spazierort, auch für die verschiedenen Arten der höfischen Unterhaltung benutzt. Auch wenn unklar bleibt, wie häufig szenische Aufführungen stattgefunden haben, besaß es die gesamte für einen Spielbetrieb notwendige Infrastruktur. Es nimmt in der Entwicklung des spezifischen Typus des Heckentheaters in Deutschland eine Schlüsselstellung ein. Formal konnten keine direkten Vorläufer in anderen, italienischen oder französischen Heckentheatern nachgewiesen werden. Vielmehr war es ein nach den Regeln des zeitgenössischen Theaterbaus konstruiertes, bespielbares Hoftheater im Freien.

Bemerkenswert ist, wie sich in ihm Grundformen des nahezu zeitgleich (1689) eingeweihten Opernhauses im Leineschloss Hannover, der besonderen Situation im Großen Garten anverwandelt, wieder finden: im Zuschauerraum die Halbbogenform mit Vierstufenanlage (dort vier gestaffelte Ränge), in einem Parkett ohne Steigung, das mit einer Balustrade abschließt, schließlich in der nach hinten ansteigenden Bühne, die in Vorder- und Hinterbühne geteilt ist, auf dieser eine Folge von Kulissenpaaren, im Garten aus Hecken gebildet. Nach innen standen vor jeder Heckenkulisse auf Form geschnittene Lindenbäume, zum äußeren Abschluss dienten kleine Heckenräume den Schauspielern zum Umkleiden und Aufenthalt.

Barocke Bühnenbilder

Das Szenenbild stellte einen Garten dar, der Konvention folgend als skulpturengeschmückte Allee. Die Figuren sind nicht als bloße Staffage zu verstehen, vielmehr sollten sie quasi Mitspielende sein, die sich daher mit Blicken und Gesten zum Bühnengeschehen mit seinen reich kostümierten Darstellern hinwendeten. Zusammen mit den auf der nördlichen Abschlussmauer angeordneten Bleifiguren bildeten sie einen die Bühne und das Amphitheater umrundenden Komplex, der die Besucher in seine Mitte nahm und in das Goldene Zeitalter entführte.

Anregend haben zeitgenössische Bühnenbilder gewirkt: Als ein prominentes Beispiel sei auf die prunkvolle Ausstattung des „Planetenballetts“ verwiesen, die Johann Oswald Harms 1678 aus Anlass eines der bedeutendsten höfischen Feste der Zeit, die „Durchlauchtigste Zusammenkunfft“ des Kurfürsten von Sachsen und seiner drei Brüder mit ihren jeweiligen Hofstaaten, entworfen hat. Das Ballett, das seinerzeit große Aufmerksamkeit an den deutschen Höfen erregte, zeigt im fünften Bild die perspektivische Kulisse eines großen Lustgartens, der mit Statuen, Vasen und Obelisken sowie an seinem Abschluss mit einer Fontäne geschmückt ist.

Eines der beliebtesten Stilmittel des barocken Bühnenbildes war die Darstellung wieder erkennbarer Orte in der überhöhten Wirklichkeit der Bühne. Dass dabei eine Wechselbeziehung zwischen Bühnenbildern und der realen Gartenarchitektur bestanden hat, belegt ein Entwurf für die Kulisse von Jean Baptiste Lullys Oper „Thesée“, die 1675 zur Verherrlichung der Siege Louis XIV. aufgeführt wurde. Das Bühnenbild für den Prolog, das - wie ursprünglich in Herrenhausen - zwei Reihen einander zugewendeter Goldfiguren auf hohen Podesten zeigt, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Skulpturenschmuck der Allée Royale im Park von Versailles.

Wesentlich für die Wirkung des Heckentheaters waren die auf angemessene Formen geschnittenen Bäume, Hecken und Büsche. Sie vollendeten die gebaute Grundform von Bühnenbereich und Zuschauerraum, kaschierten die Stützmauern, denen sie eng folgten, ohne die gewollten Breitenunterschiede zwischen Bühne und Königsbusch zu verwischen.

In Zusammenwirken mit dem Figurenapparat, auf den sie mit ihrer Schnittform antworteten, wirkten sie Blicke führend; den Weg von Osten nach Westen begleitend, dabei die seitlichen Treppen maskierend und den Zugang zum Amphitheater einladend durch Rundungen akzentuierend. Die breit angelegte Schneise zwischen den beiden Raumteilen des Heckentheaters überbrückten sie optisch gemeinsam mit den um den Fürstensitz im Amphitheater aufgestellten Goldfiguren durch Bezug auf die perspektivisch angelegte Kulisse. Mit den die seitlichen Kabinette an den Bühnen begleitenden Wegen schufen sie allerlei Möglichkeiten für das Divertissement der Flaneure.

Als bedeutungsvolles Hoheitszeichen symbolisierten die Wappen die Herrschaft des Fürsten und wiesen Gebäude und Garten als sein Eigentum aus.

Die in Form geschnittenen Linden auf der nördlichen Stützmauer öffneten sich mittig für den Blick nach Norden. Nach Süden fand das Auge des Betrachters am Ende der Heckenkulissen in der hoch aufsteigenden Fontäne einen „point de vue“, der von je zwei Bleifiguren auf dem Rund der Balustrade flankiert wurde.

Hoheitszeichen

Verknüpft wurden die verschiedenen Bereiche des Theaterbosketts durch die von Norden nach Süden verlaufende Achse, die im Großen Saal des Galeriegebäudes begann, über das Orangen-Parterre und den Königsbusch zum Gartentheater führte. Sie wurde durch die Symbole des Fürstenhauses in ihrer zentralen Achse hervorgehoben: durch das riesige gemalte Allianzwappen Braunschweig-Lüneburg und Pfalz-Bayern im Galeriegebäude, am Äußeren durch das Monogramm mit dem Kurhut im Dreiecksgiebel und das von Putten gehaltene kurfürstlich-hannoversche (später ersetzt durch das königlich-großbritannische) Wappen über dem Mittelrisalit, der mit Mars und Minerva weitere Anspielungen auf das Fürstenpaar zeigt, sowie durch die Skulpturen im Zentrum des Königsbusches.

Als bedeutungsvolles Hoheitszeichen symbolisierten die Wappen die Herrschaft des Fürsten und wiesen Gebäude und Garten als sein Eigentum aus. Wenn sich der Fürst nicht persönlich im Theaterboskett bzw. im Heckentheater aufhielt, war er immer noch durch das Wappen, das über die gesamte Länge der Nord-Südachse wahrgenommen werden konnte, präsent.

Sitz des Herrschers

Nur durch einen Bericht von 1732 sind wir unterrichtet, dass der Fürst damals bei Veranstaltungen mit dem Hof – französischer Mode entsprechend - in einem großen Kreis auf der Bühne des Heckentheaters saß. In anderen deutschen Garten-, aber auch Hoftheatern waren für die fürstlichen Familien und ihre Gäste gesonderte Sessel (Bayreuth) oder erhöhte Podeste (Wien, Dresden) oft unmittelbar vor der Bühne reserviert, wo sie als Mittelpunkt des Theaterereignisses selbst gut gesehen werden konnten. Im Garten von Schloß Pillnitz ahmte man hingegen 1738 anlässlich von Hochzeitsfeierlichkeiten die Situation im Dresdener Opernhaus nach, indem man eine Fürstenloge „unter einer Bedeckung in Lehnstühlen“ errichtete.

Angesichts der besonderen Situation in Herrenhausen mit der Einbindung des Heckentheaters in einen übergeordneten Gartenbereich, der durch eine vom Galeriegebäude durchlaufende Achse verbunden war, darf angenommen werden, dass die ursprüngliche Position des Fürsten auf der vierten Stufe des Zuschauerraumes gedacht war. Hier konnte er sich wie in einer Hofloge zentral in unmittelbarer bedeutungsvoller Achsbeziehung zu seinem Wappen auf dem Galeriegebäude niederlassen, hier war er herausgehoben durch die auf der Balustrade stehenden Goldfiguren.

Hinzuweisen ist im Übrigen darauf, dass im strengen Hofzeremoniell des 17. und 18. Jahrhunderts Fragen der Sitzhöhe von herausragender Bedeutung waren, was in der Hofgesellschaft vielfach zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Im Heckentheater sorgfältig nach Rang geordnet, saßen die geladenen Gäste auf den Stufen unter dem Fürsten und im Parkett. Die Nähe oder Entfernung zu ihm war feines Messinstrument der Hierarchie des Publikums.

Dass die Anzahl der (vier) Stufen, auf denen der Sessel des Kurfürsten stand, nicht nebensächlich gewesen sein kann, weist beispielhaft ein Blick auf das höfische Speisezeremoniell aus: An den für die Präsentation des Prunkgeschirrs dienenden Kredenzen gaben die Anzahl der Stufen und damit die vertikale Ordnung Auskunft über denjenigen, der Tafel hielt: So blieben fünf Stufen dem Kaiser vorbehalten, vier den Fürsten und Herzögen.

Oben links: Carlo Vigarini, Bühnenentwurf zum Prolog von Jean Baptiste Lullys Oper „Thesée“. 1675 aufgeführt in Versailles. | Oben rechts: Johann Oswald Harms, Das „Planetenballett“. Szene „Garten: Venus“. 1678 in Dresden aufgeführt (Herzog Anton Ulrich-Museum - Kunstmuseum des Landes Niedersachsen, Braunschweig). | Groß: Bühne des Heckentheaters, um 1725.

Niedergang und Rückbesinnung

Das Heckentheater ist ein facettenreiches Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Hennebo und Schmidt stellten 1978 heraus, dass „Königsbusch“, „Amphitheater“ und „Theater“ „in ihrer Eigenschaft als Bosketts ... die kunstvollste aus Heckenwänden gebildete Raumfolge im Großen Garten zu Hannover-Herrenhausen darstellt. Sie waren neben der Großen Fontäne seine meist bewunderten Elemente“.

Die „Lesbarkeit“ des Heckentheaters ist allerdings durch Verluste in der Vergangenheit, durch die unterlassene Pflege der Vegetation sowie gravierende Veränderungen seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts eingeschränkt. Einen ersten Schritt zur Annäherung an den ursprünglichen Zustand wurde mit der Aufstellung der originalen Bleifiguren im Bühnenraum gemacht. Um die Intentionen des 17. Jahrhunderts wieder erlebbarer zu machen, werden nun die Hecken und die Linden entsprechend dem ursprünglichen Bestand dieses “grünen Theaters“ neu gepflanzt und dem barocken Vorbild entsprechend in regulierte Form gebracht.

Zum Wesen dieses höfischen Festraumes gehörte es auch, dass die 27 vergoldeten Figuren, die die Bühne und auf den Balustraden das Amphitheaters umrundeten, den Besucher in ihre Mitte aufnahmen und imaginiert in das Goldene Zeitalter entführten. In diesem Sinne bedeutet die Wiederaufstellung einer Reihe von Figuren im Amphitheater eine Rekonstruktion der raffinierten künstlerisch-allegorischen Konzeption der Barockzeit, die das Theater als Weltmetapher sah und die Welt als Illusion erscheinen lassen wollte.

Der originale Figurenschmuck der wird im Amphitheater durch Bronzerepliken ergänzt, die repariert und vergoldet werden.

Literatur

Rudolf Meyer: Hecken- und Gartentheater in Deutschland im XVII. und XVIII. Jahrhundert. Emsdetten 1934.

Richard Alewyn und Karl Sälzle: Das große Welttheater. Die Epoche der höfischen Feste in Dokument und Deutung. Hamburg 1959.

Dieter Hennebo und Erika Schmidt: Das Theaterboskett: Zur Bedeutung und Zweckbestimmung des Herrenhäuser Heckentheaters. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 50. Hildesheim 1978, S. 213—274.

Ulf Küster (Hrsg.): Theatrum Mundi. Die Welt als Bühne. München und Wolfratshausen 2003.

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